Das bekannte Testpiece in Drena bei Arco hat kurz vor Weihnachten noch eine weitere Wiederholung gesehen. Bisher schafften es nur Will Bosi und Brooke Raboutou die Linie zu wiederholen. Nach 19 Sessions an der stark überhängenden Wand steht »Excalibur« (9b+) nun auch auf der Tickliste von Yannick Flohé.
Feinarbeit in der Crux von »Excalibur«
Nach der erfolgreichen Begehung von Stefano Ghisolfis Testpiece in Drena erzählt Yannick, dass die Linie das letzte große Lead-Projekt gewesen sei, dass er sich für 2025 vorgenommen hatte. Bereits im März des Jahres hatte er begonnen an Excalibur zu projektieren. Die einzelnen Sequenzen konnte der Essener zunächst schnell entschlüsseln, und schon im ersten Durchstiegsversuch kletterte er bis zur letzten Crux. Für einen Erfolgreichen Rotpunkt reichte es damals jedoch noch nicht. Wer sich dann kurz vor dem Rock Master Festival im Oktober zum Zustieg von Excalibur aufmachte, konnte Yannick dort erneut beim Projektieren beobachten. Gemeinsam mit internationalen Größen der Szene, darunter Brooke Raboutou, die Excalibur zu Beginn des Jahres gemeistert hatte und damit als erste Frau in den Grad 9b+ vordrang, Giovanni Placci und Alex Megos, arbeitete er an der härtesten Linie der Region.
»Der untere Teil von Excalibur liegt mir sehr gut«, erklärt der Profikletterer nach seinem Rotpunkt. »Ich bin fast nie vor dem Heelhook an der letzten Crux gefallen.« Umso anspruchsvoller erwiesen sich die beiden Züge nach der Schlüsselstelle. Ein winziges Zwei-Finger-Pocket ließ ihm kaum Platz für Mittel- und Zeigefinger zugleich. Dieses im Full-Crimp zu halten und anschließend den ikonischen Heelhook zu setzen, ist bereits für sich genommen ein extrem harter Move. Nach eigener Aussage fiel Yannick an genau dieser Stelle mindestens 20 Mal, bevor ihm die Sequenz schließlich gelang. Der Knackpunkt: Die Züge müssen exakt ausgeführt werden, denn ein kleiner Fehler macht den darauffolgenden Move unmöglich – auch hier stürzte er nach eigenen Angaben noch mindestens zwölf Mal ins Seil.
Letztendlich gelang mir dieser letzte Zug und ich war fast selbst überrascht, als es passierte!
Yannick Flohé

Über 19 Sessions im Projekt
Yannick widmete Excalibur über ein Jahr hinweg mehr als 19 Sessions. Als größte erschwerende Faktoren nennt er die Haut, die nötige Geduld und die äußerlichen Bedingungen. »Es gab Trips, bei denen ich mir direkt am ersten Tag die Haut aufgerissen habe und anschließend vier Tage warten musste, um einen weiteren Versuch zu starten – nur damit der gleiche Riss sofort wieder aufspringt. Dieser ständige Wechsel zwischen Klettern und erzwungenem Ausruhen hat wirklich keinen Spaß gemacht«, erzählt er über den Prozess. Auch Will Bosi, dem als erstem die Wiederholung von Excalibur gelungen ist, betont in seinem Video über das Projekt immer wieder, wie hautintensiv die Linie ist.
Für seinen letzten Trip nach Arco im Dezember plante Yannick deshalb von vornherein mit vielen Ruhetagen. Ein Klettertag, gefolgt von drei Pausentagen, um sicherzustellen, dass sich seine Haut ausreichend regenerieren konnte. »Es war ein frustrierender Prozess, mit hohen Erwartungen an mich selbst von Beginn an und großen Rückschlägen auf dem Weg«, berichtet er weiter. »Am Ende war es mir fast egal, ob ich die Linie knacken würde oder nicht. Ich bin einfach immer wieder zum Fels gegangen, habe zwei oder drei Versuche gemacht und bin drei Tage später zurückgekommen.«

Ein starkes Jahr für Yannick Flohé
Für Yannick war 2025 ein Jahr voller Meilensteine. Bereits im Februar startete er stark mit der Begehung von Story of Three Worlds (8C+), einem der härtesten Boulder im Tessin. Im Juli setzte er dann noch einen drauf: Ihm gelang die bislang schwerste Flash-Begehung eines Boulders mit Foundations Edge (8C) in Fionnay. Nur einige Wochen später im August vermeldete der Profisportler seinen »stolzesten Klettermoment« mit der Begehung von Rastataman Vibrations (9b/+) im französischen Klettergebiet Céüse und im Oktober holte er sich den Titel »Rock Master 2025« im legendären K.O.-Boulderwettkampf in Arco. Nicht verwunderlich also, dass er sich nach so einem Lauf direkt in eine noch härtere Linie wagt. Für sein nächstes Projekt, scherzt Yannick, will er sich aber eine Linie mit »angenehmeren Griffen« aussuchen. Wir bleiben gespannt was er der junge Kletterstar für 2026 geplant hat.
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Credits: Alle Bilder: Crimp Films

