Das Trio Silvan Schüpbach, Matteo Della Bordella und Symon Welfringer ist aus dem hohen Norden zurück. Ihnen gelang die zweite Begehung des Siren-Towers auf der neuen Linie Forum (840m, 7c). Zuvor waren sie 170 Kilometer zum Granitmassiv Mythics Cirque gepaddelt – wo sie unerwartet auf alte Bekannte stiessen.

By fair means – das ist die Marke von Silvan Schüpbach, der diesen Sommer zum wiederholten Mal per Kajak die entlegenen Fjorde Grönlands aufsuchte. Zusammen mit dem Italiener Matteo Della Bordella hatte er 2014 schon die Linie The Great Shark Hunt (900m, 7b+) in Grönland eröffnet – “im bestmöglichen Stil: by fair means, clean und komplett frei”, wie Silvan schreibt. Neu dabei war dieses Jahr der Franzose Symon Welfringer.

Die Schlüsselstelle stellt ein 7c-Riss dar.
Die Schlüsselstelle stellt ein 7c-Riss dar.

Nach einigen Covid-bedingten Startschwierigkeiten konnte das Trio nach Tassilaq in Ostgrönland übersetzen, wo der “fair-means”-Teil begann: 170 Kilometer paddelten sie zum Kangertittivatsiaq-Fjord an den Fuss der Granit-Riesen im Mythics Cirque. Ziel war der noch unbestiegene Siren-Tower.

“Das Eröffnen harter Seillängen mit manchmal sehr zweifelhafter Absicherung mitten im Arktischen Ozean werde ich so schnell nicht vergessen.“

Symon Welfringer

Die Belgier hatten schon angelegt

Doch zu ihrer Überraschung fanden Schüpbach und Co. alte Bekannte vor: die Belgier Nico Favresse, Sean Villanueva und Jean-Louis Wertz weilten mit dem Schweden Aleksej Jaruta bereits am Fusse der jungfräulichen Wand. Anfangs Juli waren sie von Frankreich mit dem Segelboot gestartet und hatten somit den Mythics Cirque ebenfalls by fair means erreicht.

Zwar hatten beide Teams die Erstbesteigung des Siren-Towers im Sinn, doch von Rivalität kann keine Rede sein. “Sie zu treffen war grossartig”, so Della Bordella. An einem abgelegenen Ort Kletterer mit demselben Spirit zu treffen, sei ein schönes Geschenk gewesen. Das belgisch-schwedische Team folgte einer anderen Linie durch die Wand und stand wenige Tage vor den Paddlern auf dem Gipfel.

Della Bordella charakterisiert die eigene Erstbegehung als “psychologisch anspruchsvoll aufgrund nicht einfacher Placements, mit einigen schönen vertikalen und überhängenden Seillängen.” Die Schlüsselstelle stellt ein 7c-Riss dar.

Ungeplantes Gipfeltreffen der Trad-Spezialisten im Mythics Cirque.
Ungeplantes Gipfeltreffen der Trad-Spezialisten im Mythics Cirque.

Drei Tage nach dem belgisch-schwedischen Team erreichten sie den Gipfel und sicherten sich somit die zweite Begehung des Siren-Towers über die Route, die sie Forum tauften (840m, 7c). Der Name bezieht sich auf die Diskussionen, welche die drei jeweils führten, was Strategie und Routenwahl anbelangte. Fünf Tage weilten sie in der Wand und brachten 21 Seillängen hinter sich. Den sechsten Tag widmeten sie der Wiederholung, beziehungsweise der Befreiung, jener Seillängen, die sie zuvor nur im Aid-Stil geschafft hatten.

Die gesamte Route wurde im Trad-Stil begangen, nur zwei Bohrhaken wurden in der Wand belassen. „Das Eröffnen harter Seillängen mit manchmal sehr zweifelhaftem Sicherungen mitten im Arktischen Ozean werde ich so schnell nicht vergessen”, schreibt Symon Welfringer. Nach der Erstbegehung erkundete das Trio noch eine weitere Wand, die sie Paddelwand tauften. Danach zogen sie so ab, wie sie gekommen waren: paddelnd. Insgesamt legten sie 350 Kilometer mit dem Kajak zurück.

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