Über dem Abgrund: erste Highline auf über 4.000 Metern im Mont-Blanc-Massiv

Am 11. Juni 2025 wurde Alpingeschichte geschrieben: Das französische Kollektiv «Les Passagers du Vide» (Die Passagiere der Leere) und ihre Freunde haben eine Highline in schwindelerregenden 4.000 Metern Höhe im Mont-Blanc-Massiv gespannt – ohne Helikopter, ohne externe Hilfe, nur mit Muskelkraft, Teamgeist und einer Vision.

Satte 788 Meter über dem Nichts

Zwischen dem Dent du Géant (4.013 m) und dem Mont Mallet (3.989 m) spannte das Team eine 20 mm breite Slackline über eine Distanz von 788 Metern – 800 Meter über dem Gletscherboden. Die Athleten balancierten Barfuß oder mit minimalistischen Schuhen über die Line – getragen von der Stille, dem Wind und der Kraft der Berge.

Für die Beteiligten das Ergebnis von acht Monaten Vorbereitung, 29 Materialtouren und 25 Besteigungen.

  • Highline am Mont Blanc
  • Highline Mont Blanc

Ein Projekt in drei Akten

1. Der Aufstieg

Über 400 Kilogramm Ausrüstung wurden in drei Wochen auf dem Rücken zum Fuß des Dent du Géant (deutsch: «der Zahn des Riesen») getragen – auf 3.850 Meter Höhe. Dort, auf einem kleinen Gletscherplateau zwischen den Gletschern des Géant und der Périades, schlug die Gruppe ihr Basislager auf: die «Salle à Manger» – das Esszimmer des Teams.

2. Die Installation

Die Highline wurde manuell gespannt – Seil für Seil, Gurt für Gurt. Die Freunde trugen das Material über den Grat von Rochefort, bis schließlich die finale Slackline stand. Eine logistische Meisterleistung in einer harschen Umgebung, in der Wind und Wetter jederzeit alles zunichtemachen können.

  • Highline Dent des Geants
  • Highline Dent des Geants

3. Die Überquerung

Dann kam der Moment der Wahrheit: Schritt für Schritt ging es über die Linie. Hochkonzentriert, mit ruhigem Atem und festem Blick. Jeder Schritt ein Tanz mit der Leere – und ein Statement für die Schönheit des Augenblicks in atemberaubender Kulisse.

Mont Blanc Highline – Mehr als ein sportlicher Rekord

Dieses Projekt ist nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch ein symbolischer Akt: Im Rahmen des Internationalen Jahres der Gletscherschutzes wollten die Athleten auf die Zerbrechlichkeit unseres Ökosystems aufmerksam machen. Die Gletscher unter ihren Füßen schmelzen – und mit ihnen ein Teil unserer Zukunft.

  • Slackline Dent des Geants
  • Mont Blanc Massiv

Das Team hinter dem Traum

Zu den Beteiligten gehörten unter anderem: Antoine Crétinon, Danny Mensik, Antoine Mesnage, Camille Le Guellaut, Grégoire Payen-Girard, Aurélia Lanoe, Sébastien Juan, Coline Ballet-Baz und viele weitere. Sie alle verbindet die Leidenschaft für die Berge, für die Slackline – und für das, was jenseits des Sichtbaren liegt. Ein Dokumentarfilm über dieses selbstorganisierte Abenteuer im Mont-Blanc-Massiv ist in Vorbereitung.

