Mit 1 Stunde und 43 Minuten legt Dani Arnold eine neue Bestzeit an der Petit Dru Nordwand hin. Damit vollendet er sein Projekt, das vor zehn Jahren mit dem Rekord am Eiger begonnen hatte: alle sechs grossen Nordwände der Alpen solo und möglichst schnell zu durchsteigen.

Anders als beispielsweise am Eiger sind Geschwindigkeitsrekorde am Petit Dru eine Seltenheit. Grund dafür sind unter anderem die kurzen Zeitfenster, in denen eine Speed Solo Besteigung überhaupt möglich ist. 1982 durchstieg Christophe Profit auf der Route Directe Américaine in 3 Stunden und 10 Minuten die Westwand des Petit Dru, es war die erste Alleinbegehung. Im März 2015 wagte sich Tom Ballard an die Allain-Leininger Route in der Nordwand und erreichte, trotz erschwerten Bedingungen durch Schnee, den Gipfel nach acht Stunden.

Am 14. August 2021 brachen Dani Arnold und Stefan Brugger nach Chamonix auf. Eigentlich wollten die beiden die Nordwand zusammen klettern, doch die guten Bedingungen in der Wand verleiteten Arnold kurzerhand zum Sologang: «Wenn eine Möglichkeit besteht, dass alles passt, dann muss ich diese Chance auch nutzen».

Drei Seilschaften überholt

Kurz vor 9 Uhr stieg er tags darauf alleine in die Wand ein. Nach genau 1 Stunde, 43 Minuten und 35 Sekunden stand er auf dem Gipfel. «Es ist in jeder grossen Nordwand eine Kunst im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Die Petit Dru ist diesbezüglich am anspruchsvollsten. Es darf weder zu warm noch zu kalt sein. Nur an sehr wenigen Tagen im Jahr sind die Verhältnisse optimal und das Risiko ohne Seil zu klettern verantwortbar», sagte er danach. Im oberen Teil der Wand überholte er drei Seilschaften.

“Es darf weder zu warm noch zu kalt sein. An nur sehr wenigen Tagen im Jahr sind die Verhältnisse optimal und das Risiko ohne Seil zu klettern verantwortbar.”

Dani Arnold

Arnold kletterte die Route zuvor nur zwei Mal in Begleitung eines Seilpartners. Dabei benötigte er jeweils über zehn Stunden. Mit der Petit Dru Nordwand vollendet er sein Projekt, alle sechs grossen Nordwände der Alpen solo und möglichst schnell zu durchsteigen.  

Dani Arnold auf dem Gipfel des Eigers nach seinem Speedrekord im Jahr 2011. (Bild: Thomas Ulrich)

Hier die Chronologie im Überblick:

  • April 2011: Heckmair-Route (1800 m), Eiger Nordwand in 2 Stunden 28 Minuten
  • April 2015: Schmid-Route (1200 m), Matterhorn Nordwand in 1 Stunde 46 Minuten
  • September 2016: Cassin-Route (800 m), Piz Badile Nordwand in 52 Minuten
  • Juli 2018: Cassin-Route (1200 m), Grand Jorasses Nordwand in 2 Stunden 4 Minuten
  • September 2019: Comici-Dimai-Route (550 m), Grosse Zinne Nordwand in 46 Minuten
  • September 2021: Allain-Leininger Route (900 m), Petit Dru Nordwand, in 1 Stunde 43 Minuten

Nach über zehn Jahren kommt Dani Arnolds Solo Speed Projekt zu einem Ende. Die sechs grossen Nordwände der Alpen hat er somit alle free solo und jeweils mit Speedrekorden durchstiegen. Wobei Ueli Steck sich den Speedrekord an der Eigernordwand 2015 mit einer Begehung in 2 Stunden und 22 Minuten zurückholte.

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Credits: Titelbild Key Visual