»LaktoseFrei« (M6, 300 m) heißt die Mixed-Linie, die Simon Gietl und Jakob Steinkasserer zuletzt an der Nordwand des Hohen Weißzint eröffnet haben. Es ist erst die zweite Route an der wenig erschlossenen Granitwand.
Zweite Linie an Weißzint-Nordwand überhaupt
Am 9. Mai 2026 haben die beiden Südtiroler Simon Gietl und Jakob Steinkasserer eine neue hochalpine Mixed-Route am Hohen Weißzint (3.370 m) eröffnet. »LaktoseFrei« (M6) führt durch die rund 300 Meter hohe, eher weniger bekannte nördliche Granitwand auf den Weißzint am Zillertaler Hauptkamm.
Wie wenig bekannt? Das wollten Gietl und Steinkasserer genau wissen. Eine Recherche in lokalen Klettererkreisen ergab: Tatsächlich existierte vorher nur eine einzige andere Route in der gesamten Nordwand – die direkte Linie zum Gipfel. Eröffnet wurde sie bereits 1935 von Fritz Kaspareck und Sepp Brunhuber, wiederholt haben sie bis heute aber nur sehr wenige.

Über die Route
Die neue Linie von Gietl und Steinkasserer führt rechts der alten Tour über den plattigen und sehr kompakten Teil nach oben. Eine feine Eislinie gab den logischen Weg vor – auf dem Weg nach oben verläuft dieser immer wieder durch Verschneidungen und Risse. Die Erschließer nutzten fünf Haken und zwei Pecker, die sie oben ließen. Zusätzlich verwendeten sie eine komplette Serie Cams (0-2.0) und Keile.
»LaktoseFrei« (M6, 300 m) biete schöne Mixed-Kletterei auf festem Granit, so Simon Gietl. Gleichzeitig warnt er davor, die Schwierigkeit zu unterschätzen: »Die Kletterei ist nicht immer gut absicherbar.«
Auch wenn die Schwierigkeit der Route maximal M6 ist, sollte sie nicht unterschätzt werden.
Simon Gietl
Der M-Grad beschreibt nur den physischen und technischen Anspruch einer Mixed-Route, nicht die Absicherung oder Gefahr bei einem Sturz. »LaktoseFrei« ist mit teils schwierigem Drytooling in vertikalem bis überhängendem Gelände nur für erfahrenere Kletterinnen und Kletterer geeignet.



Gietl & Steinkasserer bei der Eröffnung von »LaktoseFrei« | Bilder: Simon Gietl
Anfahrt
Durchs Pustertal ins Ahrntal und bei Mühlen abzweigen ins Mühlwaldertal. Dann der Straße folgen bis zum Nevesstausee (über Öffnung der Straße informieren!). In der Nähe der Staumauer parken.
Zustieg
Über die Staumauer auf die Westseite des Sees und dort bis ca. Mitte See der Uferstraße folgen. Auf gut sichtbarem Weg ins Pfeifholdertal aufsteigen.
Sobald man dort die Baumgrenze erreicht und auf einen Boden gelangt, verlässt man den Weg und steigt rechts über einen Hang Richtung Weißzint auf. Am Ende des Hanges die Schlegeisscharte anvisieren, überqueren und man steht unmittelbar unter der Nordwand des Weißzint.
Abstieg
Entweder zu Fuß oder besser mit Ski über die obere Weißzintscharte zur Edelrauthütte und durchs Pfeifholdertal zum Nevessee.




Gietl & Steinkasserer bei der Eröffnung von »LaktoseFrei« | Bilder: Simon Gietl
Das könnte dich interessieren
- Meilenstein: Fay Manners‘ anspruchsvolle Winter-Mixed-Trilogie in der Schweiz
- Neue Mixed-Route am Klein Fiescherhorn von Schüpbach, Kolly & Sala | »Zébu« (M8/+)
+++
Credits Titelbild: Simon Gietl

