Die US-Boulderin Katie Lamb hat mit »130 BPM« (8C) ihre bisher schwerste eigene Linie vorgelegt. Über eine beeindruckende Leistung und die Seltenheit von weiblichen Erstbegehungen in diesem Schwierigkeitsgrad.
Sie ist die stärkste Boulderin der Welt: Katie Lamb hat nicht nur zweimal* als erste Frau der Welt den Grad 8C+ geknackt, sondern auch die meisten 8C Boulder insgesamt auf der Tickliste. Mit der Linie »130 BPM« in Yosemite ist der US-Amerikanerin jetzt zum ersten Mal eine Erstbegehung im Grad 8C/V15 gelungen.
*2023 wiederholte Katie Lamb »Box Therapy«, den Brooke Raboutou später von 8C+ auf 8C abwertete. 2025 gelang ihr »The Dark Side« (8C+) nach mehr als 20 Sessions.
Über ihre Begehung schreibt die 28-Jährige auf Instagram: »Ich habe oft das Gefühl, dass ich in der genetischen Lotterie für Kletterfähigkeiten Pech hatte. Normalerweise bin ich nie die Erste in einer Gruppe, die ein Projekt schafft.« Sie habe deshalb lange versucht, andere nachzuahmen – eine Fehlentscheidung, schreibt Lamb. »Ich bin in die Falle getappt und habe geglaubt, dass es immer eine Lösung gibt, damit ich genau so aussehe, fühle und klettere, wie ich will.«
Normalerweise bin ich nie die Erste in einer Gruppe, der ein Projekt gelingt.
Katie Lamb
»130 BPM«: neue schwere Linie in Yosemite
Viel wissen wir über Katie Lambs neue Linie derzeit noch nicht. Auf Instagram veröffentlichte die Boulder-Spezialistin Fotos und ein Video-Snippet aus dem Boulder, aber kein ganzes Send-Video. Der Ausschnitt zeigt Lamb in einer Sequenz des rund 40 Grad überhängenden Leisten-Schilds, das im kalifornischen Yosemite liegt.
Die Crux von »130 BPM«, schreibt Katie Lamb, besteht aus drei spannungslastigen Zügen auf sehr schlechten Tritten. Insgesamt habe sie nur wenige Sessions gebraucht, um alle Einzelzüge auszubouldern. Für den Durchstieg sollte es noch etwas länger dauern – wie lange genau, ist nicht bekannt. Die wichtigsten »Zutaten« für den Durchstieg laut der 28-Jährigen: Instinkt und Intuition.
8C-Erstbegehungen von Frauen bleiben selten
Mit ihrer Erstbegehung von »130 BMP« verbucht Katie Lamb ihre vierte 8C – mehr als jede andere Frau. Sie reiht sich außerdem in die äußerst kurze Schlange der Kletterinnen ein, die einen Boulder in diesem Schwierigkeitsgrad erstbegangen haben. Die einzige andere ist die Tschechin Jana Švecová. 2023 gelang ihr dies erstmals mit der historischen Begehung von »Nova«, kürzlich legte sie zweite 8C-Erstbegehung vor, »Tokyo Drift«.
Dass Lamb und Švecová auf der Liste von 8C-Erstbegeherinnen so alleine stehen, hat vor allem einen Grund: Es gibt verhältnismäßig deutlich weniger Frauen, die überhaupt im Grad 8C bouldern. Bis heute ist nur neun Kletterinnen eine Linie dieser Schwierigkeit gelungen.
Hinzu kommt, dass Erstbegehungen beim Bouldern (aber auch beim Klettern) historisch eher auf Männer entfallen. Vor allem am obersten Ende der Schwierigkeitsskala ergibt das aufgrund der dort vorhandenen Geschlechterverteilung rechnerisch Sinn.
Spannenderweise bleibt diese Ungleichheit bei Erstbegehungen auch in niedrigeren Graden bestehen, wo der Frauenanteil zwar nicht ausgewogen, aber doch höher ist. Das Argument: Wenn überwiegend Männer neue Linien begehen und Boulder-Führer veröffentlichen, beeinflusst das letztlich auch die Bewertung von neuen Linien – etwa weil unterschiedliche Körpergrößen weniger berücksichtigt werden.
Blickt man auf weibliche Erstbegehungen zwischen 8B und 8B+, zeichnet sich übrigens ein anderes Bild als noch im Grad 8C: Hier haben schon deutlich mehr Frauen Linien etabliert und erstbegangen – darunter Alex Puccio, Oriane Bertone, Isabelle Faus, Marine Thenevet oder Michaela Kiersch. Auch die Anzahl der Frauen, die bis einschließlich 8B+ bouldern, ist mit 36 deutlich höher.
Bisher wurde nur eine der drei 8Cs wiederholt, die von einer Frau erstbegangen wurden: 2023 gelang auch Will Bosi Švecovás »Nova«. Er bestätigte den vorgeschlagenen Schwierigkeitsgrad.
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Credits Titelbild: Keenan Takahashi

