Es war ein schweißtreibendes Wochenende für alle Beteiligten. Bei 35 Grad holten Lucia Dörffel vom DAV Sächsischer Bergsteigerbund und Max Prinz vom DAV AlpinClub Hannover in Dortmund die Titel in der Deutschen Meisterschaft im Bouldern. Das Video-Replay des Finals gibt es weiter unten.

Lange sah es so aus, als ob die Vorjahressieger ihre Titel souverän verteidigen könnten. Aber dann kam es doch anders, und das Publikum sah einen faszinierenden Wettkampf mit überraschenden Wendungen bis zum letzten Boulder.

Ein Finale wie aus dem Bilderbuch

In den Vorrunden lief es für Alma Bestvater (DAV Weimar) und Yannick Flohé (DAV Aachen) ganz nach Plan: Souverän standen beide Titelverteidiger auf Platz eins und gingen deshalb als letzte Starter ins Finale. Gleich am ersten Boulder, einem komplexen senkrechten Bewegungsproblem, hob Flohé allerdings nicht so richtig ab und holte folgerichtig auch keine Wertung. Im Gegensatz zu Max Prinz, der einen überzeugenden Flash ablieferte und sich damit sofort an die Spitze des Feldes setzte. Alma Bestvater kam zunächst besser ins Rennen. Im dritten Versuch zog sie den mit mehreren Knieklemmern für rechts zu kletternden Überhang und landete zwischenzeitlich auf Rang zwei hinter Hannah Pongratz vom AlpinClub Hannover.

Lucia Dörffel wenige Sekunden vor ihrem Move zum Meistertitel am letzten Boulder. Foto: DAV/Thomas Schermer

Unglaublich dann, was die Routensetzer um Christian Bindhammer und Jonas Baumann den Athleten und dem Publikum in den zweiten Finalbouldern darboten: Auf die Damen wartete ein Gleichgewichtsproblem der Extraklasse, das nur Lucia Dörffel zu lösen vermochte, dafür allerdings auf Anhieb, was ihr die Führung einbrachte. Alma Bestvater kam immerhin bis zu einem gewagten Sprung zum Topgriff, den sie um Haaresbreite verpasste. Wäre ihr dieser Dynamo gelungen, die Deutsche Meisterschaft wäre womöglich anders ausgegangen.

Die Herren mussten sich mit einem überhängenden Bauch auseinandersetzen, der zunächst für alle recht gut lief. Knackpunkt des Boulders war es denn auch, den Topgriff von der Seite anzuklettern und dabei vom bereits erwähnten Bauch nicht abgeschüttelt zu werden. Hier waren mehrere Lösungen möglich, und die wurden zur Freude des Publikums denn auch alle vorgeführt. Max Prinz kam einmal mehr gleich auf Anhieb durch und stabilisierte seine Führungsposition. In solchen Fällen sagt man wohl: Er hatte einen Lauf.

Max Prinz beim entscheidenden Flash am dritten Finalboulder. Foto: DAV/Thomas Schermer

Der Lauf ging weiter. Obwohl erneut ein komplexes Bewegungsproblem wartete, diesmal im stark überhängenden Gelände, ließ sich Max Prinz nicht aufhalten. Wie beflügelt erkannte er sofort die richtige Lösung und flashte auch den dritten von drei Bouldern. Damit war klar: Der Titel ist dem Hannoveraner nicht mehr zu nehmen. Im letzten Boulder würde es nur mehr um die Vergabe der Plätze zwei und drei gehen. Anders bei den Damen: Ihren dritten Finalboulder, einen kräftigen, aber recht offensichtlich zu kletternden Überhang, flashten fast alle. Vor dem letzten Boulder hatten Lucia Dörffel, Hannah Pongratz, Alma Bestvater und Afra Hönig (DAV Landshut) noch Chancen auf den Titel.

