Man kennt’s: Gerade mit den technischen Aspekten des Kletterns und Alpinismus nehmen es Hollywood-Produktionen meist nicht so genau. Ausnahmen gibt es natürlich trotzdem: Wir haben fünf Kletterfilme gesammelt, die sich um Realismus bemühen.
Wer auf der Suche nach kultig-trashigen Kletterfilmen mit einer ordentlichen Portion Explosionen und Absurdität ist, der wird bei Klassikern wie »Cliffhanger« (1993) oder »Vertical Limit« (2000) schnell fündig (man denke nur an die legendäre Bohrhaken-Pistole von Sylvester Stallone).
Und auch neuere Produktionen wie »The Ledge« oder »Fall« (beide 2022) zeigen: Gestrandete Portaledges, ungesicherte Messerkämpfe und haarsträubende Free Solos können selbst Jahrzehnte später noch ein breites Publikum begeistern. Aber gibt es tatsächlich Filme, in denen Klettern und Alpinismus halbwegs gut dargestellt werden?

Doku-Filme aus der Kletterwelt gibt es zuhauf
An dieser Stelle muss dazugesagt werden, dass es in der Kletter- und Alpin-Community eine breite Auswahl extrem hochwertiger Dokumentationsfilme über wichtige Persönlichkeiten und Begehungen des Sports gibt.
Mit Events wie der European Outdoor Film Tour, Reel Rock oder dem Bergfilmfestival kommen Produktionen aus der Kletterwelt auch zunehmend im Mainstream an. Dahinter stehen in der Regel Expert*innen, weshalb wir Dokumentationen bei unserer Top 5 der fiktionalen Kletterfilme nicht berücksichtigen. Trotzdem gibt es hier wie gesagt wirklich lohnende Produktionen.
Unsere Top 5 Alpin- & Kletterfilme
Für alle, die sich über fiktionale Kletter- oder Alpinfilme freuen, haben wir unsere Top 5 aus verschiedenen Kino-Jahrzehnten zusammengestellt – von Retro-Charme bis zu etwas jünger. Der nächste Filmabend kann kommen!
Im Auftrag des Drachen (1975)

US-Actionthriller von und mit Clint Eastwood (Original: The Eiger Sanction). Ein Kunstprofessor und Ex-Profikiller muss für seinen letzten Auftrag an der berüchtigten Eiger‑Nordwand er einen russischen Killer identifizieren und beseitigen. Auf dem Berg wird der Spionagethriller zur alpinen Herausforderung und die Wand selbst zu tödlichem Terrain.
Worauf sich Kletterfans einstellen können
Eine spektakuläre Kulisse der Eiger-Nordwand mit einem jugendlichen Clint Eastwood als »James Bond am Berg«. Auch wenn der Kletteraspekt nicht völlig realistisch abgebildet wird, nimmt sich der Film durchaus ernst und wurde (bei teils widrigsten Bedingungen) vor Ort an der Eiger Nordwand und an anderen Locations in der Schweiz gedreht.
- Dauer: 129 Minuten
- Regie: Clint Eastwood
- Bewertung: 6,4/10 (IMDb)
Cerro Torre: Schrei aus Stein (1991)

Action-Drama aus der Feder von Werner Herzog: Die Spitzenkletterer Roccia Innerkofler und Martin Sedlmayr (gespielt von Stefan Glowacz!) wollen jeweils als erster den schwierigen Cerro Torre in Patagonien bezwingen. Getrieben von Ehrgeiz und Konkurrenz wird ihr Rennen zur existenziellen Zerreißprobe zwischen Mensch und Natur. Der Film enthält viele Parallelen zu der umstrittenen Erstbesteigung des Cerro Torre im Jahr 1959 durch Cesare Maestri und seinen Partner Toni Egger, der beim Abstieg tödlich verunglückte.
Worauf sich Kletterfans einstellen können
Authentische Berg- und Kletterszenen unter Regie von Werner Herzog, spannende Atmosphäre und Bergdrama. Der Wettkampf-Aspekt des Kletterns ist mit einer Prise Realismus zu genießen – Stefan Glowacz‘ erste Kinorolle dafür umso mehr.
- Dauer: 105 Min.
- Regie: Werner Herzog
- Bewertung: 6,2/10 (IMDb)
Sturz ins Leere (2003)

