Solo im Winter: Simon Gietl durchsteigt »Phantom der Zinne« 7c+ (7a+ obl.)

Dem Südtiroler Alpinisten Simon Gietl gelang am 5. und 6. März eine winterliche Solo-Begehung der anspruchsvollen Route »Phantom der Zinne« 7c+ (7a+ obl.) 550 Meter. Die Linie an der Großen Zinne Nordwand wurde von Christoph Hainz und Kurt Astner im Jahre 1995 eröffnet und gilt als eine der anspruchsvolleren und zugleich ästhetischsten Routen an dieser markanten Wand.

Eine der schönsten Linien der Gegend

Die von Christoph Hainz und Kurt Astner im Jahr 1995 eröffnete Linie »Phantom der Zinne« gilt als eine der anspruchsvollsten und ästhetischsten Linien an der markanten Nordwand der Großen Zinne. Obligatorische Kletterei bis 7a+, nicht immer kompakter Fels, Schneeauflagen und Absicherung ausschließlich mit mobilen Mitteln – die Route verlangt Erfahrung, ein gutes Routengefühl und Selbstständigkeit.

Ich war nicht nur überglücklich die Entscheidung getroffen zu haben es nochmals zu versuchen, sondern es war auch ein großes Erlebnisbei dem ich wieder viel erleben und lernen durfte.

Simon Gietl
Simon Gietl Solo in der Großen Zinne Nordwand | Bild: Silvan Metz und Felix Bub

Bereits am 27. Februar transportierte Gietl sein Klettermaterial zur Großen Zinne, kletterte die ersten Seillängen durch und deponierte das Equipment am Einstieg. Als die Bedingungen stabil waren, kehrte er am 5. März zurück und nahm sein Projekt in Angriff. Zehn Zentimeter Neuschnee und Temperaturen bei ca. −5 °C. Winterlich, aber brauchbar. Gietl biwakierte auf dem Hasse/Brandler-Band, einem schmalen Band mitten in der Wand. »Ich schaute aus meinem Zelt hinaus in den Sonnenuntergang und dachte nur: Ich bin dankbar und überglücklich das Leben zu haben, was ich habe«, erzählt uns Gietl nach der Begehung.

Biwak auf dem Hasse/Brandler-Band | Bild: Silvan Metz und Felix Bub

Am zweiten Tag erreichte er das Ringband – tiefwinterliche Verhältnisse. Er wechselte auf Steigeisen und Pickel, sicherte das gesamte Band ab. Ein entsprechend zeitaufwendiger Abschnitt, bevor er kurz vor 16:00 Uhr den Gipfel der Großen Zinne erreichte.

Ein persönlicher Traum

Diese Begehung hat für den 41-Jährigen besondere Bedeutung. Bereits vor zehn Jahren hatte er einen ersten Solo-Versuch in der Route unternommen, damals ohne Erfolg. Umso größer ist daher die Freude über die vollständige Winter-Solo-Begehung die ihm nun endlich gelungen ist. Dokumentiert wurde das Unternehmen vom Kameraduo Silvan Metz und Felix Bub.

Immer wieder habe ich zurück gedacht und jetzt war das Bedürfnis wieder so hoch zurück zu kehren!
Gleichzeitig habe ich in den letzten Jahren auch viel mehr Erfahrungen mit Solo-Klettern gemacht und die Motivation war sehr hoch es bis zum Gipfel es zu vollenden.

Simon Gietl
Simon Gietl am Gipfel der Großen Zinne | Bild: Simon Gietl

Einer der aktivsten Alpinisten Südtirols

Simon Gietl ist staatlich geprüfter Bergführer aus Südtirol und zählt zu den vielseitigsten Alpinisten seiner Generation. Sein Stil: technisch anspruchsvoll, ethisch konsequent, bevorzugt im Winter und oft solo. Die Große Zinne und der Heiligkreuzkofel sind so etwas wie sein alpines Wohnzimmer. An beiden Wänden hat er zahlreiche Erstbegehungen und Solobegehungen vorgelegt. Grundsätzlich, erklärt er uns nach der Tour, ist Gietl ein Familien Mensch und gerne unter Leuten. Jedoch gönnt er sich auch gerne mal eine Auszeit allein. Einerseits ist es die Herausforderung am Solo-Klettern, die ihn reizt solo unterwegs zu sein, andererseits ist es laut dem Südtiroler auch mal nett, niemanden zu treffen.

 Eine der anspruchsvolleren und zugleich ästhetischsten Routen an der markanten Wand. | Bild: Silvan Metz und Felix Bub

Bekannt ist Gietl unter anderem für seine Serie winterlicher Dolomiten-Solos: die erste winterliche Solo-Überschreitung der Tre Cime di Lavaredo (2020), der Rosengartenüberschreitung (2022) sowie der Geislerspitzen-Traverse (2023) – stets alleine, stets im Winter. Zu seinen jüngsten Projekten zählen die Neutour »Apassionata« (9+) am Heiligkreuzkofel, die er gemeinsam mit Alexander Huber im klassischen Stil ohne Bohrhaken eröffnete, die Mixed-Route »ARGOS« (M9, WI6+) im Reintal sowie die Rotpunkt-Erstbegehung von »Lumina« (M8−) am Wildgall gemeinsam mit Ines Papert – einer ca. 280 Meter langen Alpinlinie, die Gietl zuvor solo eröffnet hatte.

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Credits: Titelbild: Silvan Metz und Felix Bub

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