Der Franzose Sébastien Bouin konzentriert sich momentan auf das schwierigste Kletterprojekt seiner Karriere: Er möchte die Sportkletterroute „Project DNA“ frei klettern. Wie schwer ist die Route? Ist sie kletterbar? Eine Übersicht.

Über fünfzig Routen im Schwierigkeitsgrad 9a bis 9b/+ vereint Seb Bouin auf seinem Routenkonto. Eine ansehnliche Zahl. Er gehört damit zu den stärksten Kletterern der Welt. Neben der Wiederholung bestehender Kletterrouten hat es sich der Franzose auf die Fahne geschrieben, eindrückliche und schwierige Linie einzurichten.

Seine jüngste Kreation befindet sich in der Verdonschlucht, genauer gesagt in La Ramirole. Bei der Linie handelt es sich um das von ihm genannte DNA Project. Bouin hat die Route vor zwei Jahren eingerichtet und vergangenes Jahr während rund drei Monaten projektiert, um die richtige Beta zu finden und die einzelnen Züge zu entschlüsseln.

Im neuen Jahr doppelspurig unterwegs

Der Fokus liegt für Sébastien Bouin ganz klar auf dem DNA Project. Doch parallel dazu fährt er seit dem Frühsommer regelmässig nach Céüse, um die Route Bibliographie (9c) zu projektieren. Es ist eine Art Nebenprojekt des Franzosen.

Bibliographie ist absolut nicht mein Stil, ist viel zu fingerlastig. Ich war zu Beginn ziemlich gehemmt, überhaupt in die Route einzusteigen.

Die anfängliche Zurückhaltung und Unsicherheit hat sich sehr schnell gelegt und zu seiner Überraschung waren die einzelnen Züge von Bibliographie relativ schnell entschlüsselt. Sein nächstes Ziel lautete: Einzelne Abschnitte zusammenzuhängen.

Weniger gut begann die Saison in seinem Hauptprojekt, dem DNA Project. Die Motivation war grösser denn je, doch bei den ersten Versuchen des Jahres kassierte Seb eine Ohrfeige. Er konnte die einzelnen Züge der Schlüsselstelle nicht mehr klettern. „Für mich war klar, ich muss härter trainieren, besser klettern und mich der Magie von ‚Ramirole‘ hingeben“, sagte Bouin Mitte Juli entschlossen.

Die stark überhängende Route bei La Ramirole (Bild Raphael Fourau)
Die stark überhängende Route DNA Project bei La Ramirole, Verdon (Bild Raphael Fourau)

DNA Projekt ist definitiv die schönste Route, die ich je projektierte – eine Kingline!

Seb Bouin

Ein Monat später sah es dann schon besser aus. Die einzelnen Puzzleteile fügten sich wieder zusammen und Bouin’s Motivation war zurück.

Wie schwer ist die Route DNA Project?

Als Sébastien Bouin erstmals öffentlich über sein Hauptziel der Saison sprach, kam schnell die Frage nach der Schwierigkeit auf. 9c? 9c+? Einfacher als 9c?

Die Route beginnt mit einem ersten Abschnitt im Bereich 8c+, den Seb immer noch nicht am Stück klettern kann. Der mittlere Teil der Route besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Boulderproblemen (Fb 8a+ und 8a+/b). Als Krönung wartet das DNA Project im letzten Teil noch einmal mit einem 8c+ Sportkletterpassage, die sich über fünf Bolts erstreckt. Wie schwer die komplette Route ist, kann nicht abschliessend bestimmt werden, solange die Route nicht frei geklettert ist – so viel ist schon mal klar.

Die Schlüsselstelle der Route ist genial. Jeder Abschnitt ist unglaublich kräftig und ästhetisch.

Ganz offiziell heisst es seitens Bouin’s, dass die Route im Bereich 9c liegt. Und wenn man bedenkt, dass er Bibliographie (9c) und das DNA Project parallel projektiert und sagt, er hätte nie eine schwierigere Route als das DNA Project versucht, so wird die Sache schon etwas konkreter. Doch lassen wir es für den Moment bei der Spekulation und geniessen die Flugstunden Bouin’s in seinem „Nebenprojekt“ Bibliographie (9c).

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Credits: Titelbild Seb Bouin

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