Meilenstein: Fay Manners‘ anspruchsvolle Winter-Mixed-Trilogie in der Schweiz

Die britische Alpinistin Fay Manners von Januar bis April drei schwere Mixed-Routen in den Schweizer Alpen erstbegangen. Ein starkes Zeichen im noch immer männlich dominierten Profialpinismus – gerade bei anspruchsvollen Mixed-Erstbegehungen.

Weibliche Erstbegehungen im Mixed-Klettern sind auch im Jahr 2026 eher eine Seltenheit. In ihrem jüngsten Projekt hat die britische Alpinistin Fay Manners nun gleich mehrere vorgelegt. Die 39-Jährige erschloss von Januar bis April in den Schweizer Alpen drei anspruchsvolle Linien bis zum Grad M8 – teilweise nur mit mobilen Sicherungen. Ihre außergewöhnliche Leistung ist auch ein Meilenstein für die Rolle von Frauen im Profialpinismus.

Drei Winter-Erstbegehungen in drei Monaten

Ihre Winter-Mixed-Trilogie führte Manners durch drei Regionen in den Schweizer Alpen. Ende Januar beging sie zunächst mit Mélanie Grünwald die Route »Elles Aussi« (M7+ A0, 135 m) im Gebiet von Les Diablerets. Anfang März folgte die Erstbegehung von »Nostalgie Alpine« (M8 A0, 325 m) in Arolla mit Max Kilcoyne und Marco Malcangi. Anfang April eröffnete Manners schließlich »La Muse de Trient« (M7+, 320 m) gemeinsam mit Ella Wright.

Was die drei Erstbegehungen von Manners so besonders macht, ist nicht nur die dahinterstehende sportliche Leistung, sondern auch der Begehungsstil und die Vision der Britin. So führte die neue Route »Nostalgie Alpine« Manners und ihre Seilpartner durch die bislang unberührte, zentrale Wandfläche des Roc Noir oberhalb von Arolla. Manners stieg die schwersten Seillängen der Begehung vor, einschließlich der beiden komplizierten A0-Passagen.

Ich wollte nicht nur klettern, sondern eigene Linien schaffen.

Fay Manners
Die Aiguilles Dorees in den Schweizer Alpen – Ort von Manners‘ letzter Erstbegehung der Trilogie (Bild: Jan Virt)

Sauberer Stil im Fokus

Insbesondere die letzte Erstbegehung der Trilogie, »La Muse de Trient« (M7+, 320 m) mit Ella Wright, zeigt, mit welcher Ernsthaftigkeit sich Fay Manners den Werten des traditionellen Alpinismus verschreibt. Beide Frauen begingen die Linie am Tête Biselx im Sinne einer klaren Bergethik: Auf Bohrhaken wurde vollständig verzichtet, abgesichert wurde ausschließlich mit mobilen, wieder entfernbaren Sicherungsmitteln im traditionellen Stil – genau so, wie Fay es sich vorgenommen hatte. Ein hoher Anspruch angesichts des abgelegenen und anspruchsvollen Geländes, durch das die Route oberhalb des Trientgletschers verläuft.

Der saubere Bewegungsstil stand dabei für Manners und Wright immer im Vordergrund. »Wir wollten eine kontinuierliche Linie klettern, ohne Spuren zu hinterlassen«, sagte Manners nach der Begehung Anfang April.

Uns war wichtig, nur mit dem zu arbeiten, was der Granit hergibt.

Fay Manners

Es war außerdem das erste Mal, dass eine rein weibliche Seilschaft eine neue Mixed-Route an der Tête de Biselx eröffnet hat – und nicht nur dort: Auch am Berg selbst sowie im gesamten umliegenden Gebiet hatte zuvor noch keine reine Frauenseilschaft eine Neutour erschlossen. Der Name »La Muse de Trient« steht laut Manners »sinnbildlich für Inspiration, Intuition und die Dynamik einer funktionierenden, rein weiblichen Seilschaft.«

Fay Manners und Ella Wright begingen »La Muse du Trient« im Alpinstil (Alle Bilder: Jan Virt)

Sportliche Meisterleistung mit Vorbildfunktion

Aus der alpinen Szene erntete Manners Lob für ihre visionären Winter-Erstbegehungen. »Dieses Jahr entschied sie sich zu erkunden, was für sie im Mixed-Gelände möglich war – und das ist ein Sport, in dem sich nur sehr wenige Frauen versuchen, und noch weniger wagen sich an Erstbegehungen«, sagt Caroline George, IFMGA Bergführerin und Profialpinistin. »Fay weiß, wie sie sich etwas in den Kopf setzt und es zu Ende bringt.«

Keine Abkürzungen: vom Start an, mit starker Ethik, und sie versucht es immer mit gemeinsam anderen Athletinnen zu realisieren, um zu inspirieren und Frauen zu zeigen: ‚Wenn ich es kann, kannst du es auch!‘

Caroline George, IFMGA Bergführerin und Profialpinistin

Auch wenn immer mehr Alpinistinnen in den Bergen unterwegs sind, bleiben Erstbegeherinnen im Mixed-Klettern selten. Trotzdem gibt es sie, die Frauen, die immer wieder neue Winterrouten erschließen: etwa Ines Papert, die als erste Frau überhaupt den Mixed-Grad M11 kletterte, oder Anja Petek und Patricija Verdev, die 2024 die im indischen Himalaya innerhalb von fünf Tagen den Lalung I (M6+ AI5+) im Alpinstil erstbegingen.

Manners bei der Erstbegehung »La Muse du Trient« am Tete Biselx in Aiguilles Dorees (Alle Bilder: Jan Virt)

Fay Manners: Alpinistin und Visionärin

Mit ihrer Winter-Trilogie fügt sich Fay Manners in die Reihe prägender Figuren und wichtiger Vorbilder des modernen Mixed-Alpinismus ein. Gleichzeitig erweitert die Britin ihr eindrucksvolles Portfolio an Erstbegehungen in den unterschiedlichsten Ecken der Welt. In den vergangenen Jahren eröffnete Manners unter anderem in Pakistan, Grönland und Patagonien neue Routen. Die 39-jährige professionelle Skifahrerin ist außerdem für verschiedene steile Gipfelabfahrten bekannt.

Für mich war die Trilogie eine Herausforderung außerhalb meiner vermeintlichen Stärken, wo Zweifel sowohl in mir als auch um mich herum präsent waren – und ich trotzdem entschied, es zu wagen.

Fay Manners
Fay Manners wuchs in Bedford, Großbritannien auf und lebt heute in den Alpen (Bild: Jan Virt)

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Credits Titelbild: Jan Virt

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