Kletterhallen-Unfallstatistik 2025: die häufigsten Ursachen und Verletzungen

Jedes Jahr veröffentlichen der DAV und der Kletterhallenverband KLEVER eine Auswertung von Unfalldaten aus Kletter- und Boulderhallen in Deutschland und Österreich. Wir haben die häufigsten Unfallursachen und Verletzungsbilder im Berichtsjahr 2025 zusammengefasst.

Gemeinsam mit dem Kletterhallenverband KLEVER erhebt die DAV-Sicherheitsforschung eine jährliche Statistik zu Unfällen in Kletter- und Boulderhallen. Jetzt liegen die neuen Zahlen für das Jahr 2025 vor. Von 341 gemeldeten Unfällen wurden 252 Unfälle ausgewertet*, bei denen ein Rettungsdiensteinsatz erfolgte oder mindestens eine mittelschwere Verletzung zu verzeichnen war.

*Die Auswertung erfasst lediglich Unfälle mit Rettungsdiensteinsatz oder stationärem Krankenhausaufenthalt, da in diesen Fällen eine solide Datenbasis vorzufinden ist. Da davon auszugehen ist, dass nicht alle Hallen ihre Unfälle gleichermaßen melden, muss von einer nicht erfassten Dunkelziffer ausgegangen werden.

Etwas weniger Unfälle insgesamt, Bouldern bleibt prädestinierter als Klettern

Mit 252 Unfällen wurden für das Jahr 2025 etwas weniger schwere Unfälle gemeldet als 2024 (261 Unfälle). Beim Bouldern ereigneten sich 174 Unfälle, die das Eingangskriterium der Auswertung erfüllen, beim Klettern passierten 68 Unfälle (dabei acht Unfälle an Selbstsicherungsautomaten). Unfälle in der Boulderhalle machten mit fast 70 Prozent den Löwenanteil aus – wie schon im Vorjahr (rund 75%).

Sonstige Unfälle (4%) betrafen etwa Verletzungen im Hallenumfeld, Trainingsbereich oder beim Spielen. Gemeldet wurden Kopfverletzungen von zwei Kindern im Kinderbereich und von drei Anlagennutzern beim Stolpern auf Wegen und in Umkleiden.

Unfälle 2025 nach Disziplin | Bild: DAV Sicherheitsforschung

Überwiegend mittelschwere Verletzungen, ein Unfall mit Todesfolge

Beim Großteil der Unfälle kam es zu mittelschweren Verletzungen (Knochenbrüche, Kopfverletzungen, schwere Bänderverletzungen o.Ä.), gefolgt von leichten Verletzungen (Verstauchung, Zerrung, Prellung, o.Ä.). Schwere Verletzungen (z.B. Schädel-Hirn-Trauma, offener Knochenbruch, Wirbelsäulenverletzung) machten den drittgrößten, aber weitaus kleineren Anteil aus.

Unfälle 2025 nach Verletzungsschwere | Bild: DAV Sicherheitsforschung

Der einzige tödliche Unfall im Berichtsjahr 2025 geschah beim Klettern an einem Selbstsicherungsautomaten. Die Person hatte sich nicht eingehängt und verstarb bei einem Bodensturz. Auch bei den zwei tödlichen Bodenstürzen 2024 war es zu Einbindefehlern gekommen, einer davon ebenfalls an einem Selbstsicherungsautomaten. Der DAV weist auf die besondere Wachsamkeit beim Nutzen von Autobelay-System hin:

Die Benutzung von Selbstsicherungsautomaten erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Bei allen 5 Bodenstürzen an Selbstsicherungsautomaten im Berichtszeitraum war nicht die Technik, sondern der Faktor Mensch ausschlaggebend.

DAV Sicherheitsforschung

Klettern: schwere Unfälle meist im Vorstieg und beim Ablassen

Von den 68 berücksichtigten Kletterunfällen im Jahr 2025 ereigneten sich die meisten im Vorstieg (46%) und beim Ablassen (22%). Bei mehr als der Hälfte aller dokumentierten Unfälle kam es zu einem Bodensturz (53%). Weitere Unfallausgänge waren das Abprallen an der Wand (26%) und Sportverletzungen wie Schulterluxation oder Verwicklungen im Seil (16%).

Der hohe Anteil der Bodenstürze beim Ablassen (44%) bezeichnet der DAV als „bedenklich hoch“ – vor allem, da es hierbei theoretisch kein freies Sturzpotential gebe. Von den 15 Bodenstürzen beim Ablassen ereigneten sich zwölf Fälle aufgrund von unkontrolliertem Seildurchlauf durch das Sicherungsgerät. Ein Bodensturz beim Ablassen ereignete sich in Kombination aus zu kurzem Seil und fehlendem Knoten im Seilende, ein weiterer wegen Versagen des Einbindeknotens. Ein weiterer Fall ist ungeklärt.

Auch beim Vorstieg ereigneten sich 2025 insgesamt elf Bodenstürze. Acht davon passierten beim beim Versuch, das Seil in die fünfte bis siebte Zwischensicherung einzuhängen. Die Hälfte der Bodenstürze beim Clippen gingen auf Fehler oder Ablenkung der sichernden Person zurück.

