Die Rechnung ohne den Wirt gemacht – Alpenverein sucht verzweifelt Pächter:innen

Der Job klingt nach Freiheit, Bergen und Sonnenaufgängen über Gipfeln. Doch hinter dem romantischen Hüttenleben steckt harte Arbeit – so hart, dass dem Österreichischen Alpenverein die Pächter:innen ausgehen. 2025 waren österreichweit 17 Alpenvereinshütten zur Pacht ausgeschrieben, fünf davon stehen nach der vergangenen Saison erneut leer.

Ein Viertel wirft nach einem Jahr hin

»Es ist ein Problem, das sich in den letzten Jahren spürbar verstärkt hat und unsere Sektionen vor eine Herausforderung stellt«, sagt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Alpenverein. Rund 25 Prozent der neuen Pächter:innen haben bereits nach einer Saison wieder gekündigt. Wo sich niemand findet, muss improvisiert werden: Notlösungen, alternative Modelle oder im Extremfall gar kein Saisonstart.

Das Guttenberghaus | Bild: Markus Zorn
Das Guttenberghaus | Bild: Alpenverein / Markus Zorn

Hüttenwirt:in sein – Mehr als Kochen und Gäste empfangen

Die Anforderungen an potenzielle Pächter:innen sind höher als man im ersten Moment vielleicht annimmt. Unterberger spricht von »echten Allroundern«: Die Wirtsleute müssen nicht nur Gastronom:innen sein, sondern sich auch mit Trinkwasseraufbereitung, Kläranlagen, Stromversorgung, Materialseilbahnen und Brandmeldeanlagen auskennen. Außerdem sollten sie in der Lage sein ihre Gäste alpinistisch beraten zu können und eine angenehme Atmosphäre auf der Hütte zu schaffen. Teamführung und eine gute Portion Sozialkompetenz sind also ebenfalls ein Muss für Bewerber:innen. 

Wohlwollende Übergabe: Das Pächter-Duo Bernd und Pia Fuchsloch beendet die Saison am Arthur-von-Schmid-Haus und übergibt die Hütte nach sieben Jahren an neue Pächter | Bild: privat
Das Pächter-Duo Bernd und Pia Fuchsloch beendet die Saison am Arthur-von-Schmid-Haus und übergibt die Hütte nach sieben Jahren an neue Pächter | Bild: privat

Beliebt, aber belastend

Ruhetage gibt es auf Alpenvereinshütten in der Regel keine, da diese eine Schutzfunktion zu erfüllen haben.

Carolin Scharfenstein ÖAV Abteilung Hütten und Wege

Ruhetage? Fehlanzeige. »Hütten haben eine Schutzfunktion«, erklärt Carolin Scharfenstein vom ÖAV. Aus diesem Grund gibt es auf Alpentvereinshütten in der Regel keine Ruhetage. Gleichzeitig steigt aber auch die Beliebtheit von Hütten als Freizeitziel. Mit 14 Prozent mehr Nächtigungen als im Vorjahr kann der Alpenverein auf eine starke Saison zurück blicken. Die Arbeitstage sind also lang und der Aufwand hoch.
Ein weiterer Grund für die sinkende Kontinuität: Der Hüttenbetrieb ist kein »Familienunternehmen« mehr. Die Weitergabe der Hütte von Generation zu Generation wird immer seltener, da junge Menschen tendenziell weniger gewillt sind, den Betrieb der Eltern zu übernehmen.
Und doch: Für viele bleibt es ein Traumjob. »Unsere langjährigen Wirtsleute schwärmen vom Teamgefühl, von der Freiheit und davon, dass kein Tag wie der andere ist«, so Scharfenstein.

11 Jahre durchschnittliche Pachtdauer

Trotz aller Schwierigkeiten bleibt die Mehrheit treu: Elf Jahre beträgt die durchschnittliche Pachtdauer auf Alpenvereinshütten. Besonders lange bleiben Pächter:innen in Tirol und Vorarlberg, während in Niederösterreich häufiger gewechselt wird. Paradebeispiele: Die Reißeck-Hütte (Kärnten) mit sage und schreibe 40 Jahren und die Obstanserseehütte (Tirol) mit 30 Jahren Bewirtschaftung durch dieselben Wirtsleute.

Um neue Menschen für den Hüttendienst zu gewinnen, fährt der ÖAV mehrere Strategien:

  • Bewusstes Ansprechen jüngerer Zielgruppen
  • Ausbildungsprogramme und Fortbildungen für neue Pächter:innen
  • Fairere Pachtbedingungen und weniger Bürokratie
  • Alternative Modelle, etwa Team-Pachten oder kooperative Betriebsgemeinschaften
Einfach schön – Die Obstanserseehuette | Bild: Verena-Helminger
Einfach schön – Die Obstanserseehuette | Bild: Verena-Helminger

Interesse geweckt? 

Der österreichische Alpenverein hat aktuell 12 Hütten zur Pacht ausgeschrieben. Hier könnt ihr euch durch die offenen Stellen klicken. Dauerhaft wird sich das Hüttenwesen wohl nur stabilisieren, wenn die Rahmenbedingungen den tatsächlichen Anforderungen näher kommen. Ob das gelingt, hängt weniger von romantischen Vorstellungen als von realistischen Konzepten ab – und davon, wie viele Menschen bereit sind, diese Verantwortung am Berg zu übernehmen.

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Credits: Titelbild: Alpenverein/Harald Herzog

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