Testbericht: EDELRID OHMEGA – Echter Mehrwert in Sachen Sicherheit und Komfort

Ein Erfahrungsbericht von Sarah Ritscher und Severin Parger

Wir hatten die Gelegenheit, den neuen Bremsassistenten EDELRID OHMEGA über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten intensiv zu testen, sowohl in der Kletterhalle als auch am Fels. Zwischen uns besteht ein Gewichtsunterschied von rund 25 Kilogramm. Das wird vor allem beim Sichern und besonders beim Ablassen des schwereren Partners schnell zur Herausforderung. Gerade für Kletteranfänger:innen wie Sarah, die sich mit der Seilhandhabung noch nicht völlig sicher fühlen, ist das oft mit einem mulmigen Gefühl verbunden. Genau hier setzt das OHMEGA an – und hat für uns vieles zum Positiven verändert. 

Aber auch für Fortgeschrittene und Profis ist das OHMEGA ein idealer Begleiter, weil das Gerät mit drei individuell einstellbaren Bremsstufen optimal auf unterschiedliche Seilschaften reagiert – auch wenn kein Gewichtsunterschied vorhanden ist. Die integrierte Rolle sorgt für minimale Seilreibung, was das Handling besonders in langen, schweren Routen deutlich verbessert, und die präzise Bremswirkung steigert spürbar die Sicherheit beim Ablassen und bei Stürzen.

Severin klettert mit dem OHMEGA in der ersten Exe
Severin klettert mit dem OHMEGA in der ersten Sicherung.

Anwendung & Bremswirkung im Praxistest 

Das Gerät ist unter anderem dafür konzipiert, verschiedene Gewichtsunterschiede zwischen Kletterpartner: innen auszugleichen. Über drei individuell einstellbare Bremsstufen, die sich mithilfe einer integrierten HMPE-Schlinge unkompliziert justieren lassen, kann der Kompensationswert je nach Situation angepasst werden (mind. 10 kg, 20 kg oder 30 kg). Die kletternde Person wird so um den eingestellten Wert leichter. Für uns bedeutete das konkret: Kein krampfhaftes Gegenhalten mehr, kein in die Wand prallen, keine Angst mehr, den Partner zu schnell abzulassen – sondern eine ruhige, kontrollierte Sicherung. Besonders beim Ablassen war der Unterschied sofort spürbar: Die Bremswirkung setzt zuverlässig ein, ohne dass man ständig manuell korrigieren muss  

Das Seil wird in das Gerät eingelegt, ehe es in die Wand gehängt wird
Das Seil wird in das Gerät eingelegt, ehe es in die Wand gehängt wird

Bedienung & technische Details 

Ein weiterer riesiger Pluspunkt ist das benutzerfreundliche User Manual. Die Anleitung ist übersichtlich, gut strukturiert und praxisnah erklärt. Schon beim ersten Durchlesen war für uns klar, wie das OHMEGA funktioniert, wie die Einstellungen vorgenommen werden und worauf wir achten müssen. Es gab keine Unsicherheiten – wir konnten direkt mit dem Gerät loslegen.

Technisch überzeugt das OHMEGA auch durch seine integrierte Umlenkrolle, die die Reibung in der ersten Zwischensicherung deutlich reduziert. Das erleichtert das Klippen – gerade bei längeren Touren – und sorgt für ein angenehmeres Klettererlebnis. Weniger Seilzug, weniger Kraftaufwand und dadurch mehr Konzentration auf die eigentliche Route als Kletterer und auf das Sichern als Person am Boden. Der federgelagerte Klemmhebel verhindert Fehlaktivierungen bei schnellem Clippen.
Ein weiterer Vorteil des OHMEGA: Dank der kurzen Schlinge ist der Weg, den das Gerät zum Aktivieren zurücklegen muss, minimal. Das unterstützt die sichernde Person dabei, den richtige Timing für dynamisches und weiches Sichern zu finden. Beim Sturz aktiviert sich die Bremsmechanik automatisch, abhängig von der gewählten Bremsstufe. So wird die Fallenergie frühzeitig reduziert, noch bevor der Sichernde stark eingreifen muss. Die Sturzhöhe wird so also deutlich verkürzt, was die Gefahr eines Bodensturzes vor allem in den ersten Metern stark reduziert.

Mit einem Gewicht von nur ca 190 Gramm ist das OHMEGA sehr leicht und lässt sich unauffällig am Gurt oder im Rucksack transportieren. Es ist kaum größer als eine normale Expressschlinge – aber der Unterschied im Handling ist enorm. 

Leichtgewicht: Das OHMEGA bringt 187 Gramm auf die Waage

Natürlich gibt es auch hier Einschränkungen: In stark überhängenden Routen oder bei schräger Seilführung kann es vorkommen, dass das Gerät blockiert oder das Seil sich nur schwer ausgeben lässt. In solchen Fällen braucht man etwas Geduld und Feingefühl oder gegebenenfalls auch eine geringere Kompensationsstufe am OHMEGA.
Dennoch: Im Vergleich zu den anderen Mitgliedern der OHM Familie, ist das Handling deutlich verbessert und wirkt insgesamt durchdachter und intuitiver. In der Halle ist zu beachten, dass ein kleiner Karabiner verwendet wird, denn durch die Fix-Expressen ist für größere Karabiner kein Platz mehr.  

