Der richtige Zeitpunkt, um Kletterschuhe neu besohlen zu lassen, liegt früher als gedacht: bei rund einem Millimeter Restsohle. Ausmessen tut das ehrlich niemand, aber woher weiß ich dann, wann ich meinen Schuh lieber mal abgeben sollte und wo geht das überhaupt?
Wer wartet, zahlt drauf
Kletterschuhe sind der größte Verschleißartikel im Klettersport. Weicher Gummi, hohe Frequenz, raue Hallenwände: Die Sohle im Zehenbereich wird dünn, lange bevor der restliche Schuh irgendein Problem hat.

Der Ablauf ist bei fast allen Modellen gleich. Zuerst geht die Sohle, dann der Randgummi, dann das Obermaterial. Und genau in dieser Reihenfolge steigen auch die Kosten. Solange nur die Sohle abgeklettert ist, ist die Reparatur ein Routinejob. Ist der Randgummi mit durch oder schaut vorne bereits der große Zeh raus, kommt eine Randreparatur dazu. Die ist nicht nur teurer, sie greift auch in die Konstruktion ein. Der Rand muss vom Obermaterial gelöst und neu verklebt werden, was der Vorspannung des Schuhs leider nicht guttut.
Resolen erst wenn der Zeh rausschaut?
Der belastbarste Richtwert kommt von den Werkstätten selbst. Der Innsbrucker Klettershop bolting.eu, offizieller Resoling-Partner von La Sportiva und Scarpa, nennt auf seiner Serviceseite den Zeitpunkt konkret: Der Schuh gehört zum Resolen, wenn die Originalsohle noch rund einen Millimeter dick ist und der Sohlenrand von unten noch nicht durchschaut. Wenn die Spitze des Schuhs also deutlich dünner scheint und sich leichte Risse abzeichnen sollte man sie sich mal genauer anschauen.

Ist die Originalsohle komplett heruntergeklettert, sinkt laut Anbieter die Qualität der Neubesohlung entsprechend. Praktisch heißt das: Wenn der Zeh schon rausschaut ist es bereits zu spät. Als Faustregel für die Gesamtlebensdauer gelten zwei bis drei Neubesohlungen pro Paar, danach ermüdet das übrige Material. Wie oft es tatsächlich geht, hängt am Zustand des Obermaterials und daran, wie der Schuh gepflegt wurde.
Original-Leisten oder Schuster ums Eck
Hier liegt der Unterschied, der sich später am Fels bemerkbar macht. Beim Besohlen wird der Schuh auf einen Leisten gespannt. Passt dieser Leisten nicht zum Modell, kommt der Schuh mit veränderter Form zurück. Gerade die Marken LaSportiva und Scarpa haben autorisierte Besohler, die auf Originalleisten arbeiten. Bei den meisten Angeboten zum Resolen werden diese auch direkt zu den autorisierten Besohlern geschickt.

Worauf du bei der Auswahl achten kannst:
- Ist der Betrieb autorisierter Resoler deiner Schuhmarke?
- Arbeitet er mit Originalleisten und Original-Ersatzteilen – auch beim Randgummi, bei Velcros und Anziehschlaufen?
- Wie lange dauert der Durchlauf, und was kostet der Rückversand?
- Bei stark vorgespannten Schuhen: Nachfragen, ob das Modell überhaupt auf Originalleisten verfügbar ist.
Flache Schuhe kommen nach der ersten Besohlung oft nahezu wie neu zurück. Bei starkem Downturn ist dieser Effekt weniger ausgeprägt: das Trittgefühl verändert sich, auch bei sauberer Arbeit. Bei den meisten Anbietern kann man mit einem Preis zwischen 50€ und 80€ rechnen, je nach dem ob der Besohler einen Originalleisten verwendet oder nicht.
Zum Vergleich: Ein Scarpa Drago steht mit einer UVP von 179,90€ in der Liste, ein La Sportiva Solution kostet im Handel je nach Anbieter um die 135€ Euro. Eine Neubesohlung liegt damit grob bei einem Drittel des Neupreises und du bekommst einen Schuh zurück, der bereits eingeklettert ist.
Wo du deine Schuhe abgeben kannst
Eine Auswahl an Betrieben, die Kletterschuhe besohlen oder zur Besohlung annehmen:
Deutschland
Österreich
Schweiz
Der kürzeste Weg führt oft gar nicht über die Post: Viele Kletterhallen und Kletterschuhhändler haben inzwischen eine eigene Sammelstelle.
Welches Gummi auf den Schuh gehört
Die meisten Werkstätten lassen dich die Mischung selbst wählen.
- Vibram XS Grip 2 (üblicherweise 4 mm): maximale Reibung, viel Feingefühl, gute Kantenstabilität. Nutzt sich dafür schneller ab. Die Wahl, wenn Reibung und Sensibilität zählen.
- Vibram XS Edge: deutlich abriebfester und kantenstabiler, dafür weniger Reibung. Erste Wahl für kleine Tritte und lange Standzeit.
- Dickere Varianten (etwa Vibram XS Grip in 5 mm): halten länger und geben mehr Halt, nehmen aber Feingefühl. Auf stark vorgespannten Performance-Schuhen ergibt das wenig Sinn.
Der Randgummi läuft separat: Bei deutschen Anbietern kommt hier typischerweise ein Vibram in 1,8 bis 2 mm zum Einsatz, bei bolting.eu ein Vibram-MS-Gummi. Sinnvoll ist meist, die Mischung zu nehmen, die vorher drauf war. Du kennst das Verhalten des Schuhs dann bereits und veränderst mit der Reparatur nur die Dicke, nicht den Schuh.
Wann sich das Besohlen nicht mehr lohnt
Nicht jeder Schuh ist zu retten und nicht jeder gerettete Schuh ist es wert:
- Das Obermaterial ist ausgeleiert oder eingerissen, der Schuh hat keine Struktur mehr.
- Das Loch in der Zehenpartie ist so groß, dass Rand und Sohle gemeinsam neu aufgebaut werden müssen – dann nähert sich die Rechnung dem Gebrauchtpreis.
- Der Schuh hat nie richtig gepasst.
- Es ist bereits die dritte oder vierte Besohlung.

Im Zweifel schicken die meisten Werkstätten den Schuh nicht ungefragt zurück, sondern melden sich mit einer Einschätzung. So oder so: Präzises treten zu trainieren lohnt sich für die Performance und den Schuh!
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Moin,
danke für den Artikel!
Ich finde der Hinweis, dass man Schuhe nur drei bis viermal besohlen sollte ist unpassend. Ich habe meine Schuhe schon bis zu ca. achtmal besohlt. wenn der Schuster dabei behutsam vorgeht ist das kein Problem. natürlich muss auch mal der Klettverschluss neugemacht werden, aber das ist kein grosser Aufwand.
Beste Grüsse,
Leo