Überraschender Vergleich der Geschlechter an Boulder 1. Markus Jung schleicht an runden Griffen und Tritten. Foto: DAV/Thomas Schermer

Den besten Ausgangspunkt hatte Lucia Dörffel: Sollte sie nicht mehr als zwei Versuche brauchen, wäre ihr der Sieg nicht mehr zu nehmen. Sie machte es spannend: Im ersten Versuch fiel sie ab. Im zweiten Versuch nahm sie dann aber alle Kraft zusammen und erreichte unter dem Jubel der rund 400 Zuschauer den Topgriff. Die Plätze zwei und drei erkletterten sich Afra Hönig und Hannah Pongratz. Und dann kam ganz am Schluss Alma Bestvater: Mit einem Flash würde sie Afra Hönig noch vom zweiten Platz verdrängen können, und der war bei ihrer bisherigen Performance locker drin. Allerdings patzte sie beim ersten Versuch und kam erst im zweiten Anlauf zum Top. Dass ihr dieser kleine Fehler das gesamte Podium kostete und sie sich mit Platz vier begnügen musste zeigt, wie hoch die Leistungsdichte bei den Damen derzeit ist.

Yannick Flohé an Boulder 3. Foto: DAV/Thomas Schermer

Für Max Prinz ging es im letzten Boulder um nichts mehr. Eigentlich. Er ließ es sich trotzdem nicht nehmen, auch den vierten Boulder auf Anhieb zu klettern und damit die bestmögliche Finalwertung zu erreichen: vier Tops in vier Versuchen. Seine Konkurrenten mussten jedoch noch die verbleibenden Podiumsplätze unter sich ausmachen. Im Rennen: Max Kleesattel vom DAV Schwäbisch Gmünd, Martin Philipp vom DAV Allgäu Kempten und Yannick Flohé, der zu diesem Zeitpunkt auf Rang vier lag. Kleesattel holte den Topgriff im zweiten Versuch und enteilte damit uneinholbar auf Podiumsplatz zwei, Kleesattel hingegen patzte und erreichte nur die Zonenwertung. Für Flohé war deshalb der Weg frei in Richtung Bronze – sofern er den Boulder schaffen würde. Und dann zeigte der Vorjahressieger all seine Klasse und flashte das Ding.

Hexenkessel einmal anders

Angesichts der beeindruckenden und spannenden Performance der Athletinnen und Athleten war es kein Wunder: Die Stimmung in der Boulderwelt Dortmund hätte besser nicht sein können. Und das, obwohl alle Anwesenden mit der Hitze zu kämpfen hatten. 35 Grad hatte es locker, als das Finale über die Bühne ging. Nicht viel kühler war es beim Halbfinale am Sonntagvormittag und bei den Qualifikationsrunden am Samstag. Einen erheblichen Anteil daran, dass das Dortmunder Publikum Spitzensport vom Feinsten geboten bekam, hatten die Routenschrauber. Trotz erschwerter Bedingungen – siehe Temperaturen – gelang es ihnen, spektakuläre, überraschende und intelligente Boulderprobleme an die Wand zu zaubern. Ob flach oder steil, ob dynamisch oder filigran, ob an winzigen Strukturen oder großen Volumes – stets wurden Klettertechniken und Kletterfähigkeiten modernsten Zuschnitts abgefragt. Das Publikum, das darf man getrost sagen, bekam Boulderkunst auf der Höhe der Zeit geboten. Ganz nebenbei lief die Organisation, die ein Event von der Größe einer Deutschen Miesterschaft erfordert, reibungslos ab. Das ist nicht zuletzt dem Team der Boulderwelt, dem Helferteam des DAV Dortmund, dem erfahrenen Schiedsrichterteam rund um Chefschiedsrichter Ferdinand Triller und den vielen weiteren Helfern und Partnern zu verdanken.

Das Finale im Video-Replay

Die Ergebnisse im Detail gibt es unter www.digitalrock.de

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Credits: Text Deutscher Alpenverein, Bild DAV/Thomas Schermer

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