Die beiden Felsstürze am Mont Blanc und zuletzt am Matterhorn zeigen, wie Hitze und schwindender Permafrost die Gefahr für Bergsteigerinnen und Bergsteiger verschärft. Während derzeit in den gesamten Alpen ein akutes Risiko besteht, wird teilweise vor Ort weitergeklettert.
In den vergangenen Wochen kam es an gleich zwei der bekanntesten Gipfel der Alpen zu schweren Felsstürzen: Am 15. Juli starben ein tschechischer Bergführer und sein Begleiter am berüchtigten Grand Couloir des Mont Blanc (4.807 m) durch einen Steinschlag, ein drittes Mitglied der Seilschaft wurde verletzt.
Am 5. August brach auch an der Südwand des Matterhorns (4.478 m) auf etwa 3.900 Metern Höhe ein Teil des Felses aus – verletzt wurde niemand. Schon in den Wochen zuvor hatten die Zermatter Bergführer von einer Besteigung abgeraten. Der Grund: die erhöhte Steinschlaggefahr wegen der aktuellen Hitzewelle.
Gefahr durch fehlende Schneedecke und tauenden Permafrost
Ungewöhnlich ist es nicht, dass in besonders heißen Sommern vor Steinschlag und Felsstürzen gewarnt wird. Dass die Zermatter Bergführer dieses Jahr schon seit Mitte Juli von Begehungen des Matterhorns abraten, ist laut Experten jedoch bemerkenswert früh.
Die Gefahr ist aus zwei Gründen schon so früh so hoch: wegen des tauenden Permafrosts (Untergrund aus Erde oder Fels, der mindestens zwei Jahre durchgehend gefroren war) und der fehlenden Schneedecke. Ohne den Permafrost destabilisiert sich das alpine Gelände immer weiter. Wo Bergsteiger normalerweise auf einer Schneespur gehen, sind sie nun auf lockererem Felsboden unterwegs und lösen damit oft selbst Steinschläge aus, die andere treffen können.

Rekord-Sommer verschärft die Situation in den Alpen
Seit Jahren schwinden im Zuge der Klimaerwärmung die Eisflächen und Gletscher in den Alpen. Der Sommer 2026 tut sein Übriges zur ohnehin angespannten Situation: Laut dem EU-Klimadienst Copernicus hatten Teile Europas den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt1. Auch die Null-Grad-Grenze in den Alpen näherte sich dieses Jahr den 5.000 Metern an – im Schnitt liegt sie im Sommer zwischen 3.000 und 4.000 Metern.2
Vom Schwund zum Zerfall: Gletscherbericht des Alpenvereins zeigt dramatische Entwicklung
Insbesondere die Regionen am Berg, in denen es sowieso schon gefährlich ist, werden damit im Hochsommer noch riskanter. Dazu zählt auch das Grand oder „Todes-Couloir“ auf der französischen Normalroute am Mont Blanc auf mehr als 3.000 Metern Höhe. Jedes Jahr kommt es dort vor allem in den Sommermonaten zu starken Steinschlägen, was die Querung zum gefährlichsten Abschnitt des höchsten Berg der Alpen macht. Auch der tödliche Unfall am 15. Juli ereignete sich am Grand Couloir.

Trotz Warnungen wird weitergeklettert
Auch wenn Bergführer eindringlich von einer Besteigung des Matterhorns abraten und geführte Touren derzeit aussetzen, hält das einige Berggeher anscheinend nicht ab. Einem Bericht des Magazins Alpin zufolge waren am vergangenen Wochenende mehrere private Gruppen auf dem Hörnligrat unterwegs. Das zeigen Bilder in den sozialen Medien, die eine Privatperson hochgeladen hatte.

Trotz Lebensgefahr ist die Besteigung des Matterhorns nicht verboten: Obwohl die Bergführerverbände Italiens und der Schweiz warnen, sind die Routen zum Gipfel derzeit nicht offiziell gesperrt. Die anspruchsvolle italienische Normalroute über den Liongrat ist vom Felssturz nicht betroffen, und auch die Carrel-Hütte ist weiterhin zugänglich, wenn auch nicht bewirtschaftet.
Für die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) bedeutet die aktuelle Lage, weiterhin einsatzbereit zu bleiben. 2026 ist schon jetzt ein Rekordjahr, was die Einsatzzahlen betrifft: Zwischen 1. Januar und 15. Juli beanspruchten 1.656 Menschen die Hilfe der Bergretterinnen und Bergretter. Das Matterhorn gilt auch bei idealen Bedingungen als einer der schwierigsten und gefährlichsten Gipfel Europas.
Bürgermeister verweigert 32 Bergsteigern am Mont Blanc kostenlose Heli-Rettung
Auch am Mont Blanc ignorierten bisher einige Berggeher die eindrücklichen Warnungen. Wie Explorers Web berichtet, stiegen 32 Personen am 11. August zur derzeit geschlossenen Goûter-Hütte (3.835 m) auf. Am 12. August trauten sich die Bergsteiger nicht, über das gefährliche Grand Couloir abzusteigen und forderten eine kostenlose Rettung per Helikopter durch die französische Bergrettung an. Der Bürgermeister von Saint-Gervais, Jean-Marc Peillex, lehnte dies ab und verwies auf die geltenden Warnungen. Ein Teil der Berggeher nahm daraufhin die Rettung durch private Organisationen in Anspruch – und zahlte die Rechnung selbst.
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