Anfang des Jahres brodelte die Gerüchteküche. Alexander Megos trennte sich von zahlreichen Sponsoren. Wohin geht er? Warum verlässt er seine langjährigen Sponsoren? Heute ist klar, wohin die Reise ging: Zu Petzl. Wir haben mit Alexander über seine Beweggründe und das Leben als Profikletterer gesprochen.

Zum Jahreswechsel 2020/2021 hast du dich von mehreren Sponsoren getrennt, darunter Sterling Ropes, DMM und Red Bull. «Aus persönlichen Gründen». Kannst du das etwas ausführen?

In den letzten Jahren wurde mir einfach bewusst, dass Red Bull nicht der passende Sponsor für mich ist. Deshalb der Wechsel.

Alle fragten sich, wohin du gehst. Heute ist klar: zu Petzl. Was hat dich zu Petzl geführt?

Petzl hat mich schon vor knapp zehn Jahren über den deutschen Athleten-Manager angesprochen und kam mit einem sehr guten Angebot für eine Langzeitpartnerschaft auf mich zu. Damals war ich allerdings noch nicht bereit meinen ersten Sponsor DMM zu ersetzen. Dennoch hat Petzl über die Jahre immer wieder Interesse bekundet. Was mich jedoch am Ende dazu bewegt hat zu Petzl zu gehen, ist, dass es ein Familienbetrieb ist und eine langjährige Kooperation mit Athleten eingeht. Es ist mehr eine Familie als ein Geschäftsverhältnis und so sollte es sein. Das macht den Sport aus.



Du bist seit bald einem Jahr bei Petzl. War es eine gute oder schlechte Entscheidung?

Die Entscheidung war sehr gut! Das Material ist super, das Team auch. Man wird als Athlet sehr eingebunden in die Entwicklung und Produktion von Material und Inhalten. Petzl ist durch und durch eine Kletterfirma, versteht also voll und ganz was es heißt Kletterer zu sein und was es dazu benötigt.

Du hast vorhin die Tatsache angesprochen, dass Petzl – trotz seiner Grösse – ein Familienbetrieb ist. Wie erlebst du die «Petzl-Familie»?

Wie der Name schon sagt, ich erlebe es als Familie. Ich hatte die Gelegenheit mit einigen Athletinnen und Athleten im Rahmen eines Events zusammen zu sein und auch Petzl-Mitarbeitende zu treffen. Theoretisch war es „Arbeit“, doch es hat sich eher wie ein Familientreffen angefühlt!

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Alexander Megos bei der Flashbegehung der 9a-Route Intermezzo XY ungelöst. (Bild Tobi Ebner)

Wofür steht Petzl für dich?

Für absolute Qualität, für ein grossartiges Team und für eine Firma, die den Sport dank viel Aufklärungsarbeit sicherer machen will.

In einem Interview 2017 hast du gesagt, du hättest keine Sponsoren, die dir vorschreiben, wievielmal du pro Woche etwas auf Instagram oder Facebook publizieren musst. Seither sind vier Jahre vergangen. Hat sich da generell was in der Zusammenarbeit mit den Sponsoren geändert?

Nein da hat sich nichts geändert. Meine Sponsoren lassen mir freie Hand bei meinem Social-Media-Auftritt und das wird auch weiter so bleiben. Ich möchte in Zukunft meine Plattformen auch vermehrt für Umweltschutz nutzen und Inhalte posten, die nichts mit dem Klettern zu tun haben.

„Ich möchte in Zukunft meine Plattformen auch vermehrt für Umweltschutz nutzen.“

Alexander Megos

Im gleichen Interview hast du gesagt, du seist Profi-Kletterer, nicht Social-Media-Mann. Heute hast du auf Instagram 357’000 Follower und publizierst im Schnitt jeden zweiten Tag einen Beitrag, schreibst regelmässig Stories. Bist du jetzt ein Social-Media-Mann?

Jeden zweiten Tag? Haha soweit bin ich noch nicht. Ich bin immer noch Profi-Kletterer. Ich habe aber festgestellt, dass ich eine sehr große Plattform zur Verfügung habe und möchte diese, wie oben erwähnt, zukünftig vermehrt dazu nutzen, meines Erachtens wichtige Themen anzusprechen. Da gehört Umweltschutz an erste Stelle, mit dazu aber auch Themen wie soziale Ungerechtigkeit oder der Schutz und Erhalt von Klettergebieten.

Alexander Megos bei der Begehung des Boulders The Story of two Worlds (8c). Bild Alise
Alexander Megos bei der Begehung des Boulders The Story of two Worlds (8c). Bild Alise

Tatsache ist, das Teilen deiner Erlebnisse und deines Alltags mit deinen Fans gehört zu deinem Leben, zu deinem Job. Du bist Profikletterer und kannst kaum noch Inkognito klettern gehen. Fluch oder Segen?

Es wird sicher schwieriger ganz incognito Klettern zu gehen, aber es ist nicht unmöglich. Und auch wenn Social Media Teil meines Jobs ist, habe ich nicht das Bedürfnis und auch nicht den Zwang, mein ganzes Leben auf Social Media to teilen. Wenn ich mal eine oder zwei Wochen nichts poste, dann tut das weder mir noch der Welt weh.

„Wenn ich mal eine oder zwei Wochen nichts poste, dann tut das weder mir noch der Welt weh.“

Alexander Megos

Du hast dich in Interviews und auf Instagram kritisch zu den Olympischen Sommerspielen geäussert. Wirst du in Paris trotzdem wieder antreten?

Da ist es ja zum Glück noch ein bissl hin bis ich mich entscheiden muss. Selbst wenn ich mitmachen wollte, müsste ich mich auch erstmal qualifizieren…

Und kurzfristig, was sind deine Pläne für 2022?

Klettern 😉

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