Die Schande am K2 | Dokfilm

Die Drohnenaufnahmen gingen um die Welt: Rund 80 Gipfelstürmer ließen den schwer verletzten pakistanischen Hochträger Muhammad Hassan auf ca. 8.200 Meter liegen, um den Gipfel des K2 zu erreichen. Wie konnte es dazu kommen? Dieser Frage geht Servus TV in der Sendung «Die Schande am K2» am 2. Oktober 2023 nach.

Die Drohnenaufnahmen gingen um die Welt: Ein Team von Servus-TV war am 27. Juli 2023 vor Ort als rund 80 Gipfelstürmer den schwer verletzten pakistanischen Hochträger Muhammad Hassan auf ca. 8.200 Meter liegen ließen, um den Gipfel des K2 zu erreichen. Wie konnte es dazu kommen?

Hochträger Muhammad Hassan wird nicht geholfen
Gipfelstürmer steigen über den Verletzten Muhammad Hassan ohne zu helfen. (Bild Servus TV)

Um den 27. Juli 2023 hatten sich so viele Menschen wie nie zuvor im Basislager des K2, weit im Norden Pakistans und direkt an der Grenze zu China eingefunden, um den mit 8.611 Meter zweithöchsten Berg der Welt zu besteigen. Viele unter ihnen waren wenig berg- oder höhenerfahrene Klienten von Expeditionsanbietern, die diesen gefährlichen Berg ihren Kunden in sogenannten Touristischen Besteigungen anbieten. Solche Expeditionen sind für diese «Höhentouristen» nur mit intensiver Nutzung von zusätzlichem Sauerstoff und auf gesicherten Routen möglich. Dafür ist eine hohe Zahl an höhentauglichen Arbeitskräften notwendig, welche die Sauerstoffflaschen auf den Berg bringen, in Hochlagern deponieren und die Anstiegsroute mit Fix-Seilen versehen, an denen die zahlende Kundschaft wie bei einem Klettersteig Richtung Gipfel steigt. 

Trailer zur Sendung «Die Schande vom K2»

Billige Arbeitskräfte für westliche Expeditionsgäste

Pakistanische Hochträger, die von den Expeditionsagenturen angeheuert werden, haben oft wenig bergsteigerische Erfahrung und wenig Wissen über alpine Sicherungstechniken. Dennoch sind sie zumeist genauso höhentauglich wie die berühmten Sherpas aus Nepal. Vor allem aber sind sie aufgrund der großen Armut in den pakistanischen Karakorum-Regionen günstige Arbeitskräfte. Muhammad Hassan, der am 27. Juli 2023 am K2 sterben musste, war einer dieser Hochträger. Er brachte die Fix-Seile hinauf auf 8.200 Meter, wo sie im «Bottleneck» angebracht werden sollten. Ob durch ein Schneebrett oder durch einen Fehltritt – Muhammad Hassan rutschte ab und blieb im Seil kopfüber hängen. Beim Sturz brach seine Sauerstoffmaske und ein Teil der Kleidung wurde ihm vom Leib gerissen. Die wenig professionelle Bergungssaktion dauerte Stunden und wurde durch dutzende vorbeidrängende Gipfelstürmer erschwert. Muhammad Hassan verstarb am Vormittag des 27. Juli.

Massentourismus am K2. (Bild Bergwelten)
Massentourismus am K2. (Bild Philip Flämig / ServusTV)

Höhentouristen ohne Mitgefühl?

Nie zuvor wurde eine alpine Notsituation in extremen Höhen so gut in Bildern dokumentiert wie die Folgen des Unfalls auf 8.200 Metern. Die Details kamen erst durch die Drohnenaufnahmen des ServusTV-Teams und durch eine Untersuchungskommission der pakistanischen Regierung zutage. Sie dokumentieren das selbstsüchtige und zynische Handeln von vielen Bergsteigern in dieser Situation. Gleichzeitig macht das bergsteigerische Unvermögen vieler Gipfelstürmer sprachlos. Sie sind entweder auf Rekordjagd oder als Klienten der großen Expeditionsveranstalter als reine Höhentouristen auf den höchsten Bergen der Welt unterwegs und beherrschen weder alpine Seil- noch Rettungstechniken. Auch scheint Einigen jede Form von Empathie oder Bergsteigerethik fremd.

Das Basislager am K2. (Bild Bergwelten)
Das Basislager am K2. (Bild Servus TV)

Zu Wort kommen in der «Bergwelten»-Dokumentation neben erfolgreichen Höhenbergsteigern wie Gerlinde Kaltenbrunner und Hans Kammerlander auch der brasilianische Kameramann, Gabriel Tarso, der an Ort und Stelle Muhammad Hassan zu helfen versuchte und der Tiroler Hotelier und Bergsteiger Willi Steindl, der nach dem Unglück die Familie von Hassan besucht und eine Spendenaktion für seine Frau und Kinder ins Leben gerufen hat. Das ServusTV-Team hat auch mit den pakistanischen Verbindungsoffizieren und dem Tiroler Alpinisten Lukas Wörle gesprochen, der nur eine Woche zuvor am benachbarten Broad Peak einem schwer höhenkranken Hochträger das Leben rettete, indem er ihn aus 8.000 Meter ins Tal brachte und dabei seine eigenen Gipfelambitionen hintanstellte.

Wann wird die Sendung ausgestrahlt?

Die Sendung «Bergwelten» wird am Montag, 2. Oktober 2023 ab 20:15 Uhr, live übertragen. Im Anschluss an die Dokumentation widmet sich ab 21:10 Uhr ein «Sport und Talk aus dem Hangar-7 Spezial» diesen tragischen Ereignissen am K2, unter anderem mit Hans Kammerlander, Sabrina Filmoser und Willi Steindl. 

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Credits: Bildmaterial Servus TV

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