Nur zwei Monate nach Janja Garnbret gelingt Laura Rogora die zweite weibliche Begehung von „Bibliographie“ in Céüse. Die Italienerin brauchte für ihre erste 9b+ gerade einmal sechs Tage – so schnell war vor ihr niemand in diesem Grad.
Eigentlich war es als kurzer Erkundungstrip gedacht. Zwei Tage in Céüse, ein paar Züge in einer der wohl berühmtesten Linien Frankreichs ausprobieren, schauen, was geht. Am Ende konnte sich Laura Rogora ihre erste 9b+ auf die Tickliste setzen und das auch noch in Rekordzeit.
Rogora ist nach Brooke Raboutou und Janja Garnbret erst die dritte Frau, die eine Route dieses Grades Rotpunkt klettert. Ihre Begehung von Bibliographie ist die zweite weibliche und zugleich die siebte insgesamt. Und sie ist die bislang schnellste: Nur sechs Tage in der Route – schneller war in „Bibliographie“ noch niemand, wohl auch nicht in einer anderen Linie dieser Schwierigkeit.
„Aus zwei Tagen wurde eine Mission“
Rogora selbst schreibt nach dem Erfolg auf Instagram, dass sie beim ersten Besuch in Céüse keine Ahnung gehabt hatte, was sie erwarte. Als sie in Bibliographie einstieg merkte sie, dass sich die einzelnen Sektionen für sie wirklich gut anfühlten. Aus dem geplanten Zweitagesausflug sei so eine Mission geworden, und nach sechs Tagen in der Route habe sich der Traum erfüllt.
Was als zweitägige Erkundungsreise geplant war, entwickelte sich zu einer Mission und irgendwie wurde der Traum in nur 6 Tagen in der Route Wirklichkeit.
Laura Rogora auf Instagram
Ganz aus dem Nichts kommt der Coup allerdings nicht. Rogoras Sommer 2026 war ohnehin schon außergewöhnlich: In Rodellar knackte sie mit „No pain no gain“ und „Patanics“ zwei weitere 9a+-Routen und überschritt damit die Marke von 50 Routen im neunten Grad. Dazu kam mit „Così fan tutte“ ihr dritter Onsight im Grad 8c+. Mit „Ultimate Sacrifice“ in Gorges du Loup im Juli 2025 war sie die erste Frau überhaupt, die 8c+ onsight kletterte. Im November 2025 folgte mit „La ligne claire“ in Saint Léger der zweite – drei Onsights in diesem Grad hat vor ihr keine Frau zusammengebracht.
Die Kingline von Ceüse
„Bibliographie“ liegt direkt rechts der legendären „Biographie“ und wurde 2009 von Ethan Pringle eingebohrt. Die 35 Meter lange Linie mit über 80 anspruchsvollen Zügen gilt als eine der reinsten Ausdauerprüfungen des modernen Sportkletterns.
Die Erstbegehung gelang Alexander Megos am 5. August 2020, nach rund 60 Klettertagen über mehrere Saisons hinweg. Megos schlug damals 9c vor, was „Bibliographie“ zur zweitschwersten Route der Welt gemacht hätte. Ein Jahr später wiederholte Stefano Ghisolfi die Linie, fand eine effizientere Beta und wertete auf 9b+ ab. Megos schloss sich der Einschätzung an, mit dem Verweis darauf, dass Grade aus dem Konsens entstehen sollten. Bei 9b+ ist es seither geblieben.
Danach ging es in der Route ruhig zu: Sean Bailey wiederholte sie im September 2021, Seb Bouin im Juni 2023, Jorge Díaz-Rullo im selben Jahr. Erst am 6. Juni 2026 folgte mit Janja Garnbret die nächste Begehung.
Der 9b+-Club der Frauen wächst
Vor etwas mehr als einem Jahr war der Grad noch von keiner Frau erreicht worden. Im April 2025 kletterte die Amerikanerin Brooke Raboutou mit „Excalibur“ in Drena bei Arco als erste Frau eine bestätigte 9b+. Bemerkenswerterweise war Ghisolfis Testpiece ihre erste Route im neunten Grad überhaupt. Im Juni 2026 folgte Janja Garnbret, nun Laura Rogora. Innerhalb von wenigen Monaten ist aus einer Bestmarke also eine kleine Liste geworden.
Für Rogora schließt sich mit „Bibliographie“ zudem ein Kreis. Als sie im Oktober 2021 mit „Erebor“ in Arco die damals schwerste Route Italiens wiederholte, kommentierte Erstbegeher Stefano Ghisolfi ihren Instagram-Post mit dem Hinweis, „Bibliographie“ sei nicht viel schwerer, falls sie ihren Urlaub 2022 noch nicht geplant habe. Es hat ein paar Jahre länger gedauert als von Ghisolfi vorgeschlagen. Dafür ging es am Ende schnell. Die Crème de la Crème der Kletterszene gratulierte Rogora außerdem ausführlich zu ihrer Leistung. „Nicht allzu überrascht, aber trotzdem total verrückt, Laura!! Die schnellste 9b+ aller Zeiten“, schrieb beispielsweise Adam Ondra unter dem Post zu ihrer Begehung. Ghisolfi meldete sich mit den humorvollen Worten „Unglaublich, aber bitte hör auf, uns alle wie Anfänger aussehen zu lassen!“.
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Credits: Archivbild Rogora in Niobe

