Jonas Schild wiederholt die 17-Meter-Risslinie Gondo Crack im Trad-Stil. Im Interview spricht der Berner Profikletterer über seine Vorliebe fürs Clean-Klettern sowie den mentalen Aspekt der Begehung und erklärt, warum der Gondo Crack wenig mit Rissklettern zu tun hat.

Der Gondo Crack (8c) ist eine wunderschöne Risslinie im Sektor Cippo bei Gondo. Eingerichtet von den beiden Italienern Allesandro Manini und Maurizio Pellizzon in den späten Neunzigern, erstmals befreit und clean geklettert im Frühling 2017 von Babsi Zangerl und Jacopo Larcher. Vor kurzem ist Jonas Schild eine Wiederholung der anspruchsvollen Linie im Trad-Stil gelungen.

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Jonas Schild platziert einen Friend im Riss von Gondo Crack (8c). Bild: Daniel Bleuer

Jonas, der Gondo Crack (8c) musste recht lange auf eine freie Begehung warten. Wie viel Zeit hast du in deine cleane Wiederholung investiert?

Ernsthaft zu projektieren begann ich Ende Februar. Ich war letzten Sommer spontan schon mal drin, schaffte damals aber keinen einzigen Zug. Ich war insgesamt sicher drei bis vier Tage in der Route, bis ich wusste, wie ich sie klettern will. Und dann nochmals vier bis fünf Tage bis zum Durchstieg.

„Als leidenschaftlicher Risskletterer stand diese Route schon lange auf meiner Wunschliste, denn sie ist eine der schwierigsten Routen dieser Art in der Schweiz.“

Jonas Schild

Was hat dich an dieser Linie fasziniert?

Als leidenschaftlicher Risskletterer stand diese Route schon lange auf meiner Wunschliste, denn sie ist eine der schwierigsten Routen dieser Art in der Schweiz. Dazu kommt, dass sich die Linie trad machen und gut mit Friends absichern lässt.

Das Lustige ist, dass Gondo Crack eigentlich nichts mit Rissklettern zu tun hat. Aber das merkt man erst, nachdem man das erste Mal drin war.

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Mit Gondo Crack gelingt Jonas Schild seine bisher schwierigste cleane Route. Bild: Daniel Bleuer

Das musst du genauer ausführen.

Man klemmt nicht einen Zug so, wie man das sonst in Rissen macht. Gondo Crack ist einfach pures Lay-Back-Klettern an Slopern, Leisten und Seitgriffen. Es hat einmal einen Schlitz, in den man reinzieht, aber selbst der ist mehr ein Seitgriff und wird nicht geklemmt.

Was mich ebenfalls gereizt hat an der Linie, war die Tatsache, dass ich bei meinen ersten Versuchen keinen Zug zusammenbekommen habe. Der Boulder im oberen Teil ist wirklich sehr spezifisch. Die acht Züge scheinen im ersten Moment gar nicht so schwer. Wenn man es dann aber effektiv probiert, merkt man: Hey da geht ja gar nichts.

„Was mich ebenfalls gereizt hat an der Linie, war die Tatsache, dass ich bei meinen ersten Versuchen keinen Zug zusammenbekommen habe.“

Jonas Schild

Hast du dich speziell vorbereitet?

Nein, eigentlich nicht. Mein Training sieht immer gleich aus: Maximalkraft und Bouldern im Winter, dann auf den Frühling hin am Fels Ausdauer aufbauen. Das war für diese Route sicher sehr gut, da sie sehr bouldrig ist und man durch das Legen der mobilen Sicherungen trotzdem Ausdauer braucht.

Wie ist die Absicherung in Gondo Crack?

Unten gibt es Stellen, an denen man nicht stürzen sollte. Die Kletterei dort ist aber relativ einfach und man hat gute Friends. Ich hatte immer ein gutes Gefühl. Die Schlüsselstelle oben habe ich etwas anders abgesichert als andere, insgesamt hat es mich solide gedünkt. Es ist aber so, dass man nur ein paar Meter über dem Boden landet, wenn man beim letzten Zug fällt.

„Es ist aber so, dass man nur ein paar Meter über dem Boden landet, wenn man beim letzten Zug fällt.“

Jonas Schild

Sprichst du da aus eigener Erfahrung?

Ja, ich bin während meiner Durchstiegsversuche sicher dreimal ganz am Schluss rausgeflogen. Der letzte Zug ist einer der schwersten der Route.

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Der letzte Zug gehört zu den schwersten der Route. Dreimal ist Jonas Schild direkt vor dem Umlenker gestürzt. Bild: Daniel Bleuer

Wie gut funktioniert bei dir die Kombination aus mentaler Kontrolle und klettern am persönlichen Limit?

Irgendwann weiss man, dass die Friends halten. Bei dieser Route ist es mir relativ gut gelungen, das Psychische auszublenden. Ich war in den Bewegungen drin und konzentrierte mich auf diese. Bis an die Stelle, an der man den letzten Friend platziert, ist die Kletterei relativ einfach.

Ich hatte das Gefühl, dass es genug einfach ist, dass ich es so kontrollieren kann, dass es save ist. Und nachher kommt der Boulder und der ist so schwer, dass man gar keine Energie hat, an etwas anderes zu denken, als den Zug hinzubekommen. Insofern war das für mich relativ entspannend. Ich hatte nie den Stress vom Stürzen.

„Bei dieser Route ist es mir relativ gut gelungen, das Psychische auszublenden.“

Jonas Schild

Macht es für dich einen Unterschied, ob du in einer Sportkletterroute oder in einer Tradroute fällst?

Wenn ich sonst ein Kletterprojekt habe, dann ärgert es mich, wenn ich falle. Beim Trad-Klettern, wo ich mir sowieso immer Gedanken zu den Placements mache, bin ich bei einem Sturz immer froh: Ich bin zwar gefallen, aber es hat alles gehalten.

Am selben Tag, an dem du Gondo Crack clean klettern konntest, gelang dir auch eine Flash-Begehung von Alcesti (8b). Wie kam es dazu?

Ich wollte schon immer mal eine 8b flashen. Ich hatte mir vorgenommen, diese Linie zu versuchen, sofern mir Gondo Crack gelingt. Es ist ja meistens so, dass man nach einem Projekt ein Hoch hat und noch mehr an sich glaubt. Beim Flash-Klettern ist das etwas vom wichtigsten. Dass dieser Plan aufgegangen ist, hat mich ähnlich gefreut wie Gondo Crack selbst.

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Credits: Titelbild Daniel Bleuer

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