Und noch ein klares Statement von uns: Wir würden unser bisheriges OHM II ohne zu zögern gegen das neue OHMEGA eintauschen. Die Verbesserungen im Detail und das gewonnene Sicherheitsgefühl sprechen für sich. 

Hardfacts 

  • Gewicht: 190 g 
  • Zugelassener Seildurchmesser: 8,6 – 10,5 mm 
  • 3 Bremsstufen, individuell einstellbar 
  • Nur für Einfachseile geeignet 
Bild: Edelrid
Bild: Edelrid

Fazit 

Das EDELRID OHMEGA war für uns als Kletterpaar mit großem Gewichtsunterschied ein echter Gamechanger.  Sarahs Einschätzung nach, ist das OHMEGA perfekt für Einsteiger, denn Sie klettert auch selbst erst seit einem Jahr und konnte sich sofort mit dem OHMEGA zurechtfinden. Für mich, als erfahrenen Kletterer ist das OHMEGA eine große Bereicherung, wenn ich mit Sarah in Klettergärten oder Kletterhalle unterwegs bin. So kann ich durch die Sicherheit des OHMEGA trotz unseres großen Gewichtsunterschieds, in meinen schwereren Routen eine perfekte Performance abgeben. Das Gerät ist nur zu spüren, wenn man es braucht. Es bringt nicht nur mehr Sicherheit, sondern fördert auch das gegenseitige Vertrauen – ein entscheidender Punkt beim Klettern. Die einfache Bedienbarkeit, die verständliche Anleitung und das kompakte Design machen das OHMEGA zu einem durchdachten Bremsassistenten, der sowohl für Anfänger:innen als auch für erfahrene Kletterpartner sicher sinnvoll ist. 

Wir möchten das OHMEGA in unserer Ausrüstung nicht mehr missen. 

Sarah und Severin testen den Ohmega von Edelrid
Sarah und Severin testen den OHMEGA von Edelrid

Zum Autoren

Severn Parger_Bild_Stefan Voitl
Bild Stefan Voitl

Severin ist Alpinist aus Leidenschaft und schon seit seiner Kindheit in den Bergen unterwegs. Als Mitglied des Alpinkaders der Naturfreunde Österreich (2020-2022) war er überall in den Alpen unterwegs und auf Abschlussexpedition in den wilden Bergen Kirgistans. Seine Lieblingsdisziplinen sind das Alpinklettern, Eisklettern und Skitouren.

+++
Credits: Text, Inhalt und Fotos von Sarah Ritscher und Severin Parger  
 

Aktuell

Tiroler Bergrettung schlägt Alarm: 71 Lawinen an einem Wochenende

Die Lawinensituation in den Alpen bleibt dramatisch. Allein in Tirol sind zwischen Freitag und Sonntag 71 Lawinen gemeldet worden – fünf Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Der Landesleiter der Tiroler Bergrettung findet deutliche Worte.

Training mal anders – Bewusst Klettern

Im neuesten Video beschäftigt sich Lattice Training mit dem Thema »Training mit Intention«. Was Elitekletterer von anderen unterscheidet, ist nicht nur körperliche Stärke, sondern bewusstes Trainieren mit klarer Absicht.

Low-Gravity – Flohé, Roberts, Müller und Ghisolfi liefern ab

Da war wohl Low-Gravity angesagt! Im Maltatal, im Tessin und in Varazze wurden die Ticklisten von Yannick Flohé, Aidan Roberts, Stefano Ghisolfi und Marco Müller jeweils um ein hartes Boulderproblem erweitert.

Neue Regel für den Mount Everest: Wird ein 7.000er zur Pflicht?

Die Spielregeln am höchsten Berg der Erde könnten sich bald ändern. Laut dem geplanten »Tourism Bill 2081« sollen künftige Aspirant:innen für eine Besteigung des Mount Everest nur noch dann eine Genehmigung erhalten, wenn sie zuvor erfolgreich einen mindestens 7.000 Meter hohen Berg in Nepal bestiegen haben.

Tiroler Bergrettung schlägt Alarm: 71 Lawinen an einem Wochenende

Die Lawinensituation in den Alpen bleibt dramatisch. Allein in Tirol sind zwischen Freitag und Sonntag 71 Lawinen gemeldet worden – fünf Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Der Landesleiter der Tiroler Bergrettung findet deutliche Worte.

Training mal anders – Bewusst Klettern

Im neuesten Video beschäftigt sich Lattice Training mit dem Thema »Training mit Intention«. Was Elitekletterer von anderen unterscheidet, ist nicht nur körperliche Stärke, sondern bewusstes Trainieren mit klarer Absicht.

Low-Gravity – Flohé, Roberts, Müller und Ghisolfi liefern ab

Da war wohl Low-Gravity angesagt! Im Maltatal, im Tessin und in Varazze wurden die Ticklisten von Yannick Flohé, Aidan Roberts, Stefano Ghisolfi und Marco Müller jeweils um ein hartes Boulderproblem erweitert.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein