Im Januar 2026 starben vier Teilnehmende einer Ausbildungsgruppe des Österreichischen Alpenvereins bei einem Lawinenunglück im Großarltal. Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelte daraufhin gegen die Gruppenleiterin, hat das Verfahren aber nun eingestellt. Der Alpenverein solidarisiert sich mit seiner Berg- und Skiführerin.
Vier Menschen tot in Lawinenunglück bei Pongau
Bei dem Lawinenabgang am 17. Januar 2026 wurde die siebenköpfige Ausbildungsgruppe des Alpenvereins im Bereich im Großarltal (Pongau) vollständig verschüttet. Vier Menschen starben – zwei Tiroler im Alter von 65 und 63 Jahren, eine 60-Jährige aus der Steiermark und ein 53-jähriger Oberösterreicher. Drei Personen, darunter die staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin, überlebten.
Die rund 120 bis 150 Meter breite Lawine hatte sich unterhalb des Thronecks auf rund 2.000 Metern Seehöhe gelöst und die aufsteigende Gruppe auf dem Weg zum Finsterkopf erfasst. Ein 58-jähriger Salzburger konnte sich selbst befreien und die Rettungskette in Gang setzen. So konnten ein weiterer Mann sowie die Bergführerin lebend aus den Schneemassen geborgen werden.
Die Gruppe war im Rahmen des regulären Winterausbildungsprogramms des Österreichischen Alpenvereins unterwegs. Alle Teilnehmenden waren bergerfahren und mit Lawinenverschütteten-Suchgeräten (LVS) ausgestattet.

Ermittlungen wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung fallengelassen
Die Staatsanwaltschaft Salzburg leitete daraufhin gegen die damals 41-jährige Alpenvereinsführerin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Zum Zeitpunkt des Unglücks galt Lawinenwarnstufe zwei von fünf. Gilt diese Warnstufe, gelten größere und spontane Abgänge als allgemein nicht zu erwarten. Dennoch passiert etwa jeder vierte Lawinenunfall bei Warnstufe zwei.
Gleichzeitig war die Wintersaison 2025/26 von einem Altschneeproblem geprägt. Aufgrund des schneearmen Winterbeginns baute sich im gesamten Ostalpenraum die Schneedecke äußerst schlecht auf. Auch durch das wochenlange niederschlagsfreie Wetter mit klaren Nächten, wenig Wind und starkem Frost konnte sich so in vielen Abschnitten eine gefährliche Gleitschicht unter der Schneeoberfläche bilden.
Nachdem die Staatsanwaltschaft Salzburg keinen Sorgfaltsverstoß der verantwortlichen Kursleiterin feststellen konnte, stellte sie die Ermittlungen im Oktober 2026 ein. Laut den Ermittlern sei nicht vorhersehbar gewesen, dass sich im Großarltal an diesem Tag in diesem Abschnitt eine Lawine löst.

Alpenverein solidarisch mit Bergführerin: „Ändert nichts an unserer tiefen Betroffenheit“
Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) zeigt sich angesichts des eingestellten Verfahrens erleichtert. ÖAV-Präsident Wolfgang Schnabl äußerte sich solidarisch mit der Berg- und Skiführerin: „Die Einstellung des Ermittlungsverfahrens bestätigt, dass unsere Kursleiterin nach bestem Wissen gehandelt hat.“
Gleichzeitig ändere dies nichts an der tiefen Betroffenheit innerhalb des Alpenvereins, so Schnabl:
Dieses Unglück hat vier Menschen aus unserer Gemeinschaft das Leben gekostet. Unsere Gedanken sind nach wie vor bei ihren Familien, Freundinnen und Freunden sowie bei jenen, die das Unglück überlebt haben und mit den Folgen dieses traumatischen Ereignisses leben müssen.
Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins
Sicherheit als zentrale Verantwortung – besonders bei erhöhtem Risiko
Das Lawinenunglück am Throneck ist ein trauriger Beweis dafür, dass selbst sorgfältige Tourenplanung und hohe bergsportliche Kompetenz einen Unfall nicht immer verhindern können. Auch wenn die Kursleiterin alle etablierten Sicherheitsstandards beachtet habe, sieht der Alpenverein seinen Auftrag darin, sich in Punkto Sicherheit stetig weiterzuentwickeln.
Unsere Verantwortung als Alpenverein bleibt: aus diesem Unglück zu lernen und alles in unserem Einflussbereich zu tun, damit sich eine solche Tragödie möglichst nicht wiederholt.
Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins
Die prekäre Schneelage in den Alpen spiegelt sich auch in den jüngsten Zahlen zu tödlichen Lawinenunglücken wieder. In Österreich kamen im vergangenen Winter 33 Menschen bei Lawinenunfällen ums Leben – deutlich mehr als im langjährigen Mittel von etwa 16 Lawinentoten pro Winter. Insgesamt starben in der Saison 2025/26 126 Menschen durch Lawinen in den Alpen, die meisten davon in Italien, Österreich und Frankreich.1
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Credits Titelbild: Bergrettung Pongau
- Quelle: Bilanz des European Avalanche Warning Service (EAWS) Stand 28.10.2026 ↩︎

