Die Vorauswahl für die Piolets d’Or 2024 ist bekannt

Vom neunten bis zum zwölften Dezember 2025 werden in diesem Jahr wieder die »Oscars des Alpinismus« verliehen. Die Piolets d’Or sind die weltweit höchste Auszeichnung im Alpinismus, die jährlich vergeben wird. Dieses Jahr findet die Preisverleihung in San Martino di Castrozza im Trentino (Dolomiten) statt. 

Die Bedeutung der »goldenen Eispickel«

Auch in 2024 wurden wieder die Grenzen des Möglichen verschoben und es gab erneut eine beeindruckende Liste an Erstbegehungen im alpinen Stil. Genau hier setzen auch die Piolets d’Or an: Die Preisverleihung feiert herausragende Leistungen im Alpinismus. Es geht hierbei aber nicht um die endliche Leistung oder den Gipfel an sich, sondern um den alpinen Stil der Begehung, das Maß an Engagement und Selbstständigkeit, den Entdeckergeist und den Respekt gegenüber der Umwelt, Menschen, Kletterparter:innen und dem Sport an sich. 

Simpler Alpinismus, bei dem man einfach raus geht, ohne Unterstützung von außen – also keine Porter, kein zusätzlicher Sauerstoff, keine Fixseile.

Christian Trommsdorff, Organisator der Piolets d’Or
Hugo Béguin, Matthias Gribi und Nathan Monard erhielten 2024 einen Piolet d'Or für Flat Top | Bild: Piotr Drożdż
Hugo Béguin, Matthias Gribi und Nathan Monard erhielten 2024 einen Piolet d’Or für Flat Top | Bild: Piotr Drożdż

Die bemerkenswertesten Begehungen 2024

Die internationale Jury des Piolet d’Or wird jedes Jahr neu zusammen gestellt und besteht aus erfahrenen Alpinist:innen aus aller Welt, um die Vielfalt der alpinen Disziplinen und Regionen widerzuspiegeln. Dieses Jahr setzt sie sich aus Ethan Berman (USA), Aymeric Clouet (Frankreich), Young Hoon Oh (Korea), Ines Papert (Deutschland), Enrico Rosso (Italien), Jack Tackle (USA) und Mikel Zabalza (Spanien) zusammen.

Die 78 Begehungen auf der »Big List« der Piolets d’Or wurden von Lindsay Griffin, der leitenden Redakteurin des American Alpine Journal, Dougal MacDonald, dem Chefredakteur des American Alpine Journal und Rodolphe Popier vom FFCAM, dem Französischen Verband der Alpen- und Bergvereine ausgewählt und zusammengestellt. Nicht alle Expeditionen auf der Liste kommen für den heißbegehrten Preis in Frage, jedoch hat das Komitee alle gelisteten Touren als nennenswert und außergewöhnlich erachtet.

Die Liste mit ausführlicheren Infos zu allen 78 Begehungen findet ihr hier.

Besondere Erwähnung für Frauen im Bergsport

In diesem Jahr vergibt das Kommitee der Piolets d’Or auch eine besondere, lobende Erwähnung an rein weibliche Seilschaften. Diese besondere Auszeichung soll speziell Frauen im Alpinismus fördern.

Heuer geht diese Auszeichnung an die slowenischen Bergsteigerinnen Anja Petek und Patricija Verdev. Die beiden waren Teil des vierköpfigen Teams, dem die Begehung des Lalung I über den Ost-Grat gelungen ist. Ihre Route trägt jetzt den Namen »Here comes the Sun« (M6+ AI5+, 2000 m). Sie brauchten insgesamt fünf Tage für ihre Expedition, davon mussten sie aber zwei bei schlechtem Wetter in ihren Zelten verharren. Während der letzten Nacht, die sie unterhalb des Gipfels verbrachten, verloren sie ihre Zeltstangen im Wind und waren gezwungen zu biwakieren.
Nachdem sie den Gipfel am nächsten Tag erreicht hatten, stiegen sie über den langen Kamm des Westgrats ab und seilten sich über die Nordwand ab. 

Mit Lalung I würdigt die Jury die Erstbegehung eines 6.000 Meter hohen Gipfels in abgelegenem Terrain, die vollständige Überquerung des Berges, den Aufstieg im reinen Alpinstil über technisches Gelände und das damit einhergehende hohe Maß an Engagement, insbesondere bei der Überschreitung des Gipfels bei schlechten Konditionen.
Damit passt die Begehung von »Here comes the Sun« wunderbar zu den Werten der Piolets d’Or und dient als Inspiration für Frauen im Alpinsport. 

Das könnte dich interessieren: 

+++
Credits: Titelbild: Piotr Drożdż

Aktuell

Jakob Schubert wiederholt „DNA“ – die erste bestätigte 9c der Klettergeschichte

Hunderte Zuschauer sahen zu, als der Tiroler den Umlenker von Seb Bouins "DNA" in der Verdonschlucht klippte. Mit seiner Live-Begehung kreierte Schubert einen Klettermoment, der in die Geschichtsbücher eingehen wird – als erste Wiederholung einer Route im Grad 9c, dem derzeit höchsten im Sportklettern.

Weltcups, WM & Olympia-Qualifikation | World Climbing stellt Saisonkalender 2027 vor

2027 wird ein wichtiges Wettkampf-Jahr – mit der Qualifikation für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2028, einer Weltmeisterschaft in Tschechien und einem vollen Weltcup-Terminkalender im Bouldern, Lead, Speed und Para Climbing.

Hard Sends: Sébastien Bouin bei der Erstbegehung von „Le Chant des Muses“ (9b)

Im April 2026 gelang Bouin die Begehung seines Projekts "Le Chant des Muses" an der Romeyer-Wand in der Drôme. Ein Film von Black Diamond zeigt den französischen Ausnahmekletterer hinter den Kulissen und seinen Weg bis zum Durchstieg.

Silvan Schüpbach: Neue, wilde Kletterroute im Berner Oberland

Silvan Schüpbach und Janluca Kostner haben „Untergang der Titanen" (8a) in der Nordwand des Gross Wellhorns erstmals vollständig frei geklettert. Die 600-Meter-Route in den Berner Alpen bleibt über 20 Seillängen konstant schwer.

Jakob Schubert wiederholt „DNA“ – die erste bestätigte 9c der Klettergeschichte

Hunderte Zuschauer sahen zu, als der Tiroler den Umlenker von Seb Bouins "DNA" in der Verdonschlucht klippte. Mit seiner Live-Begehung kreierte Schubert einen Klettermoment, der in die Geschichtsbücher eingehen wird – als erste Wiederholung einer Route im Grad 9c, dem derzeit höchsten im Sportklettern.

Weltcups, WM & Olympia-Qualifikation | World Climbing stellt Saisonkalender 2027 vor

2027 wird ein wichtiges Wettkampf-Jahr – mit der Qualifikation für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2028, einer Weltmeisterschaft in Tschechien und einem vollen Weltcup-Terminkalender im Bouldern, Lead, Speed und Para Climbing.

Hard Sends: Sébastien Bouin bei der Erstbegehung von „Le Chant des Muses“ (9b)

Im April 2026 gelang Bouin die Begehung seines Projekts "Le Chant des Muses" an der Romeyer-Wand in der Drôme. Ein Film von Black Diamond zeigt den französischen Ausnahmekletterer hinter den Kulissen und seinen Weg bis zum Durchstieg.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein