Die Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins führt für das Jahr 2021 einen erfreulichen Trend fort: Die Un- und Notfälle unter den DAV-Mitgliedern sind im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel gesunken und haben damit erneut einen Tiefststand erreicht. Zu den häufigsten Unfallursachen zählten Stürze beim Wandern.

Erneut gibt es bei den Unfallzahlen der DAV-Mitglieder 2021 relativ zu den Mitgliederzahlen einen Tiefstand: Mit insgesamt 669 sinkt die Zahl der Un- und Notfälle im Vergleich zum Vorjahr mit 935 erheblich – genauer gesagt verringert sich die Quote um 26 Prozent und damit um ein Viertel.

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Die Unfallzahlen im langjährigen Vergleich. Grafik: DAV

Die wichtigsten Aussagen kompakt

  • Der langfristige Trend zu geringeren Unfallquoten bei DAV-Mitgliedern setzt sich fort.
  • Die Zahl der Unfälle und Notfälle sank um ein Viertel im Vergleich zu 2020 – und erreicht damit erneut einen Tiefststand.
  • 32 Tote in 2021: Damit liegen die Zahlen in etwa auf dem Stand vom Vorjahr, mit dem niedrigsten Niveau, das jemals ermittelt wurde.
  • Die Unfallquoten bei Bergwandern, Alpinklettern, Sportklettern, Skitourengehen und Mountainbiken bleiben 2021 etwa auf Vorjahresniveau. Lediglich beim Klettersteiggehen sind etwas weniger Unfälle als im Vorjahr zu verzeichnen.
  • Mit 310 Unfällen kommen nach wie vor die meisten Schadensmeldungen vom Wandern. 
  • Stürze ohne Fremdeinflüsse sind die häufigste Unfallursache beim Wandern.
  • Im Winter 20/21 sind die Unfallzahlen stark eingebrochen. Dies kann man auf die geschlossenen Skigebiete während der Pandemie zurückführen
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Eine Folge der Corona-bedingten Skigebiets-Schliessungen: Die Unfallzahlen sind im Winter 2020/21 stark eingebrochen. Bild Go Montgenevre

Unfallgeschehen 2021 im Überblick

Die Anzahl der tödlich verunglückten Mitglieder bleibt etwa auf dem Stand des letzten Jahres, mit dem niedrigsten Niveau, das jemals ermittelt wurde: 32 Personen kamen im Berichtszeitraum beim Bergsport ums Leben – damit etwa vier mehr als 2020, aber noch immer weit unter dem Mittelwert der letzten 20 Jahre mit 42 Toten. 

«Obwohl immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind und die absoluten Unfallzahlen langfristig zunehmen, nimmt die Anzahl der Toten nicht zu.»

Julia Janotte, DAV Sicherheitsforschung

Damit setzt sich der langanhaltende Trend einer sinkenden Unfallwahrscheinlichkeit für DAV-Mitglieder fort, auch wenn die absolute Zahl der Verunfallten spätestens seit 1970 stetig ansteigt: Während zu Beginn der siebziger Jahre noch weniger als 250 Personen betroffen waren, sind in den letzten zehn Jahren jährlich weit über 1000 Meldungen eingegangen. In derselben Zeit stieg allerdings auch die Mitgliederzahl des DAV von 240.000 auf aktuell über 1,4 Millionen an.

Die Quote der Unfälle bezogen auf den Mitgliederstand zeigt damit eine deutlich abnehmende Tendenz auf und erreicht 2021 einen absoluten Tiefstwert von 0,048 Prozent. Ein Grund für das Rekordtief ist der starke Einbruch der Unfallzahlen im Winter 20/21.

Insgesamt wurden nur 38 Notfälle vom Pisten-Skifahren und Freeriden gemeldet, was auf den langen Lockdown, in dem die Skigebiete geschlossen waren, zurückzuführen ist. Auch beim Skitourengehen gab es einen Rückgang der Un- und Notfälle, vermutlich auf Grund von eingeschränkten Reisemöglichkeiten in Nachbarländer.

