Ich bin mittlerweile seit mehreren Jahren überzeugter Petzl-Steigeisen-Nutzer. Ob auf Skihochtouren, klassischen Hochtouren oder beim Eisklettern – bisher haben mich die verschiedenen Modelle stets zuverlässig begleitet. Umso gespannter war ich auf die neue Steigeisengeneration 2026 mit den Modellen Leopard, Leopard Hybrid und Dart.
Ein Erfahrungsbericht von Severin Parger
Wie bereits bei den Vorgängergenerationen setzt Petzl konsequent auf das bewährte ALPEN ADAPT-System. Dadurch lassen sich Frontteile, Fersenteile, Bindungen und Verbindungssysteme flexibel kombinieren und an unterschiedliche Einsatzbereiche anpassen. Besonders praktisch ist, dass man dadurch nicht für jedes Paar Berg-, Wander- oder Skischuhe ein eigenes Steigeisen besitzen muss.
Neu sind unter anderem unterschiedlich große Frontbügel und Körbe, wodurch sich die Steigeisen noch besser an verschiedene Schuhformen anpassen lassen. Das verbessert Passform und Halt spürbar.
Wichtig bleibt allerdings zu beachten, dass sich ausschließlich Komponenten mit demselben Verbindungssystem miteinander kombinieren lassen. Front- und Fersenteile mit CORD-TEC-Verbindung können also nicht mit Modellen kombiniert werden, die einen klassischen Verbindungssteg verwenden.

Leopard Hybrid – Der vielseitige Allrounder
Fakten im Überblick
- Gewicht: 370 g (LEVERLOCK FIL)
- 10 Zacken
- Stahl-Frontteil kombiniert mit Aluminium-Fersenteil
- Einsatzbereich: Skihochtouren, klassische Hochtouren, Gletscher und Schneefelder
Für mich ist das Leopard Hybrid das vielseitigste Steigeisen der neuen Serie. Es verbindet das geringe Gewicht eines Aluminiumsteigeisens mit der höheren Haltbarkeit einer Stahlfront und deckt dadurch einen sehr großen Einsatzbereich ab.
Ob Skihochtouren, klassische Hochtouren oder Zustiege über Schneefelder, überall dort spielt das Leopard Hybrid seine Stärken aus. Das geringe Gewicht und das kompakte Packmaß machen sich besonders auf langen Touren bemerkbar. Im mitgelieferten Transportbeutel lässt sich das Steigeisen platzsparend verstauen und verschwindet nahezu unbemerkt im Rucksack.
Bereits beim Auspacken fiel mir eine sinnvolle Detailverbesserung gegenüber dem bisherigen Irvis Hybrid auf. Wie auf dem Foto ersichtlich wurde die Führung der CORD-TEC-Schnüre überarbeitet. Dadurch verlaufen die Schnüre deutlich geschützter und werden nicht mehr direkt von der Schuhsohle belastet. Das dürfte den Verschleiß im Langzeiteinsatz deutlich reduzieren.

Plus
- nur 370 g Gewicht
- sehr kleines Packmaß
- vielseitiger Einsatzbereich
- Stahlfront sorgt für hohe Haltbarkeit
- verbesserte CORD-TEC-Führung
- hohe Flexibilität durch ALPEN ADAPT

Kritik
Ein kleiner Kritikpunkt betrifft die hintere Bindung Back Lever bzw. Back Flex. Für meinen Geschmack sind diese etwas knapp bemessen. Zwar reicht die Länge grundsätzlich aus, etwas mehr Reserve würde die Montage und Anpassung an unterschiedliche Schuhe jedoch erleichtern.
Natürlich bleibt Aluminium empfindlicher gegenüber Abrieb als Stahl. Wer häufig längere Felspassagen begeht oder regelmäßig im Mixedgelände unterwegs ist, wird hier schneller Verschleiß feststellen.
Leopard – Ultraleicht für Minimalisten
Fakten im Überblick
- Gewicht: 325 g (ohne ANTISNOW) bzw. 370 g komplett
- 10 Aluminiumzacken
- Vollständige Aluminiumkonstruktion
- Einsatzbereich: Skihochtouren, Schneefelder und Gletscher



Das neue Leopard im Überblick und Montage am Bergschuh vor dem Anstieg | Bilder: Severin Parger
Das Leopard richtet sich an alle, für die jedes Gramm zählt. Mit gerade einmal 325 Gramm gehört es zu den leichtesten Steigeisen am Markt. Gerade auf Skihochtouren oder alpinen Unternehmungen, bei denen man häufig nicht weiß, ob überhaupt Steigeisen benötigt werden, spielt das Leopard seine größten Vorteile aus. Durch das minimale Packmaß verschwindet es problemlos im Rucksack und fällt kaum ins Gewicht. Auf Firn und Schneefeldern vermittelt das Steigeisen einen sicheren Eindruck. Wird das Gelände jedoch felsiger oder eisiger, stößt die Aluminiumkonstruktion naturgemäß an ihre Grenzen. Dafür wurde das Leopard allerdings auch nie entwickelt.
Plus
- extrem leicht
- kleinstes Packmaß
- ideal als Reserve- oder Notfallsteigeisen
- perfekt für Skihochtouren und Schneefelder
- ALPEN ADAPT-System



