Beim 5. Deutschlandcup der Saison in Europas größter Boulderhalle standen zwei bekannte Gesichter zum ersten Mal ganz oben auf dem Podium. Wir waren für euch am 31. Januar beim Kick-Off-Event der Boulder Bundesliga in Erlangen dabei.
Hoher Besuch in Franken trotz Schnee-Chaos
Obwohl ungeahnte Schneemassen die Region Mittelfranken vergangene Woche in Atem gehalten haben, haben Boulder*innen aus ganz Deutschland und darüber hinaus die Anfahrt ins Frankenjura gemeistert. Rund 160 Teilnehmende empfingen die BLOCKHELDEN Erlangen – Europas derzeit größte Boulderhalle – am 31. Januar zum Kick-Off der 9. Station der Techniker Boulder Bundesliga. Bei der Station mit Deutschlandcup boulderten am Abend außerdem die stärksten sechs Damen und Herren das Tages um insgesamt 6.600 Euro Preisgeld.
Der Ballungsraum Nürnberg ist einer der Boulder-Hotspots im Norden Bayerns. Auch die Nähe zum Frankenjura und seiner Kletterhistorie schafft eine besondere Atmosphäre.
Jacob Gorbunow, BBL

Tages-Quali in Europas größter Boulderhalle
Jacob Gorbunow von der Boulder Bundesliga freut sich wieder hier zu sein: »Nach dem ersten Deutschlandcup im Dezember 2022 waren wir nun erstmals wieder bei den BLOCKHELDEN in Erlangen zu Gast und haben dort perfekte Bedingungen für ein fantastisches Event vorgefunden: viel Platz, eine sehr gute Isolationszone, hochwertiger Routenbau und ein abwechslungsreicher Boulder-Style.«
Während des ganztägigen Kick-Offs am Samstag lag es an den Teilnehmenden, jeweils 15 Boulder zu toppen – verteilt auf je drei Ligen pro Geschlecht. Die erste Herausforderung bestand für einige wohl zunächst darin, die eigenen Boulder auf 5.500 qm Gesamtfläche zu finden. Auf insgesamt vier Stockwerken und 2.600 qm reiner Wandfläche bot die größte Boulderhalle Europas insgesamt 45 Boulder in sämtlichen Stilen und Schwierigkeiten.
Starkes Lineup in der 1. Liga
Insbesondere in der stark besetzten ersten Liga der Damen und Herren galt es, möglichst viele der 15 Boulder zu toppen und zu flashen, um sich einen Platz im Finale am Abend zu sichern. Denn neben zahlreichen Hobby-Boulder*innen reisten auch viele Profi-Athlet*innen aus vorwiegend Süddeutschland, aber auch den Nachbarländern Österreich und Tschechien an.
Aus dem deutschen Nationalkader starteten Anna Maria Apel, Afra Hönig, Anna Lechner, Hannah Hattenbach, Lucas Trandafir, Philipp Martin, Tim Würthner und Finn Altemöller. Aber auch andere bekannte Gesichter der Saison – etwa Jonathan Papadopoulus, Florian Schweiger, Daria Nesterenko (UKR) und der Titelverteidiger Moritz Welt – kamen zum Spieltag. Aus dem Ausland gab es hochrangige Verstärkung durch Jugend-Vizeweltmeister Lukas Mokrolusky, Jugend-Europameister Jan Štípek sowie Lysander Naimji (alle CZE) sowie durch U17-Nationalsiegerin Jakoba Rauter (AUT).
Hochkarätiges Finale mit Megos-Moderation
Nach der Tagesqualifikation stand schließlich das Lineup von sechs Damen und Herren für das Finale am Abend fest. Dabei waren einige »gesetzten« Namen mit dabei, während manch Favorit*in den Einzug überraschend verpasste – etwa Daria Nesterenko (Platz 7) und der Titelverteidiger von 2022, Moritz Welt (Platz 10). Für die Moderation des Livestreams wurde Frankens wohl bekanntester Kletterer eigens aus England zugeschaltet: Co-Kommentator Alex Megos.
Überraschungssieg für Jonathan Papadopoulos
Jonathan Papadopoulos gehört seit einigen Saisons zu den bekannten Gesichtern der Saison. In Erlangen stand der 21-Jährige aus Kelkheim jetzt zum ersten Mal ganz oben auf dem Treppchen bei einem Deutschlandcup. Dass es ausgerechnet heute klappen sollte, hatte er selbst nicht auf dem Schirm. Trotzdem positionierte sich Papadopoulos mit drei Flashes in drei Finalbouldern noch vor Deutschlandcup-Stammgast Tim Würthner und dem 18-jährigen Tschechen Lukas Mokrolusky auf dem Podium.
Ich hatte die Boulder dieses Mal ziemlich gut gelesen und der Stil hat mir auch getaugt.
Jonathan Papadopoulos

