8 Fakten über die Kälte

Wer nichts weiss, muss alles glauben. Von Mythen über den Wärmeverlust via Kopf bis zur Frage, ob Frauen mehr frieren als Männer. Acht Fakten zum Thema.

Ein Beitrag von Alexandra Schweikart – erstmals erschienen in der Fachzeitschrift bergundsteigen

1. Geht die meiste Wärme über den Kopf verloren?

Beim Blick auf Wärmekamerabilder liegt die Vermutung nahe. Der Kopf ist die hellste Stelle, da geht die Wärme verloren! Tatsächlich ist das ein Mythos: Der Kopf verliert nicht mehr oder weniger Wärme als jedes andere Körperteil. Gesicht und Kopf sind allerdings oft unbedeckt. Also: Mützen oder Kapuze auf im Winter, dann bleibt der Kopf warm.

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Der Kopf verliert nicht mehr oder weniger Wärme als andere Körperteile. Bild: Foto von Olga Doganoc | Unsplash
Der Kopf verliert nicht mehr oder weniger Wärme als andere Körperteile. Bild: Foto von Olga Doganoc | Unsplash

2. Was wärmt besser: Daune oder Kunstfaser?

Unabhängig vom Material gilt: Je dicker eine gefütterte Jacke, desto wärmer ist sie auch. Der sogenannte R-Wert beschreibt die Wärmeleistung, er steigt bis zu einer Schichtdicke von etwa acht Zentimetern Isolierschicht linear an, danach flacht die Kurve ab. Bei noch dickeren Jacken trägt man eher unnützes Gewicht herum. Bei gleichem Aussen- und Innenstoff und gleich dicker Füllung ist Daune aber leichter als Kunstfaser, man spricht von besserem «Wärme-zu-Gewicht-Verhältnis».

3. Wie funktioniert textile Wärmeisolation?

Wärmeisolation beschreibt die Fähigkeit eines Materials, Körperwärme nicht durchzulassen. Doch wie kommt die mühsam produzierte Körperwärme überhaupt abhanden? Drei Mechanismen wirken hierbei zusammen:

  • Wärmeleitung: Moleküle bewegen sich, stossen einander an und geben so die Wärme weiter wie umfallende Dominosteinchen (der Henkel eines Topfs wird heiss).
  • Wärmestrahlung: Der menschliche Körper gibt langwellige elektromagnetische Strahlung ab (ähnlich wie ein Heizkörper).
  • Konvektion: Strömungen in Gasen und Flüssigkeiten führen zum Wärmeverlust durch Abtransport (Gasbläschen steigen im Wasser auf).

Blockiert man diese drei Verlustwege erzeugt man Wärmeisolation. Wärmeleitung wird durch lufteinschliessende, verästelte Materialien wie Daunen verringert. Luft ist ein schlechter Wärmeleiter. Wärmestrahlung kann verhindert werden, indem die Wärme zum Körper reflektiert wird. Man benutzt dazu Mikrofasern aus Kunststoff, sogenanntes Faservlies, in dem die Mikrofasern sehr dicht arrangiert sind. Je dicker und dichter ein Faservlies, desto weniger Wärme kommt durch. 

4. Wieso hat der Fels bei Kälte mehr «Grip»?

An den Händen und Fusssohlen haben wir besonders viele Schweissdrüsen: Ein Relikt aus der Zeit, als wir Bäume mit Händen und Füssen erklommen. Denn: Mit leicht feuchten Händen lässt sich Holz gut greifen. Schweiss an den Fingern ärgert uns beim Felsklettern, da die Reibung zwischen Fingern und Fels vom sogenannten Reibungskoeffizienten abhängt. Dieser ist leider umso kleiner – sprich schlechter –, je höher die Temperatur ist und je feuchter die Finger sind. Bei Kälte produziert der Körper weniger Schweiss, daher ist die Haftreibung, der «Grip», am Felsen deutlich besser.

5. Trocknet Kunstfaser schneller als Wolle?

Die verblüffende Antwort lautet: Nein! Bei gleicher Temperatur und gleicher Luftfeuchtigkeit trocknen Textilien gleich schnell, verlieren also genau gleich viel Gramm Wasser pro Minute. Der Unterschied liegt in ihrer Kapazität, Feuchtigkeit aufzunehmen, und der damit verbundenen Trocknungszeit. Wenn ein Polyestershirt 15 Gramm Schweiß aufnehmen kann, ein gleichschweres Wollshirt aber 35 Gramm, dauert es eben länger, bis das Wollshirt beim Trocknen sein Ursprungsgewicht wieder erreicht.

6. Frieren Frauen mehr als Männer?

Eindeutiges Jein. Frauen bekommen schneller kalte Hände und Füsse, da sich bei ihnen die Wärme eher in den Torso zurückzieht und sie anteilig weniger Muskelmasse besitzen, die beim Zittern Wärme erzeugt. Da das allgemeine Kälteempfinden oft von den Händen abhängt, frieren Frauen subjektiv schneller. Eine andere Studie setzte Männer und Frauen eine Stunde lang einer Temperatur von 12°C aus: Hier hielten die Frauen länger durch als die Männer.

7 . Wie entsteht die Gänsehaut?

Vor einigen Millionen Jahren hatten unsere Urahnen ein prächtiges Fell, es schützte und wärmte. Wenn es so richtig kalt wurde, stellten sich die Haare am Körper auf, um so eine isolierende Schicht mit viel eingeschlossener Luft zwischen den Härchen aufzubauen. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die sogenannte „Haaraufrichte-Muskulatur“, welche die Gänsehaut erzeugt. Bei unserer heutigen Haardichte nun ohne wärmenden Effekt.

Nackt funktioniert unser Kühlmechanismus eben am besten. Foto: DAV Archiv
Nackt funktioniert unser Kühlmechanismus eben am besten. Foto: DAV Archiv

8. Kann Kleidung kühlen?

Unser Körper arbeitet am besten bei einer «Betriebstemperatur» von 37 Grad Celsius. Diese Temperatur versucht er unter allen Umständen konstant zu halten, durch Schwitzen beispielsweise bei grosser Anstrengung. Nackt funktioniert dieser Kühlmechanismus ideal, jede Art von Bekleidung ist hier im Weg. Bei Hitze sind die besten Stoffe diejenigen, die den Körper möglichst wenig bei seiner Regulationsarbeit stören, alles andere ist eher eine Erfindung der Werbung.

Über die Autorin

Alexandra-Schweikart

Alexandra Schweikart ist promovierte Chemikerin und Textilwissenschafterin, Sportkletterlehrerin und Sachkundige für PSA. Als Wissenschaftjournalistin blickt sie gerne hinter die Kulissen der Outdoor-Industrie.


Über die Zeitschrift bergundsteigen

Bergundsteigen ist eine internationale Zeitschrift für Sicherheit und Risiko im Bergsport und beleuchtet die Themen Ausrüstung, Bergrettung, Seiltechnik, Unfall- und Lawinenkunde. Herausgegeben wird bergundsteigen von den Alpenvereinen Österreichs (ÖAV), Deutschlands (DAV), Südtirols (AVS) und der Schweiz (SAC).


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Credits: Titelbild Bryan Rodriguez | Unsplash

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