Am 7. und 8. August 2020 gelang Silvan Schüpbach und Janluca Kostner die dritte Wiederholung der Colonne d’Ercole (1200m, max IX, obl. VIII+) an der Civetta Punta Tissi in den Dolomiten.

Die Route hat keinen einzigen Bohrhaken, die Erstbegehung erfolgte Ground-up mit Keilen, Friends und Schlaghaken. Dementsprechend braucht es für eine Wiederholung starke Nerven, viel Erfahrung und Ausdauer.

Auch wenn die reinen Schwierigkeiten aus heutiger Sicht nicht übermässig erscheinen, so handelt es sich doch um eine bedeutende Leistung, eine derartige Linie ohne Bohrhaken zu eröffnen.

Ich persönlich finde, dass diese Route auf der Wunschliste der ambitionierten Alpinkletterern stehen sollte

Silvan Schüpbach

Nach den Erstbegehern holten sich zwei junge Südtiroler die erste Wiederholung. Letztes Jahr konnte Symon Welfringer die erste Onsightbegehung und zweite Wiederholung verbuchen.

Kletterroute Colonne d'Ercole in den Dolomiten.

Ein persönlicher Bericht von Silvan Schüpbach

Wir stiegen am frühen Morgen des 7. August 2020 ein. Die ersten Seillängen sind relativ leicht zu klettern, was jedoch das Hochziehen der Haulbags um einiges strenger gestaltet. Wir sind dankbar für die folgenden, steileren Seillängen.

Janluca steigt die schweren Seillängen (12 – 15) vor. Leider übersieht er den entscheidenden Griff in der ersten 7b+ Länge und verpasst so die Onsightbegehung. Ich profitiere von seinen Chalkspuren und kann im Nachstieg flash klettern.

Es dämmert schon, als wir das Biwakband bei Seillänge 16 erreichen. Dieses Biwak ist alles andere als komfortabel. Wir seilen 30 Meter ab und finden ein kleines aber flaches Band auf welchem wir halb übereinanderliegend die Nacht verbringen.

Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich genug erholt sein werde, um diese Route zu Ende zu klettern.

Silvan Schüpbach

Am nächsten Tag übernehme ich mehrheitlich den Vorstieg. Die Routenfindung ist nicht einfach und die Müdigkeit drückt auf die Stimmung. Am letzten steilen Pfeileraufschwung kommt die Sonne und plötzlich bin ich wieder voll motiviert. Die letzten Seillängen bieten spektakuläre Kletterei und wir geniessen es in vollen Zügen. Mit den letzten Sonnenstrahlen stehen wir glücklich am Ausstieg. Was für eine Reise! Stunden später feiern wir die gelungene Kletterei zurück im Tal. Vielen Dank den Erstbegehern für diese gewaltige Linie.


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