Speedalpinisten Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg klettern Monstertour in Berner Alpen

Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg überquerten vom 29. bis 31. Juli 2024 in den Berner Alpen als erste Seilschaft die zehn Gipfel von Eiger, Mönch, Jungfrau, Rottalhorn, Louwihorn, Gletscherhorn, Äbni Flue, Mittaghorn, Grosshorn, Zuckerstock und Breithorn in 37 Stunden und 5 Minuten nonstop und schreiben damit Alpingeschichte. Ein hochalpiner Grenzgang der Superlative, auf dem 7000 Höhenmeter und 65 Kilometer nicht die einzigen Herausforderungen waren.

Für die Überschreitung dieser zehn Gipfel von Grindelwald bis auf die Fafleralp im Lötschental benötigten die Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg 37 Stunden und 5 Minuten. Für andere Bergsteiger wäre dies ein 9- bis 10-tägiges Unterfangen.

Der erste Teil der Tour von Eiger, Mönch und Jungfrau ist den beiden Bernern bestens bekannt, da sie im Sommer 2022 dort bereits einen neuen Speedrekord aufgestellt hatten. Doch dieses Mal musste dies in der Nacht bei absoluter Dunkelheit vollbracht werden, was deutlich schwieriger ist und mehr Zeit beansprucht.

Aufgrund der warmen Temperaturen kämpfen die beiden Alpinisten unterwegs mit nassem Schnee. Bild: Zurbrügg/Hojac
Aufgrund der warmen Temperaturen kämpfen die beiden Alpinisten unterwegs mit nassem Schnee. Bild: Zurbrügg/Hojac

Abenteuerliches Gelände

Die Beiden starteten am 29. Juli um 14:55 in Grindelwald Grund, damit sie bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel der Jungfrau standen und im ersten Tageslicht in den abenteuerlichen zweiten Teil der Überschreitung starten konnten.

Beim zweiten Teil der Überschreitung hat es Abschnitte die nur äusserst selten begangen werden und dementsprechend auch Abenteuergelände sind. Verwechtete Grate, offene Bergschrunde, aufgeweichter Schnee und teilweise brüchige Felsen erschweren das Vorwärtskommen. Der Routenverlauf ist nicht immer offensichtlich und verlangt alles von den Beiden ab.

Bereits zum zweiten Mal auf der 37-stündigen Tour wird es dunkel. Bild: Zurbrügg/Hojac
Bereits zum zweiten Mal auf der 37-stündigen Tour wird es dunkel. Bild: Zurbrügg/Hojac

Grenzen des Möglichen ausloten

Hojac und Zurbrügg sind sehr erfahrene Alpinisten, die im Bereich des Speedbergsteigens bereits etliche gemeinsame Projekte absolviert haben. Mit diesem Projekt wollten sie herausfinden, was in einem einzigen Push ohne Schlaf möglich ist. Die Müdigkeit war neben der Hitze des Tages ihr grösster Feind, dazu kommt noch die Belastung der Höhe.

Über 30 Stunden im Absturzgelände unterwegs zu sein, ist mental eine grosse Herausforderung.

Lediglich im Jungfraujoch und auf dem Mittaghorn gab es eine Pause von rund 20-30 Minuten. Ansonsten waren sie konstant unterwegs.

Längste hochalpine Nonstop-Überschreitung der Alpen?

Diese hochalpine Überschreitung ist vermutlich die längste ihrer Art, die so in den Alpen in einem Push je gemacht wurde. Vergleicht man die Zahlen mit der bekannten Spaghetti Tour bei Zermatt, wo man 18 4000er in einem Stück überschreiten kann, kommt man lediglich auf 30 Kilometer und 4400 Höhenmeter.

Auch eine Patrouille de Glacier, die im Winter auf Skier gemacht wird, kommt nur auf 4400 Höhenmeter und 58 Kilometer. Lediglich die Überschreitung des kompletten Wettersteingrates kommt auf 70 Kilometer und 7000 Höhenmeter. Diese ist mit dem höchsten Punkt auf der Zugspitze (2962m) jedoch deutlich tiefer.

Panorama neu
Die Gipfel des Berner Panoramas, welche Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg in 37 Stunden und 5 Minuten überschritten haben. Das Breithorn fehlt auf der Aufnahme. Bild: Zurbrügg/Hojac

Erfolg im zweiten Anlauf

Das war nicht der erste Versuch von Hojac und Zurbrügg, dieses Projekt zu absolvieren. Bereits im Sommer 2023 haben sie einen Versuch gegeben und mussten nach dem Mönch abbrechen. Die Nullgrad-Grenze war damals auf über 5000m und der Schnee ist in der Nacht nicht mehr gefroren.

Auch dieses Mal war es mit einer Nullgrad-Grenze von 4700m ziemlich warm, doch der teilweise starke Wind liess die Grate abkühlen und den Schnee gefrieren.

Unterwegs hatten sich die beiden jeweils in den Hütten wie Ostegg und Mittellegi verpflegt. Im Jungfraujoch hatten sie zuvor ein Depot eingerichtet und auf dem Mittaghorn war ein Supporter-Team, dass ihnen Wasser und Nahrung für die restlichen 13 Stunden brachte.

Verwechtete Grate, offene Bergschrunde, aufgeweichter Schnee und teilweise brüchige Felsen: Die Herausforderungen entlang der Tour sind vielfältig. Bild: Zurbrügg/Hojac
Verwechtete Grate, offene Bergschrunde, aufgeweichter Schnee und teilweise brüchige Felsen: Die Herausforderungen entlang der Tour sind vielfältig. Bild: Zurbrügg/Hojac

Nochmals in die Nacht zu kommen war nicht ganz einfach, da die mentale Ermüdung nochmals zusätzlich getriggert wird. Nach einem langen Abstieg vom letzten Gipfel erreichen Hojac und Zurbrügg die Fafleralp am frühen Morgen des 31. Julis um 04:00.

Das Projekt war ein absoluter Grenzgang mit ungewissem Ausgang, wobei es immer wieder Abbruchmöglichkeiten gegeben hätte. Dass am Ende alles geklappt hat, ist nicht selbstverständlich. Trotz der sportlichen Leistung war ihr oberstes Ziel gesund wieder zurückzukommen.

Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg vor dem letzten Gipfel ihrer Tour. Bild: Zurbrügg/Hojac
Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg vor dem letzten Gipfel ihrer Tour. Bild: Zurbrügg/Hojac

Fakten zur Überschreitung

  • Distanz: 65.03 km 
  • Anzahl Gipfel: 10
  • Höhenmeter: 7029
  • Benötigte Zeit: 37:05:33
  • Stil: Supported
  • Verbrauchte Kalorien: 19572 kcal
Route Hojac

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Credits: Text und Titelbild: Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg

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