Es ist eines der härtesten Rennen im Ski-Alpinismus: Die Patrouille des Glaciers. Während anderthalb Jahren hat Frédéric Favre drei Teilnehmende begleitet. Entstanden ist ein intimer Einblick in ein Abenteuer, das Leben verändert.

Ein Artikel von Jeannine Zubler

Der Regisseur begleitet drei sehr verschiedene Rennläufer. Aus sehr unterschiedlichen Perspektiven erhält man Einblick in die Vorbereitungen für die PdG. Antoine, ein junger Mann, der im Sport sein Ventil gefunden hat und nun Verantwortung für sein Leben und sein Team übernimmt. Profisportler Guillaume überlässt nichts dem Zufall. Von Florence hat man das Gefühl, sie liebt die Berge, weil sie da ihren Vater nahe sein kann. Alle drei müssen ihren Platz in ihren Teams finden und sie müssen damit umgehen, dass sie die Ziellinie nur als Team erreichen können. Es geht vor allem um die Menschen und ihre Geschichten hinter den Athleten.

Im Zentrum stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen

Die Vorbereitungen fordern von den Athleten nebst dem physischen Training viele Opfer. Der sportliche Teil rückt dadurch oft in den Hintergrund. Die Protagonisten müssen neue Herausforderungen meistern, sich in ein Team einfügen. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, sie müssen Rücksicht nehmen und sich mit den Schwächen ihrer Teammitglieder auseinandersetzen und auch mit ihren eigenen. Die Protagonisten müssen Prioritäten setzen und grundlegende Entscheidungen treffen. Manche Dinge müssen sie hinter sich lassen, mit allen Konsequenzen.

Zuschauer sind hautnah dabei

Durch sehr intime Szenen schafft es Frédéric, eine unglaubliche Nähe zu den Protagonisten herzustellen. Fast hat man das Gefühl, sie persönlich zu kennen. Er begleitet die Protagonisten um ein Uhr Morgens beim Aufstehen für eine Bergtour, im Kraftraum, bei Krisen im Team, bei persönlichen Gesprächen mit Freunden, Florence am Grab ihres Vaters. Erst fast zum Schluss kommt die Patrouille des Glaciers. Schöne Aufnahmen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf alle Streckenabschnitte lassen die Zuschauer den Puls des Rennens fühlen. Man leidet richtig mit den Protagonisten mit.

Von Melancholie bis Freude

Mit dem Rennen ist der Film aber nicht zu Ende. Man erfährt von allen dreien aus dem Leben nach der Patrouille de Glacier. Es ist spannend, die Entwicklung mitzuverfolgen, welche sie während der Vorbereitung und der Teilnahme durchgemacht haben. Der Film erhält so einen stimmigen Abschluss. Einzig die Musik ist etwas melodramatisch geraten, die Chorgesänge vermitteln teilweise ein zu melancholisches Bild. Nebst Anstrengung und Herausforderungen haben die Protagonisten ja auch Freude an dem Projekt Patrouille des Glaciers.

Fazit

Der Film ist fast ein Muss für jeden, der der Faszination Patrouille des Glaciers erlegen ist. Aber auch für alle, die gerne in den Bergen unterwegs sind. Für alle anderen ist es ein wunderschöner Film über die Entwicklung dreier Menschen, die Grenzen überschreiten, persönliches Wachstum erleben und über Teamgeist und Freundschaften. Die Kulissen sind atemberaubend, der Regisseur hat nicht mit Sonnenaufgängen am Berg gespart.

Premiere

Premiere des Films ist am 16. November 2017 im Cine Club Bern. Weitere Informationen findet ihr auf www.encordes.com.

Dokumentarfilm

Länge: 106 Minuten
Regie: Frédéric Favre

Darsteller: Florence Beffa, Guillaume Clavien, Antoine Willberg
Produktion: Lomotion AG
Produktionsland: Schweiz
Produktionsjahr: 2017

Drehzeit Juli 2014 bis Juni 2016


Über die Autorin

Jeannine Zubler ist freischaffende Journalistin und Texterin. Sie verbringt jede freie Minute in den Bergen und beim Klettern. Sie schreibt über alles, was sich in der Vertikalen abspielt. www.jeanninezubler.com


 

Credits: Text Jeannine Zubler

2 Replies to “Filmkritik zu Encordés über die Patrouille de Glacier

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