Erster Deutschlandcup-Win für Anna Maria Apel
Auch für Anna Maria Apel hielt der Deutschlandcup in Erlangen zum ersten Mal einen Titel bereit – bei ihrem allerersten Auftritt der Saison. Die 20-jährige Weltcup-Athletin und Deutsche Meisterin im Lead nimmt in den letzten Monaten vor dem internationalen Saisonstart viele nationale und regionale Boulderwettkämpfe mit.
Ihren ersten Deutschlandcup-Sieg erkletterte sich die Münchnerin erst in der allerletzten Minute: Mit dem einzigen Top am Powerboulder W3 überholte Apel ihre Teamkollegin Afra Hönig, die sich zuvor ein schnelleres Top in W1 und eine schnellere Zone in W2 gesichert hatte.
Ich wollte im dritten Boulder einfach 150 % geben und den unbedingt hochkommen.
Anna Maria Apel
Verstärkung auf dem Podium bekamen die beiden Team Germany-Athletinnen aus Innsbruck. Die 16-jährige Jakoba Rauter vom Österreichischen U17-Nationalkader flashte als einzige die Zone am koordinativen zweiten Boulder. Kombiniert mit ihrem schnellen Top in W1 sicherte sich so die Bronzemedaille – noch nie zuvor stand eine Österreicherin auf einem Deutschlandcup-Podium.
Herrenfinale: (Fast) etwas zu leicht
Der erste der drei Herren-Finalboulder mag dem Routenbau-Team zunächst einen kleinen Schreck eingejagt haben. Alle sechs Finalisten toppten den koordinativen Sloper-Boulder innerhalb kürzester Zeit – vier davon im Flash. Im zweiten Boulder, einem oberkörper-kräftigen Power-Testpiece, halbierte sich die Anzahl der Tops, die jetzt nur noch die drei späteren Medaillisten holen konnten.
Der dritte Boulder war erneut eher am leichteren Ende des Spektrums, dürfte aber Fans gewohnter Oldschool-Kletterei wunderbar abgeholt haben. Die Leisten-, Schulter- und Hook-Parade M3 flashten nicht nur Papadopoulos, Wuerthner und Morkolusky, sondern auch der Nationalkader-Athlet Lucas Trandafir aus Regensburg. Der 17-Jährige schrammte mit zwei Flashes und einer Zone knapp am Podium vorbei – gefolgt von seinem Kader-Kollegen Finn Altemöller und dem Tschechen František Danda mit jeweils einem Top und einer Zone.

Damenfinale: Schwer und spannend bis zuletzt
Im Finale der Damen teilte zunächst der plattig-koordinative erste Boulder das starke Feld ideal auf. Das schnellste Top gelang dabei Afra Hönig im zweiten Versuch, dicht gefolgt von Anna Maria Apel und Jakoba Rauter im dritten Versuch. Auch Anna Lechner konnte in ihrem zweiten Deutschlandcup-Finale der Saison in acht Versuchen ein Top am W1 holen.
Die ebenfalls koordinative erste Crux des zweiten Damenboulders konnten alle Finalistinnen bis auf Arina Jurcenko aus Tschechien meistern, die Gewinnerin der letzten Station in Berlin. Die darauffolgende Sequenz – ein weiter Zug aus einem schlechten rechten Heelhook – stellte sich aber als zu hart für alle Athletinnen heraus. W2 blieb damit als einziger Boulder des Abends ungetoppt.
Am kräftigen, eher traditionellen Boulder W3 sah es lange so aus, als würde ihn dasselbe Schicksal ereilen – denn selbst die erfahrene Afra Hönig scheiterte am letzten schweren Zug an die Kante. Im allerletzten Go des Abends machte dann Anna Maria Apel den Sack zu und sicherte sich als einzige Dame mit zwei Tops den Sieg.

