Rätikon: Nemuel Fuerle punktet Mehrseillängen »Unendliche Geschichte« (8b) & »Headless Children« (8a)

Dem Vorarlberger Kletterer Nemuel Feurle gelingt der Durchstieg zweier anspruchsvollen Mehrseillängenrouten im Rätikon – innerhalb von nur drei Wochen. Beide Linien zählen zu den bekanntesten schweren Mehrseillängen der Region.

Fuerle kletterte »Unendlichen Geschichte« (8b, 400 m) am 15. und 16. Juni sowie »Headless Children« (8b/8a, 260 m) am 3. Juli. Im Schweizer Rätikon gelten diese beiden Routen als absolute Klassiker. »Beide Linien unterscheiden sich deutlich in ihrem Charakter als auch bei den klettertechnischen Anforderungen«, so Nemuel Fuerle.

»Unendliche Geschichte«: Durchstieg zügiger als geplant

Die Rotpunktbegehung von »Unendliche Geschichte« gelang dem Vorarlberger innerhalb von zwei Tagen – inklusive Übernachtung im Portaledge. Ursprünglich wollte Fuerle die elf Seillängen starke Route zunächst ausbouldern und den Durchstieg erste einige Tage später versuchen.

Am ersten Tag kletterte er jedoch bereits die beiden schwersten Abschnitte, bewertet jeweils mit dem Grad 8b. »Der Plan wurde daraufhin spontan angepasst«, sagt Fuerle. Die Route, erstbegangen 1990 von Beat Kammerlander, überzeugte Fuerle vor allem durch ihre abwechslungsreiche Kletterei und die »eindrucksvolle Atmosphäre« bei der Übernachtung in der Wand. Begleitet wurde an beiden Tagen von Lea Fortin.

Nemuel Fuerle klettert »Unendliche Geschichte« in zwei Tagen | Bilder: Nemuel Fuerle

Fuerle klettert berüchtigte »Sauplatte« onsight

Keine drei Wochen später folgte auch der freie Durchstieg von »Headless Children« mit Unterstützung von Lukas Bertoli. Die rund 260 Meter lange Route an der Schijenfluh zählt mit einer 8b-Schlüsselseillänge und mehreren anspruchsvollen 7c-Seillängen zu den schwierigen Klassikern im Rätikon.

Die Linienführung der neun Seillängen langen Route beschreibt Nemuel Fuerle als »außergewöhnlich«: »Headless Children« führt durch die steile Westwand des 2.626 Meter hohen Berges. Die unteren Abschnitte bieten abwechslungsreiche Ausdauer-, Boulder- und technische Kletterei – der Höhepunkt sei aber der spektakuläre Mantel über eine Dachkante rund 200 Meter über dem Wandfuß, so Fuerle.

Für Fuerle selbst sorgten insbesondere die beiden abschließenden Seillängen für zusätzliche Spannung. Dabei gelang ihm ein überraschender Onsight der »Sauplatte« im vorletzten Abschnitt der Route. Auf den letzten Metern zum Umlenker musste Fuerle bei der Absicherung improvisieren – statt Friends nutzte er Knotenschlingen als provisorische Klemmkeile, um die Passagen sicher zu klettern.

Nemuel Fuerle in »Headless Children« | Bilder: Nemuel Fuerle

Nemuel Fuerle erweitert Rätikon-Tickliste

Mit seinen freien Begehungen von »Unendlichen Geschichte« (8b) und »Headless Children« (8a) ergänzt Fuerle seine Sammlung schwerer Mehrseillängenrouten um zwei Klassiker des Rätikons – laut dem Vorarlberger »eines der renommiertesten Gebiete für anspruchsvolles Mehrseillängenklettern im Alpenraum«. Vergangenes Jahr punktete der Bigwall-Spezialist dort bereits die Linie »Silbergeier« (8b+, 160m, 6SL), die zur Alpentrilogie zählt. Auch sie wurde in den 1990er Jahren von Beat Kammerlander erstbegangen.

Für Nemuel Fuerle ist das Kapitel Rätikon damit aber noch nicht zu Ende. Das nächste Ziel steht bereits fest: ein Erstbegehungsprojekt an den Kirchlspitzen (2.551 m) südlich des Verajochs.

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Credits Titelbild: Nemuel Fuerle

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