Anteile der Kletterunfälle (gesamt n=68) nach Sicherungskontext | Bild: DAV Sicherheitsforschung

Im Hinblick auf die Verletzungsbilder erweisen sich die Bodenstürze als besonders schwerwiegend: 8 von 15 Bodenstürzen resultierten in mittelschweren Verletzungen, drei in schweren Verletzungen. Bei Unfällen mit einzelnen verletzten Körperregionen waren hauptsächlich Beine (n=22) und Rumpf (n=17) betroffen; in 13 Fällen lagen multiple Verletzungen vor (beispielsweise Schäden im Bereich der Wirbelsäule und zusätzlich Extremitäten).

Insgesamt waren Verletzungen beim Klettern zwar absolut weniger häufig als beim Bouldern, gingen aber mit schweren Verletzungen einher. Von 25 schweren bis tödlichen Unfällen waren lediglich vier Fälle auf Boulderverletzungen zurückzuführen.

Schwere bis tödliche Verletzungen im Berichtsjahr 2025 nach Disziplin | Bild: DAV Sicherheitsforschung

Bouldern: Mattenstürze häufigstes Unfallszenario, andere Verletzungen bei Jung und Alt

Von den 174 berücksichtigten Boulderunfällen im Berichtsjahr 2025 machten Mattenstürze mit 155 Fällen den Hauptanteil aus (89%). Resultierende Verletzungen betrafen in fast der Hälfte der Fälle die unteren Körperextremitäten (46%). Besonders auffällig: In 17 Prozent der Unfallberichte wird explizit erwähnt, dass sich ein Matttensturz beim Versuch des Erreichens oder Halten des Top-Griffs ereignet hat – also in großer Höhe. Der DAV weist explizit darauf hin, dieser Problematik im kommerziellen Routenbau entgegenzuwirken.

Im breitensportlichen Routenbau sollte darauf geachtet werden, die Hauptschwierigkeit eines Boulders nicht in schwer kontrollierbaren Zügen in maximaler Höhe zu erzeugen, insbesondere keine dynamischen Züge zur Seite.

DAV Sicherheitsforschung

Der Hauptteil der ausgewerteten Unfälle betrifft die Altersklasse der 21- bis 40-Jährigen, die sehr wahrscheinlich den größten Anteil der Boulderhallenbesucher darstellen. Boulderverletzungen, die nicht beim Sturz auf die Matte passierten, betrafen überwiegend Luxationen der Schulter oder des Knies (6%), seltener eine Kollision mit der Wand oder einem Volumen (3%).

Während das Umknicken der unteren Extremitäten unter den Unfallmustern insgesamt dominiert, scheint dies stärker für ältere Kletterinnen und Kletterer zu gelten. Kinder und Jugendliche wiesen bei Mattenstürzen deutlich häufiger (>80%) Verletzungen der oberen Extremitäten auf, was der DAV auf einen höheren Körperschwerpunkt und andere Sturzreflexe zurückführt.

Mattenstürze nach Altersklasse und Anteil der verletzten Körperregionen | Bilder: DAV Sicherheitsforschung

DAV appelliert an kollektive Verantwortung und Sicherheitskultur

Das Fazit der DAV Sicherheitsforschung: Zu viele schwere Unfälle beim Klettern geschehen, weil der Partnercheck oder bei Selbstsicherungsautomaten der Selbstcheck nicht konsequent und gewissenhaft durchgeführt werden. Der Appell des Verbands: Mitarbeitende sollten Checks vorbildlich vorleben – und Kletternde sich vor Augen rufen, dass das Unterlassen eines Partnerchecks bei einem Unfall juristische Konsequenzen haben kann.

Zu viele schwere Unfälle beim Klettern geschehen, weil der Partnercheck oder bei Selbstsicherungsautomaten der Selbstcheck nicht konsequent und gewissenhaft durchgeführt werden.

DAV Sicherheitsforschung

Auch die Fehlbedienung von Sicherungsgeräten, z.B. Verletzung des Bremshandprinzips oder mangelnde Kontrolle des Seildurchlaufs beim Ablassen, ist laut DAV eine häufige Fehlerquelle für Bodenstürze. Der Verband verweist dabei auf Aus- und Weiterbildungsangebote und verfügbare Ressourcen und fordert eine „gelebte Sicherheitskultur inklusive Ansprechkultur bei Fehlern“ für bessere Prävention.

Da auch 2025 der Großteil der dokumentierten Unfälle Mattenstürze beim Bouldern betraf, betont der DAV verschiedene Maßnahmen zur Unfallprävention. Dies sei auf Seiten der Anlagennutzerinnen und -nutzer möglich (z.B. wenn möglich Abklettern statt Abspringen, richtiges Stürzen) wie auf betrieblicher Seite (z.B. zielgruppengerechter Routenbau, Abklettermöglichkeiten).

Mehr Ressourcen zum sicheren Klettern vom DAV:

Alle Ergebnisse zum Download

Die vollständigen Ergebnise der Unfallstatistik für Kletter- und Boulderhallen 2025 liegt digital zum Download vor.

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Credits Titelbild: Jens Klatt / DAV

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