Insgesamt gab es beim 5. Deutschlandcup der Saison überdurchschnittlich viele Flashes und Tops bei den Herren. Gleichzeitig blieb (wie schon beim Auftakt Dortmund und zuletzt der Berta Block) mindestens ein Finalboulder ungetoppt – in diesem Fall bei den Damen. Im Livestream bringt Co-Kommentator Alex Megos das Thema Routenbau auf den Punkt: »Bei den Herren etwas zu leicht, bei den Frauen etwas zu schwer – und am Ende trotzdem eine vernünftige Separation.«
Beim Routenbau das richtige Level zu finden ist immer schwierig – aber das ist Teil des Spiels.
Alex Megos

Bewegung im Gesamtranking
Am aktuellen Gesamtranking der laufenden Deutschlandcup-Saison 2025/26 ändert das jüngste Event bei den BLOCKHELDEN in Erlangen nur bedingt etwas. Denn die derzeitige Top 3 bei den Damen und Herren entfällt weiterhin auf Athlet*innen, die am Wochenende gar nicht dabei waren: Alma Bestvater, Ronja Witt und Marie Koepler sowie Thorben Perry Bloem, Yannick Flohé und Jan Hojer.
Gleichzeitig tut sich etwas in der Gesamt-Top 10: Mit ihrer dritten Finalteilnahme der Saison rückt Hannah Hattenbach derzeit auf Platz 4 im Gesamtranking, gefolgt von der Tschechin Arina Jurcenko auf Platz 5. Auch Anna Maria Apel und Afra Hönig sind durch ihre Podiumsplätze nun in die Gesamt-Top 9 gerutscht. Bei den Herren haben alle Finalteilnehmer aus Erlangen – mit Ausnahme von František Danda – ebenfalls Plätze in der aktuellen Top 10 gesichert.
Der nächste und vorletzte Deutschlandcup der Saison findet am 28. Februar im Studio Bloc Wiesbaden statt. Danach steigt der letzte Cup am 11. April im Element München, bevor am 13. und 14. Juni das Saisonfinale im Studio Bloc Funkstadt ansteht.

Nächste Station: Frankenjura Academy
Eine lange Verschnaufpause (oder Weiterfahrt) gibt es für die Teilnehmenden der Techniker Boulder Bundesliga nicht. Das nächste Kick-Off-Event findet bereits diesen Samstag, den 7. Februar statt – nur wenige Kilometer entfernt in der Frankenjura Academy in Forchheim. Auch Jacob Gorbunow von der Boulder Bundesliga zeigt sich zufrieden: »Der Deutschland Cup selbst verlief ausgesprochen positiv. Wir haben viel gutes Feedback von den Athlet*innen bekommen.«
Die Boulder waren abwechslungsreich und boten von der ersten bis zur dritten Liga Herausforderungen, die sowohl Einsteiger*innen als auch Profis angesprochen haben.
Jacob Gorbunow, BBL
Wie gewohnt wechseln sich dabei die Stationen mit und ohne Deutschlandcup ab. In Alex Megos‘ zweiter Heimat wartet allein aus Platzgründen zwar spektakuläres Finale, aber in jedem Fall spannende Boulder für die erste, zweite und dritte Liga.
Livestream: Finale des 5. Deutschlandcups (31.01.2026)
Im Livestream vom Samstagabend – gestreamt und co-moderiert von Alex Megos – könnt ihr euch nochmal den 5. Deutschlandcup der Saison anschauen.
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