Mit seiner Wiederholung der schwierigen Tradroute »Meltdown« (8c+) im Yosemite Valley wird der italienische Kletterer Pietro Vidi Teil eines elitären Kreises von nur wenigen Begeher*innen.
Im Jahr 2008 beging Beth Rodden Ron Kauks Ultra-Rissprojekt »Meltdown« (5.14c/8c+) in Yosemite – und schuf damit eine Route, an der sich Profikletterer über ein Jahrzehnt lang die Zähne ausbeißen sollten. Erst 2018 gelang Carlo Traversi die erste Wiederholung der Linie in der Cascade Creek.
Seitdem hat »Meltdown« nur eine Handvoll weiterer Begehungen gesehen: angefangen mit Jacopo Larcher, Babsi Zangerl und zuletzt Connor Herson. Seit kurzem ist auch der Italiener Pietro Vidi Teil der erlesenen Runde von Spitzenkletter*innen. Der 22-Jährige wiederholte die Linie rund zwei Wochen nach seiner Begehung der 35 Seillängen starken »Pre-Muir Wall« am El Capitan.

Eine der härtesten Trad-Routen der Welt
Während Vidi am El Capitan gemeinsam mit seiner Landsfrau Camilla Moroni unterwegs war, nahm er sich die Herausforderung von »Meltdown« im Alleingang vor. Er verbrachte zwei Sessions in den Einzelzügen der Route und fing danach an, sich einzelne Links zu erarbeiten.
Nach insgesamt sechs Tagen im Projekt klippte der Italiener den Umlenker von »Meltdown«, die er in punkto Schwierigkeit mit seinem bisher härtesten Projekt vergleicht: »Tribe« in Cadarese.
Mit Sicherheit die schwerste Trad-Route, die ich je geklettert habe – gemeinsam mit »Tribe«. Beths Erstbegehung von 2008 war ihrer Zeit absolut voraus.
Pietro Vidi über »Meltdown«
Beide Routen sind mit dem zweitschwersten Grad bewertet, der derzeit im Trad-Klettern vorkommt: E11. Nur elf Linien gibt es davon weltweit. Die besondere Bewertungsform (E-Grad) stammt aus Großbritannien und beschreibt die physische Herausforderung sowie das Risiko einer Route. Ihr Gegenstück ist der technische Grad.


Pietro Vidi: Allrounder durch und durch
In wenigen Wochen wird Pietro Vidi 23 Jahre alt. Trotz seines jungen Alters entwickelt sich der Italiener zunehmend zu einem der besten Allrounder der Szene. Insbesondere das Yosemite Valley scheinen es ihm angetan zu haben: Dort gelangen ihm allein dieses Jahr mit »Histoire Sans Fin« (mit Moroni) und »Lurking Fear« zwei 8b+ Linien am Petit Clocher du Portalet und dem legendären El Capitan. Zuhause im Val di Mello wiederholte er mit Alessandro Larcher die 20 Seillängen lange Route »Joy Division« (8b).
Im Vorfeld zu »Meltdown« hat Vidi in 2025 außerdem einige Trad-Touren in Großbritannien gesammelt – etwa »Dynamics of Change« oder »Appointment with Death« (beide E9). Beim Bouldern verbuchte der Italiener dieses Jahr ebenfalls einige 8Cs. Im September wiederholte er als erster »Permanent Midnight Low« (8C+) in Fionnay, seinen zweiten Boulder in diesem Grad.
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Credits Titelbild: Daniel Gajda

