Manchmal ist Fels das beste Training – das dachte sich auch Adam Ondra vergangene Woche, als er statt in die Halle ins Val Daone fuhr. Die rund dreieinhalb Stunden im Gebiet nutzte der 33-Jährige so effizient wie nur möglich: Er flashte insgesamt vier Boulderprobleme im Grad 8B und packte noch einen 8A/+ Flash obendrauf.
Ondra gelangen »Sky Dive« (8A/+), »Skiantos« (8B), »Verdena« (8B), »Fuori Tempo« (8B) und »Il Trono« (8B) im jeweils ersten Versuch. »Verdena« und »Fuori Tempo« schätzte er dabei als eher soft für den Schwierigkeitsgrad ein. Besonderes Lob hatte der Tscheche für »Il Trono« übrig, eine Linie des Italieners Valdo Chilese. »Eine echte Kingline – noch besser als im Video und klettert sich auch weniger komisch, als es aussieht«, so Ondra.
Angekommen und 10:30 Uhr, heim um 14 Uhr. Ein Bouldertag, an dem ich kein einziges Mal gefallen bin!
Adam Ondra
Adam Ondra, Boulderer und Flash-Rekordhalter
Von Adam Ondra als reinem Lead-Spezialist konnte eigentlich noch nie wirklich die Rede sein. Der Ausnahmekletterer aus Tschechien bouldert seit den späten 00er Jahren regelmäßig im Grad 8B und erarbeitete sich im Jahrzehnt darauf ein solides Portfolio im Grad 8B+ und 8C. 2011 tickte er seine ersten beiden 8C+ Boulder, »Terranova« und »Gioia«. 2020 legte er in seiner Heimat außerdem zwei Erstbegehungen im selben Grad vor, die bisher nicht wiederholt wurden und nach eigener Aussage auch als 9b/+ Routen durchgehen könnten.
Den Eintritt in den höchsten Schwierigkeitsgrad schaffte Ondra im Jahr 2025 mit »Soudain Seul«, seiner bisher einzigen 9A. Im Herbst desselben Jahres gelang ihm in »Foundation’s Edge« der zweite 8C-Flash der Welt. 2026 legte der 33-Jährige drei weitere 8C-Flashes vor und ist damit unangefochtener Rekordhalter in diesem Begehungsstil.
Gleichzeitig fand Ondra immer wieder Zeit, um schwere Trad- und Sportkletterrouten zu flashen oder erstzubegehen. Um nur einige zu nennen: »Lexicon« (E11, Flash), »Greenspit« (8b+, Flash) oder »Niobe« (9a, Erstbegehung), eine der wohl anspruchsvollsten Plattenrouten der Welt.
Zwischen Felsprojekten und Wettkampf
Insbesondere seit seinem offiziellen Rückzug aus der Boulder-Wettkampfszene wechselt Ondra scheinbar mühelos zwischen dem Bouldern am Fels und internationalen Lead-Wettkämpfen hin und her. In der Weltcup-Saison 2026 nahm der Tscheche bisher an Lead-Events in Innsbruck und Prag teil, wo er jeweils Fünfter wurde.
Für den finalen Lead-Weltcup dieses Jahr, der im September in Koper stattfindet, ist Ondra jedoch nicht gemeldet. Wieder dabei ist er dann beim Rock Master in Arco vom 2. bis 4. Oktober. Dort misst er sich unter anderem mit Stefano Ghisolfi, Filip Schenk und Yannick Flohé.
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Credits Titelbild: Adam Ondra

