Den beiden Schweizer Kletterern Jonas Schild und Yannick Glatthard gelingt die Wiederholung der Mehrseillängenroute Headless Children im Rätikon. Wir haben mit Jonas über die Rotpunktbegehung gesprochen.

Vor wenigen Tagen verkündeten Jonas und Yannick ihre Rotpunktbegehung der Route Headless Children im Rätikon. Die beiden kletterten allen Längen in einem Tag rotpunkt, nachdem sie die Route wenige Tage zuvor erstmals ausboulderten.

Viel los in Headless Children

Zusammen mit den beiden Schweizern waren am 8. August 2020 auch die beiden Belgier Nico Favresse und Sébastien Berthe in der Tour. Wie schon Jonas und Yannick kletterten auch die beiden Belgier alle Längen rotpunkt, Sébastien gar flash. So viele Rotpunktbegehungen wie an diesem Tag erlebte die Route schon lange nicht mehr.

Bei der Route Headless Children (8a+, 9SL – Topo) handelt es sich um eine 260 Meter lange Mehrseillängentour an der Schijenfluh im Rätikon. Die Route wurde von Marco Müller, Koni Mathis, Rüdisser Bruno in den Jahren 1997-1999 eingerichtet.

Traumhafter Fels in der Route Headless Children an der Schijenfluh im Rätikon.
Traumhafter Fels in der Route Headless Children an der Schijenfluh im Rätikon.

Interview mit Jonas Schild

Kannst du die Route kurz beschreiben?
Die erst Seillänge ist einfach und verläuft entlang von Grasbändern. Die zweite Länge ist eine schöne und technische 7a+. Die dritte Länge (7b+) fängt schön plattig an und wechselt dann in der Mitte zu athletischer Kletterei, wobei die Schlüsselstelle ein Zwei-Zug-Boulder zu Beginn des steilen Teils ist.

Die vierte Länge ist mit 7c bewertet und besteht aus weiten und athletischen Zügen an guten Leisten. Die darauffolgende Länge war für Yannick und mich klar die Schwierigste der Route. Nach einer super schönen Plattenpassage wird es etwas steiler bis zu einer Schlüsselstelle, bei der man von einem Seitenuntergriff an einer scharfe Leiste greifen muss. Danach mussten wir praktisch zur Hand stehen, damit wir uns in einen Topf fallen lassen konnten.

Die fünfte Seillänge mit einem technisch diffizilen Quergang.
Die fünfte Seillänge mit einem technisch diffizilen Quergang.

Bei einer Körpergrösse von rund 175 Zentimetern sollte es möglich sein tiefer stehen zu bleiben, was das Ganze etwas einfacher macht. Die 6. Länge (7c/+) ist ein wunderschöner Quergang in bestem Fels. Wobei einige unangenehme Handwechsel gemacht werden müssen.

Die siebte Länge, gemäss Topo die Schlüssellänge, beginnt mit athletischer Kletterei an guten Leisten. Danach kommt eine kurze Schlüsselstelle an unangenehmen Schultergriffen gefolgt von guten Griffen über den Überhang an die Dachkannte, wo man an guten Griffen den „berühmten“ Mantle machen muss.

Ich denke für einen Boulderer ist der Mantle ziemlich simpel, aber mit fast 300 Metern Luft unter dem Hintern wirklich einmalig.

Die 8. Länge ist mit 7a bewertet und nur 13 Meter lang. Für mich sicher die schwierigste 7a die ich jemals gemacht habe.

Beim Onsight-Versuch bin ich kurz vor dem zweiten Haken schön wieder runter zum Stand geflogen.

Sie alle kletterten Headless Children an dem Tag frei: Nico Favresse, Sébastien Berthe, Jonas Schild und Yannick Glatthard. (Bild Damien Largeron)

Es handelt sich um eine ultratechnisch und reibungsarme Platte auf rund acht Metern Höhe. Die letzte Länge ist dann typisch alpine Kletterei, wobei die Wegfindung nicht ganz einfach ist. Keile und Friends sind zwingend notwendig. Ansonsten sind mobile Sicherungen in der Tour nicht nötig.

Der Mantle in der 7. Länge macht die Route zu einem wirklichen Bijou.

Im Grossen und Ganzen ist Headless Children eine wirklich einmalige Route in sehr kompaktem Kalk. Wir haben die Schwierigkeit der Schlüssellänge (gemäss Topo) noch mit Nico und Seb besprochen und wir denken, dass 8a gut passen würde. Was die anderen darüber denken, die die Route früher kletterten, weiss ich nicht.

Habt ihr schon ein nächstes gemeinsames Projekt?
Eigentlich haben Yannick und ich diesen Sommer wieder geplant am Eiger zu klettern. Bei unserem Projekt mussten wir letztes Jahr ziemlich weit oben aufgrund des schlechten Wetters umkehren. Falls es die Bedingungen erlauben, möchten wir sicher nochmals einen Versuch starten. Aber für uns ist es ziemlich schwierig den richtigen Moment zu erwischen, da wir beide viel als Bergführer-Aspiranten unterwegs sind.

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Credits: Bildmaterial Jonas Schild und Yannick Glatthard sowie Damien Largeron

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