Dem Berner Profialpinisten Nicolas Hojac gelang kurz vor dem Schweizer Lockdown die Rotpunktbegehung der 8c-Route Mission Miranda im Klettergebiet Lehn bei Interlaken.

Kurz bevor die Massnahmen des Bundesrates in Bezug auf die Corona-Pandemie verschärft wurden, holte sich Nicolas Hojac eine Rotpunktbegehung von Mission Miranda (8c). Wir haben mit Nicolas über die Begehung und die Auswirkung der Corona-Krise auf seine Kletterpläne gesprochen.

Ein Interview mit Profialpinist Nicolas Hojac

Wie viele Sessions/Versuche hast du in die Begehung investiert?

Ich habe die Anzahl der Versuche und Sessions nicht gezählt. Ich mache das eigentlich nie, ausser ich klettere eine Route wirklich schnell, dann kann ich mich noch daran erinnern. Ich habe die Route letzten Herbst zum ersten Mal ins Visier genommen, aber konnte sie nicht klettern, da ich mich gerade auf eine Expedition nach Patagonien vorbereitete und das Sportklettern dadurch eher zweitrangig war. Routen in diesem Schwierigkeitsgrad kann ich ohne gezieltes Training nicht klettern.

Für die Begehung einer Route in diesem Schwierigkeitsgrad braucht es schon einen minimalen Mehraufwand.

Nicolas Hojac

Du hast die Route nach einer relativ kurzen Trainingsphase gepunktet. Hast du spezifisch für diese Route trainiert?

Ich habe nicht spezifisch für diese Route trainiert. Ich wollte in möglichst kurzer Zeit eine möglichst gute Form aufbauen und dann schauen was geht. Eigentlich liebäugelte ich mit der Hybris (8c+), merkte dann schnell, dass ich zusätzlich noch mehr investieren müsste, um diese Route klettern zu können.

Da ich im Herbst bereits knapp an Mission Miranda gescheitert bin, wusste ich, dass dort meine Chancen nicht schlecht stehen. So fokussierte ich mich erneut auf diese, da ich wusste, dass ich meinen Trainingsplan bald wieder umstellen werde und dann wieder lange Laufeinheiten anstehen, was ziemlich kontraproduktiv ist zum Klettern schwerer Routen ist.

Mir blieben nur noch das Ausdauertraining auf dem Fahrrad oder zu Fuss sowie das Griffbrett zu Hause. 

Nicolas Hojac

Die Coronakrise hat uns alle fest im Griff. Wie haben sich deine Kletterpläne im laufenden Jahr aufgrund der Situation verändert?

Die Pandemie hat einiges durcheinander gebracht. Durch die Einschränkungen ging ich nicht mehr Bergsteigen, nicht mehr Gleitschirmfliegen und kletterspezifische Trainings in Kletterhallen konnte ich auch nicht mehr machen. So blieben mir fast nur noch das Ausdauertraining auf dem Fahrrad oder zu Fuss sowie das Griffbrett zu Hause. 

Was steht 2020 noch an?

Im Frühling hätte ich noch gerne das eine oder andere Projekt hier in den Alpen umgesetzt, was aufgrund des Lockdowns und der geforderten Solidarität nicht möglich war. Für den Sommer ist eine Expedition gemeinsam mit Thomas Huber, Stephan Siegrist und Yannick Boissenot nach Peru geplant. Ich denke jedoch, dass wir diese nicht durchführen können. Mit dem definitiven Entscheid warten wir noch bis Ende Juni. Doch die Chancen stehen leider nicht wirklich gut.

Da man in der momentanen Situation nur schlecht planen kann, bleibt mir nur das Training, um bereit zu sein, wenn es dann wirklich wieder los geht. Es ist nicht immer einfach die Disziplin zu halten, ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben. Ich hoffe, dass ich wenigsten hier in den Alpen die eine oder andere Idee umsetzten kann. Mal schauen was die Zukunft bringt.

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Credits: Bildmaterial Nicole Schafer

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