Dokudrama (Original: Touching the Void) über die dramatische Erstbesteigung der Westflanke des Andengipfels Siula Grande im Jahr 1985. Der erfolgreiche Summit wird für die britischen Bergsteiger Joe Simpson und Simon Yates zum Albtraum, als sie auf dem Abstieg in einen Schneesturm geraten. Der Film kombiniert Stimmen der Protagonisten von damals mit nachgespielten Szenen – ist also kein reiner Doku-Film.
Worauf sich Kletterfans einstellen können
Extrem spannendes, realitätsnahes Bergdrama mit Fokus auf Ausdauer, Risiko und die psychische Belastung extremer Expeditionen. Die Landschaftsaufnahmen wurden am Siula Grande in Patagonien gedreht, die Nahaufnahmen in den französischen Alpen. Der Film erhielt zahlreiche Preise.
- Dauer: 106 Minuten
- Regie: Kevin Macdonald
- Bewertung: 7,9/10 (IMDb)
Nordwand (2008)

Historisches Bergsteigerdrama »made in Germany«: Im Sommer 1936 träumen die beiden Bergsteiger Toni Kurz und Andi Hinterstoisser wie viele andere davon, die noch unbezwungene Eiger-Nordwand zu meistern. Doch ein Wettersturz, medizinische Not und der Druck von außen verwandeln den Aufstieg in einen dramatischen Wettlauf ums Überleben an der »Mordwand«. Mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnetes Drama, das (wenn auch nur oberflächlich) ebenfalls auf die Bedeutung des Alpinismus während des Nationalsozialismus eingeht.
Worauf sich Kletterfans einstellen können
Reale Schauplätze, authentische Atmosphäre und einer Mischung aus Abenteuer und Klettern. Auch wenn Unterschiede zu den realen Ereignissen von 1936 bestehen, bemühten sich die Filmemacher mit Drehs an vielen Originalschauplätzen um Realismus. Auf Anraten von Touching the Void-Regisseur Kevin Macdonald wurden mehrere Szenen in einer Gefrierhalle gedreht.
- Dauer: 123 Minuten
- Regie: Philipp Stölzl
- Bewertung: 7,4/10 (IMDb)
Everest (2015)

Der biografische Action-Film behandelt das medial vielbeachtete Unglück am Mount Everest im Mai 1996, dem acht Bergsteiger ums Leben kamen. Mehrere Expeditionsteams geraten auf dem Weg zum Gipfel des Everest durch einen unerwartet heftigen Schneesturm in Lebensgefahr. Im Film prallen verschiedene Themen aufeinander: Ehrgeiz, Naturgewalten und menschliche Grenzen, aber auch der zunehmende Everest-Tourismus und die Kommerzialisierung des Alpinismus.
Worauf sich Kletterfans einstellen können
Großes Berg-Action-Drama mit beeindruckender Kulisse, realen Bezügen und großem Schauspiel-Cast (u.a. Jake Gyllenhaal, Keira Knightley, Jason Clarke und Josh Brolin). Real gedrehte Szenen an Originalschauplätzen in Nepal erlauben dem Film eine wertungsfreie Gegenüberstellung der Risiken und Ethik des Höhenbergsteigens.
- Dauer: 122 Minuten
- Regie: Baltasar Kormákur
- Bewertung: 7,1/10 (IMDb)
Unser Fazit
Auch wenn es genannte Produktionen mit dem Bergsport ernster meinen als so mancher Trash-Streifen – wer hundertprozentige Realitätstreue erwartet, wird mit prämierten Dokufilmen wie »The Dawn Wall« und dergleichen wohl eher glücklich. Trotzdem liefern diese fünf Filmtipps spannende Repräsentationen des Kletterns bzw. Alpinismus auf der großen Leinwand, auf der ein bisschen Drama schließlich dazugehört.
Haben wir euren Lieblings-Kletterfilm vergessen? Welche Filme zeigen den Bergsport so, dass Zuschauer*innen sich unironisch fürs Klettern oder Bergsteigen begeistern können?
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Credits Titelbild: Universal Pictures

