Im Oktober 2018 verkündete der schwedische Kletterer Said Belhaj die Rotpunktbegehung der historisch bedeutsamen 9a, Action Directe, im Frankenjura. Der Deutsche Hannes Huch zweifelt die Begehung von Action Directe und weiterer Routen an.

In einem kürzlich veröffentlichten Blogartikel bezichtigt Hannes Huch den schwedischen Kletterer Said Belhaj, sich mit Begehungen zu rühmen, die ihm nie gelangen. LACRUX hat mit Said Kontakt aufgenommen, bisher jedoch keine Antwort erhalten. Hannes Huch schreibt in seinem Artikel, er zweifle aus folgenden Gründen an der Richtigkeit der Begehung:

  1. Hannes begleitete Said bei zweien Versuchen, um einen Film über die Route und Said zu drehen. Bei diesen Versuchen sei Said meilenweit davon entfernt gewesen, nur schon von Bolt zu Bolt zu klettern.
  2. Der Sicherungspartner, mit dem Said meist in der Route Action Directe war, sagt zudem gegenüber Hannes, Said habe den berühmten Sprung der Route im Herbst 2018 nie geschafft.
  3. Auch während einer Foto-Session mit Ray Demski gelang Said offenbar der Sprung nie.
  4. Erst nach zehn Tagen der versuchten Kontaktaufnahme antwortete Said auf die Frage von Hannes Huch, wer ihn denn bei der erfolgreichen Begehung gesichert habe. Said antwortete, er kenne die Person nicht persönlich, sondern von instagram. Das Profil scheine aber verschwunden zu sein, weshalb er die Person nicht mehr auffinden könne.
Said Belhaj im berühmten Sprung der Route Action Directe im Frankenjura. (Bild Hannes Huch)

Wie Hannes gegenüber LACRUX schreibt, würden auch weitere Begehungen von Said angezweifelt. Zweifel an seinen Begehungen hätten auch Personen aus dem engsten Freundeskreis von Said. Als Aussenstehende ist es schwierig, das Thema einzuordnen und wir glauben an den Grundsatz “in dubio pro reo”. Wer Informationen rund um den Vorfall hat, kann diese gerne an unsere Redaktion schicken.

Für den Film wurde ein Treffen zwischen der Kletterlegende Jerry Moffatt und Said Belhaj organisiert. (Bild Hannes Huch)

Über Said Belhaj

Said Belhaj ist ein schwedischer Profikletterer und wird von Petzl, La Sportiva, Patagonia, Friction Labs und zahlreichen weiteren Firmen gesponsert. In Kontakt mit dem Klettern kam Said bereits in seiner Kindheit und nahm zehn Jahre lang als Mitglied der schwedischen Nationalmannschaft an internationalen Wettkämpfen teil. Said Belhaj widmet sich verschiedensten Kletterdisziplinen, darunter Bouldern, Sportklettern und Bigwall-Klettern. Zu seinen jüngsten Begehungen zählen die Sportkletterroute Papichulo (9a+) in Oliana, die Trad-Route Cobra Crack (5.14) in Squamish und Trip Tik Tonik in Gorges du Loup.

Der Blogartikel mit den Vorwürfen

Im folgenden Blogartikel führt Hannes Huch im Detail aus, warum er nicht an die Begehung der Route Action Directe durch Said Belhaj glaubt.

4 Replies to “Wird der Lüge bezichtigt: Hat Said Belhaj Action Directe nicht gepunktet?

  1. finde es irgendwie unprofessionell darüber jetzt schon zu berichten (selbst mit Fragezeichen), bevor mehr Licht auf die Sache geworfen wurde. Sollten die Vorwürfe nicht stimmen, bleibt das trotzdem an ihm hängen….

    1. Jetzt “schon”?

      Wenn ich Hannes Huch richtig verstanden habe liegt das über ein Jahr zurück, es gab mehrere Versuche, Belege oder Bestätigungen für den “send” zu bekommen.

      Da man niemals beweisen kann, dass jemand etwas nicht gemacht hat (außer man hat ein Bewegungsprofil vielleicht), wird bei Veröffentlichung immer ein Fragezeichen dran müssen.

  2. Wenn man selbst klettert, kennt man das Gefühl wenn man eine Route projektiert. Man denkt 24/7 daran, an die Züge – die Griffe – die Rests – die Bolts. An dem Tag an dem die Route dann begeht, hätte man am Liebsten alle Menschen dabei die dich pushen und sich mit dir freuen. Wenn es dann noch einen Hannes Huch gibt der das ganze filmen möchte – unglaublich geil!

    Wenn das Projekt dann, wie in diesem Fall, Action Directe heißt, finde ich es schon seeeeeeehr dubios den finalen Durchstieg in einer Nacht und Nebel Aktion mit einem unbekannten Belayer den man auf Instagram kennen gelernt hat zu meistern. Hannes Huch, der nur 30 min Anfahrt hätte nicht bescheid zu geben – und auf geiles Videomaterial zu verzichten.
    Wenn es tatsächlich so gewesen wäre, und “ein paar Tschechen” hätten mich dabei gefilmt, würde ich SOFORT darum bitten mir das Video zu senden.

    Das sind so viele Unstimmigkeiten die einfach darauf hindeuten das diese Begehung niemals stattgefunden hat. Schade für den Klettersport.

  3. “Wie Hannes in seinem Artikel und gegenüber LACRUX schreibt, würden auch weitere Begehungen von Said angezweifelt. ”

    Habe ich das in dem Artikel überlesen. Immerhin sind das schwere Vorwürfe?!

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