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38 Notfälle beim Pisten-Skifahren und Freeriden verzeichnet die DAV-Statistik 2021. Bild: Sophie The Laya Yogis

Stürze beim Wandern bergen die grösste Gefahr

Wie in den Vorjahren zeigt sich auch in diesem Bergsportjahr, dass beim Wandern die meisten Unfälle passieren: Von insgesamt 669 gemeldeten Un- und Notfällen mit 32 Toten ereigneten sich hier 310 Vorfälle, 17 davon endeten tödlich. Damit handelt es sich bei knapp jeder zweiten Meldung um einen Wanderunfall.

In fast allen anderen alpinen Kernsportarten wie dem Klettern, Bergsteigen und Mountainbiken bleiben die Zahlen zum Vorjahr etwa auf dem gleichen Niveau.

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Fast die Hälfte der gemeldeten Unfälle ereignen sich beim Wandern. Bild: Thanti Riess

Das Unfallgeschehen im nationalen und internationalen Vergleich

Die DAV-Bergunfallstatistik bildet nicht das gesamte Unfallgeschehen in den Bergen ab, da sie ausschliesslich DAV-Mitglieder erfasst. Im internationalen Vergleich geben andere Institutionen (zum Beispiel SAC Bergnotfallstatistik, Statistik der Alpinpolizei Österreich, Einsatzzahlen der Bergwacht Bayern) in den letzten zwei Jahren Steigerungen bei Bergunfällen in den alpinen Kerndisziplinen an, während die Unfallmeldungen der DAV-Mitglieder zurückgingen.

Ausblick: Klimawandel verändert den Bergsport zunehmend

Ein vorangegangener schneearmer Winter, ein warmes Frühjahr sowie ein sehr heisser Sommer mit langanhaltenden, niederschlagsarmen Schönwetterperioden sorgten im Jahr 2022 für besondere Verhältnisse, vor allem im Hochgebirge. 

Vorfälle wie der Gletscherabbruch an der Marmolata (3343m) in den italienischen Dolomiten sind unvorhersehbar, könnten sich durch die Folgen des Klimawandels in Zukunft aber weiter häufen, denn Wärme destabilisiert das Gebirge.

Felssturz im Mont Blanc Massiv

Welche Auswirkung kann das auf die Bergsport-Community haben? «Bergsteiger müssen sich auf kürzere Zeitfenster, besonders für klassische Hochtouren, einstellen. Manche Touren werden teilweise schwieriger oder gar nicht mehr begehbar sein, das gilt es im Rahmen einer gründlichen Tourenplanung zu berücksichtigen», erklärt Lorenz Berker von der DAV-Sicherheitsforschung. 

Gerade im hochalpinen Gelände muss zunehmend mit folgenden Gefahren gerechnet werden: 

  • Erhöhte Stein- und Eisschlaggefahr
  • Spaltensturzgefahr durch Aufweichen des Schnees und Kollabieren ganzer Schneebrücken
  • Mitreißgefahr vor allem auf (aperen) steilen Gletscherabschnitten und allgemein in Flanken
  • Nassschneerutsche, erhöhte Anstrengung durch tiefes Einsinken
  • Vermeintlich einfache Touren können zum Teil deutlich schwieriger sein als in Vorjahren oder in älteren Tourenbeschreibungen.

Hintergrundinfos zur DAV-Bergunfallstatistik

Der Deutsche Alpenverein veröffentlicht seit 1952 eine Bergunfallstatistik. Alle zwei Jahre erscheint ein umfangreicher Bericht über zwei Saisons – so auch in diesem Jahr. Der aktuelle Berichtszeitraum reicht vom 1. November 2019 bis zum 31. Oktober 2021 und umfasst je die komplette Winter- und Sommersaison in den Bergen.

Datengrundlage sind ausschliesslich Meldungen zu Unfällen von DAV-Mitgliedern weltweit. Daraus ergibt sich die besondere Bedeutung der DAV-Unfallstatistik: Aufgrund der über Jahrzehnte kontinuierlich erfassten Unfallzahlen können aussagekräftige Rückschlüsse auf das Unfallgeschehen – und das Unfallrisiko – in den Bergen im Allgemeinen gezogen werden.

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Credits: Titelbild DAV/Silvan Metz, Text DAV

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