Ihre erste 9a – und was für eine: Mit „Dreamcatcher“ (9a/5.14d) hat sich die Italienerin einen langersehnten Traum erfüllt. Moroni gelang am 24. September als dritte Kletterin eine Begehung von Chris Sharmas ikonischer Route in Squamish, British Colombia.
Im vergangenen Jahr hat Camilla Moroni viele Felsmeter gesammelt. Im Juli 2025 gelang ihr der First Female Ascent der Mehrseillängentour „Histoire sans Fin“ (8b+) im Wallis. Wenig später nahm sie sich gemeinsam mit Pietro Vidi erfolgreich die 35 Seillängen starke „Pre-Muir Wall“ am El Capitan vor. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die 25-Jährige auch in einer schweren Sportkletterroute zuschlagen würde.
Von 8b+ zu 9a: Moroni überspringt mehrere Grade auf einmal
Die Wiederholung von „Dreamcatcher“ (9a/5.14d) ist für Moroni ein echter Meilenstein. Es ist nicht nur die erste 9a der Italienerin, sondern auch ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu ihrem bis dato schwersten Klettergrad 8b+. Für ihr jüngstes und mit Abstand härtestes Projekt benötigte Moroni etwa zehn Sessions.
Was für eine perfekte Linie, um in den 9a-Club einzusteigen.
Camilla Moroni
Von hohen Zielen und großen Träumen
Nur um den Schwierigkeitsgrad ging es Camilla Moroni bei ihren Versuchen allerdings nicht. „Ich habe schon lange von dieser Linie geträumt, aber hab es nie für realistisch gehalten“, sagt die Weltcup-Kletterin. „Ich habe nicht daran geglaubt, dass ich eine 9a klettern könnte. Das hat sich einfach so weit entfernt angefühlt.“
Den mentalen Kipppunkt brachte dann ausgerechnet eine schwere Tradroute: „Meltdown“ (E11/8c+) in Yosemite. Moroni stieg die Linie zwar nicht durch, aber merkte bei den Versuchen, dass sie mit etwas mehr Fitness bereit für eine richtig schwere Herausforderung sein könnte. Nachdem sie sich in der Weltcup-Saison primär aufs Bouldern fokussiert hatte, ging es zurück ans Ausdauer-Training – zum ersten Mal seit ihrer Olympia-Teilnahme 2024.
Ich habe mich gefragt: Habe ich mein Ziel zu hoch angesetzt?
Camilla Moroni
Trotz ihrer Trainingserfolge blieb der innere Zweifel. Bis sich Moroni an den Fels gewöhnte, dauerte es etwa eine Woche. „Am Anfang habe ich mich körperlich wirklich schlecht gefühlt, als wäre all meine harte Arbeit einfach umsonst gewesen„, erinnert sich Moroni an die ersten Tage in „Dreamcatcher“.
Der Fortschritt kam Stück für Stück. Trotzdem fiel sie vier Sessions lang immer in der finalen Boulder-Crux der Route. Den Unterschied machten am Ende die kleinsten und feinsten Beta-Anpassungen, bis beim Durchstieg alles zusammenkam. Das Gefühl ganz oben? „Pure Erleichterung, ganz anders als das Adrenalin bei Wettkämpfen“, sagt Camilla Moroni. Am 24. September wurde der Traum Wirklichkeit.

Über „Dreamcatcher“
„Dreamcatcher“ liegt im Klettergebiet Squamish-Lillooet und wurde bereits 2005 von Chris Sharma eingerichtet und erstbegangen. Die Linie wurde in den 2010er Jahren schnell zu einer der begehrtesten 9as der Welt – vor allem aufgrund ihrer spektakulären und gleichzeitig minimalistischen Optik.
Die wohl bekannteste Sportkletterroute Kanadas wurde von vielen namhaften Kletterinnen und Kletterern wiederholt, darunter Sean McColl (erste Wiederholung 2009), Alex Megos, Jimmy Webb, Paige Claassen (FFA 2021), Mejdi Schalck, Michaela Kiersch, Alessandro Larcher oder Pietro Vidi. Camilla Moroni ist die dritte Frau und erste Italienerin, die die Linie geklettert ist.
Nicht nur ihr Aussehen macht „Dreamcatcher“ so populär: Die Route führt über zehn Bohrhaken durch perfekte Leistenrisse und kombiniert das Beste aus allen Welten: eine technische Einstiegsplatte, präzise Fingerlocks und kräftige Züge an Slopern und Leisten sowie eine anspruchsvolle Campus-Crux hoch oben in der Route. Ein echtes Testpiece für Allrounder – und ein Traum für alle, die im Grad 9a klettern können (oder nur fest genug daran glauben).
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Credits Titelbild: Ben Stone Fenton

