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Womöglich habt ihr den Namen Iva Vejmolova noch nie gehört. Gesehen habt ihr die 22-jährige Tschechin aber ziemlich sicher in einem der vielen Videos über Adam Ondra. Sie ist die bessere Hälfte des weltbesten Kletterers. Doch sie ist eben nicht nur die “Frau an der Seite von Adam”, sondern selbst eine ambitionierte und starke Kletterin, die neben dem Studium so viel Zeit wie möglich am Fels verbringt. Wir haben mit Iva über ihr Leben als Athletin und Freundin von Adam gesprochen.

Das Interview führte Jeannine Zubler

Wie es ist es für dich, die Freundin des weltbesten Kletterers zu sein?
Das erste Jahr war schwierig. Ich war so viel Aufmerksamkeit nicht gewohnt. Die Leute schauten mir beim Klettern zu und ich spürte, alle erwarten starke Leistungen am Fels von mir. Damals kletterte ich 8a+. Heute merke ich es gar nicht mehr. Vielleicht weil ich schwere Routen klettere oder weil ich mich einfach daran gewöhnt habe. Ich ärgere mich aber über Leute, die mit Adam Fotos machen wollen wenn wir in einem Restaurant beim Essen sind.

Bestimmt hat Adam auch viele Verehrerinnen?
Oh, das weiss ich gar nicht. Ich vertraue Adam, darum denke ich gar nicht darüber nach.

Kletterst du viel mit Adam? In seinem Film Silence (LACRUX berichtete) sicherst du ihn – sichert er dich?
Klar, wir klettern so oft wir können zusammen. Meistens am Wochenende und in den Ferien, da ich ja zur Uni muss.

Film mit Adam Ondra über die Begehung der ersten 9c der Welt

Was machst du neben dem Klettern?
Ich studiere an der Fakultät für Bildung. Ich bin jetzt im zweiten Jahr, in drei Jahren schliesse ich hoffentlich meinen Master ab. Danach möchte ich Deutsch und Englisch unterrichten.

Kommst du neben der Uni viel zum Klettern?
Meine Uni ist speziell, eigentlich mehr wie eine High School. Wir haben viel Präsenzzeit, Montag bis Freitag, jeden Tag etwa fünf Stunden. Zudem müssen wir viele Hausarbeiten schreiben und uns auf die Kurse vorbereiten. Wenn du nicht vorbereitet bist, schicken sie dich raus.

Das sind harte Sitten! Findest du während der Woche überhaupt Zeit zum trainieren?
Ich trainiere zweimal die Woche am Campus Board, mache Pull ups und Ausdauertraining. Zweimal die Woche gehe ich ausserdem Bouldern. Mein Training variiert aber natürlich, je nach Jahreszeit.

Da bleibt wahrscheinlich keine Zeit mehr für etwas anderes ausser Klettern und studieren?
Fast nicht, aber ich leite seit fast drei Jahren Kinder ein Kinder Training. Mit manchen trainiere ich einfach, andere brauchen einen Trainingsplan, den ich für sie zusammenstelle.

Dann schreibst du deine eigenen Trainingspläne auch selber oder hast du einen Coach?
Nein, ich habe keinen Coach. Mit 14 nahm ich zum ersten Mal an den European Cups teil und merkte, alle anderen sind mir weit überlegen. Also fing ich an, systematisch zu trainieren. Aber ich brauchte einige Jahre, bis ich wusste, was sinnvoll ist.

Mit Adam hättest du bestimmt einen guten Trainer?
Viele Leute denken, Adam wäre mein Trainier, aber das stimmt nicht! Er hat keine Zeit dafür und könnte mir auch gar nicht helfen, weil er einfach so viel besser klettert. Zudem hat er erst 2014 angefangen, spezifisch zu trainieren.

Dann kann er dich gar nicht unterstützen?
Er hilft mir bei der Routenwahl. Er weiss, welche Routen mir liegen. Das ist wirklich cool und spart mir langes Herumprobieren in mühsamen Routen.

Adam hilft Iva vor allem bei der Routenwahl. Er weiss, welche Routen ihr liegen
Adam hilft Iva vor allem bei der Routenwahl. Er weiss, welche Routen ihr liegen.

Seht ihr euch viel, wenn Adam so häufig unterwegs ist und du an der Uni studierst?
In der Wettkampfsaison ist er mehr zuhause. Wenn er an seinen Projekten am Fels arbeitet, ist er viel unterwegs und wir sehen uns nicht so oft. Aber wir haben einen guten Weg gefunden, damit umzugehen.

Du kletterst selber an der Spitze. Was sind bisher deine grössten Errungenschaften in Sachen Sportklettern?
Meine letzte Saison war sicher die Erfolgreichste. Ich kletterte meine erste 8c und gleich drei 8c Routen in drei Monaten! In Flatanger konnte ich zwei Routen mit Schwierigkeit 8c punkten, die ziemlich speziell waren und nicht wirklich meinem Kletterstil entsprechen. Auf diese Leistung bin ich besonders stolz!

Iva Vejmolova und Adam Ondra für einmal nicht am Klettern
Iva Vejmolova und Adam Ondra für einmal nicht am Klettern

Kannst du bereits vom Klettern leben?
Im Moment nicht. Ich denke aber seit der letzten Saison darüber nach, mein Niveau wird stetig besser. Finde ich Sponsoren, kann ich vielleicht irgendwann davon leben, professionell zu klettern.

Was ist so speziell an den Routen in Flatanger?
Die Routen sind in einem Cave und stark überhängend. Man muss verrückte Bewegungen wie Knieklemmer machen. Das war alles neu für mich. Ich bin Kalk gewohnt und musste mich erst an den Granit und die harten Bedingungen gewöhnen.

Iva Vejmolova in der Route Nordic Flower 8c in Flatanger Norwegen
Iva Vejmolova in der Route Nordic Flower (8c) in Flatanger, Norwegen

Du kletterst 8c Routen die dir nicht liegen – hast du je an eine 9a gedacht?
Ja. Für die 8c Routen brauchte ich nicht viele Versuche. Eine 8c+ ist dieses Jahr sicher möglich. Wenn ich mich nicht verletze und weiter trainiere, wäre auch eine 9a denkbar.

Wir werden also sicher von dir hören! Hast du eine spezielle Region oder ein Gebiet, wo du unbedingt klettern willst?
Kommende Saison werden wir oft in Arco klettern. Adam und ich haben beide Projekte da und ich trainiere für die Weltmeisterschaften, die im September in Innsbruck stattfinden werden.

Klettern ist bei den nächsten olympischen Spielen vertreten. Ist Tokio 2020 ein Thema für dich?
Nein. Olympia ist gar kein Thema für mich.

Warum nicht?
Ich bin wohl eine old-school Kletterin (lacht). Ich will einfach klettern. Diese modernen Boulder Probleme und verrückten Spielereien liegen mir nicht.

Warst du schon in der Schweiz klettern?
Wir wollten einmal eine ganze Woche in der Schweiz klettern. Leider wurde ich krank und wir mussten direkt wieder nach Hause fahren, ohne auch nur eine Route zu klettern.

Das heisst, du wirst wiederkommen?
Ich würde sehr gerne im Voralpsee Gebiet klettern!

Iva in der Route Glutaman im Gebiet Moravian Karst

Credits: Text Jeannine Zubler, Bilder Pavel Blažek

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