Sicherer Halt im Firn und robuste Konstruktion für anspruchsvolles alpines Gelände – Hochtour in den Stubaier Alpen | Bild: Severin Parger
Kritik
Auch beim Leopard sind die hintere Bindung Back Lever bzw. Back Flex für meinen Geschmack etwas kurz geraten. Die Funktion wird dadurch zwar nicht beeinträchtigt, etwas mehr Reservelänge würde das Handling jedoch erleichtern. Außerdem verschleißen Aluminiumzacken bei regelmäßigem Felskontakt deutlich schneller als Stahlzacken. Wer häufig in kombiniertem Gelände unterwegs ist, sollte daher eher zum Leopard Hybrid greifen.
Dart – Das Spezialwerkzeug für technisches Klettern
Fakten im Überblick
- Gewicht: 700g
- 12 Zacken
- Stahlfront mit Aluminium-Fersenteil
- Modulares Frontzackensystem

Mit dem neuen Dart richtet sich Petzl eindeutig an ambitionierte Eis- und Mixedkletterer sowie Drytooler. Im Mittelpunkt stehen maximale Präzision und eine hohe Anpassungsfähigkeit. Im Gegenzug zum Vorgängermodel wurde der Fersenteil mit Aluminium ersetzt, ansonsten wurden keine weiteren Anpassungen durchgeführt.
Dank des modularen Frontzackensystems kann zwischen Monozacke, Doppelzacke oder asymmetrischer Doppelzacke gewählt werden. Zusätzlich lässt sich die Länge der Frontzacken einfach über eine Schraube anpassen.
Während meines Testzeitraums konnte ich das Dart ausschließlich beim Drytooling einsetzen, da die Jahreszeit keinen Test im Eis zuließ.
Beim Drytooling überzeugte mich das Steigeisen jedoch durch seine präzise Frontzackengeometrie, den sicheren Halt auf kleinen Tritten und die insgesamt hochwertige Verarbeitung. Durch den Aluminum-Fersenteil hat das Dart im Gegenzug zu seinem Vorgängermodel an Gewicht verloren und ist deshalb perfekt für längere Zustiege und ausgedehntere Tage.
Plus
- sehr präzises technisches Steigeisen
- modulares Frontzackensystem
- verschiedene Frontzackenkonfigurationen
- hochwertige Verarbeitung
- ALPEN ADAPT-System




Text: Das Dart bietet zuverlässige Stabilität und Präzision beim Steigen | Bilder: Severin Parger
Kritik
Auch beim Dart hätte ich mir die Fangriemen bzw. die hintere Bindung Back Lever bzw. Back Flex etwas länger gewünscht. Die vorhandene Länge funktioniert zwar problemlos, etwas mehr Reserve würde die Montage vereinfachen.
Das Dart ist bei den Bergfreunden voraussichtlich ab Januar 2027 zu ergattern!
Mein Eindruck nach vielen Touren
Mit der Steigeisengeneration 2026 entwickelt Petzl sein bewährtes Konzept konsequent weiter. Die größte Stärke bleibt das ALPEN ADAPT-System, das eine außergewöhnlich hohe Modularität bietet und den Einsatz verschiedener Bindungs- und Frontsysteme ermöglicht. Gerade wer mehrere Paar Berg- oder Skischuhe besitzt, profitiert davon enorm.
Positiv aufgefallen sind außerdem die neuen Größen der Frontbügel sowie die überarbeitete Führung der CORD-TEC-Schnüre beim Leopard Hybrid. Diese wirkt langlebiger und durchdachter als bei der Vorgängergeneration.
Welches Modell das richtige ist, hängt letztlich vom Einsatzbereich ab:
- Leopard: Das ultraleichte Spezialwerkzeug für Skihochtouren und Schneefelder, wenn jedes Gramm zählt.
- Leopard Hybrid: Der vielseitigste Allrounder für Skihochtouren, klassische Hochtouren und Gletscher.
- Dart: Das technische Steigeisen für ambitionierte Eis-, Mixed- und Drytooling-Einsätze.
Insgesamt ist Petzl keine Revolution gelungen, vielmehr wurde ein bereits sehr ausgereiftes System an den entscheidenden Stellen sinnvoll weiterentwickelt. Die Verbesserungen sind praxisnah und jedes der drei Modelle erfüllt seinen vorgesehenen Einsatzzweck.
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