Projekt Team Slackline Mont Blanc
Das Team hinter dem Projekt; Foto: Antoine Mesnage

Eckpunkte des Projekts

  • Startpunkt auf 4.013 m am Dent du Géant
  • Endpunkt auf 3.989 m am Mont Mallet
  • Länge der Highline zwischen den beiden Punkten: 788 m
  • Tiefe: 800 m über dem Abgrund (Gletscher des Périades)
  • Dyneema-Band: 108 kg; 800 m Länge, 20 mm Breite
  • 4 Bohrhaken zur Verankerung + einige bereits vorhandene Fixpunkte
  • Spannung: 400 kg im Ruhezustand, 500 kg bei Überquerung durch Highliner
  • 15 beteiligte Personen
  • 5 Tage Biwak auf 3.850 m Höhe
  • 25 Besteigungen der Dent du Géant
  • 29 Auf- und Abstiege, um das Material zum Fuß der Dent zu bringen – und ebenso viele, um es wieder abzutransportieren

Das könnte dich interessieren

+++

Credits Titelbild: Antoine Mesnage

Aktuell

Rückruf bei C.A.M.P.: Betrifft die Schrauben und Muttern an den Eisgeräten X-DREAM, X-DREAM TOTAL DRY und X-ALL MOUNTAIN

C.A.M.P. informiert, dass sich bei den Eisgeräten X-DREAM, X-DREAM TOTAL DRY und X-ALL MOUNTAIN die Schrauben, die Schaft und Axtkopf verbinden, teils gelöst haben; betroffen sind Produkte, die nach Oktober 2024 hergestellt wurden.

Ex-Klettertrainer von Team USA wegen Besitz von Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu Gefängnisstrafe verurteilt

Matthew Maddison, der ehemalige Trainer des Speedkaders von USA Climbing, ist im US-Bundesstaat Utah zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren verurteilt worden. Der 37-Jährige gestand im Rahmen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft, Material über sexuellen Kindesmissbrauch besessen und online verbreitet zu haben. USA Climbing hatte den gebürtigen Briten bereits nach seiner Verhaftung im Frühjahr von seinen Aufgaben freigestellt.

Nach tödlichem Kletterunfall auf Kalymnos: Fast 400 Routen mit Titanhaken saniert

Seit dem tödlichen Kletterunfall auf Kalymnos im Frühjahr hat die Routensanierung auf der griechischen Insel angezogen. Wie die lokale Initiative Rebolt Kalymnos mitteilt, wurden 383 Routen vollständig neu eingerichtet – mit Titan statt Edelstahl.

La Sportiva Challenger 28 im Test: Segeltuch auf Hochtouren

Mit dem Challenger 28 steigt La Sportiva in eine Kategorie ein, die man der Marke bisher nicht zugeordnet hat: technische Rucksäcke. Ich habe ihn fünf Tourentage lang mitgenommen, auf die Arête des Cosmiques und ins Alpinklettern.

Rückruf bei C.A.M.P.: Betrifft die Schrauben und Muttern an den Eisgeräten X-DREAM, X-DREAM TOTAL DRY und X-ALL MOUNTAIN

C.A.M.P. informiert, dass sich bei den Eisgeräten X-DREAM, X-DREAM TOTAL DRY und X-ALL MOUNTAIN die Schrauben, die Schaft und Axtkopf verbinden, teils gelöst haben; betroffen sind Produkte, die nach Oktober 2024 hergestellt wurden.

Ex-Klettertrainer von Team USA wegen Besitz von Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu Gefängnisstrafe verurteilt

Matthew Maddison, der ehemalige Trainer des Speedkaders von USA Climbing, ist im US-Bundesstaat Utah zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren verurteilt worden. Der 37-Jährige gestand im Rahmen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft, Material über sexuellen Kindesmissbrauch besessen und online verbreitet zu haben. USA Climbing hatte den gebürtigen Briten bereits nach seiner Verhaftung im Frühjahr von seinen Aufgaben freigestellt.

Nach tödlichem Kletterunfall auf Kalymnos: Fast 400 Routen mit Titanhaken saniert

Seit dem tödlichen Kletterunfall auf Kalymnos im Frühjahr hat die Routensanierung auf der griechischen Insel angezogen. Wie die lokale Initiative Rebolt Kalymnos mitteilt, wurden 383 Routen vollständig neu eingerichtet – mit Titan statt Edelstahl.