»Gechippt, aber spaßig« | Jules Marchalands 9a-Erstbegehung in Carros

Jules Marchaland ist die Erstbegehung von Thon glillé (9a) in Carros bei Nizza gelungen. Der 24-Jährige kletterte allein im vergangenen Jahr elf Routen zwischen 9a und 9b.

Er bekommt momentan irgendwie alles unter einen Hut: Jules Marchaland hat in den letzten sechs Monaten seine erste 9b geklettert, als zweiter Mensch der Welt 8C geflasht und an drei Lead-Weltcups teilgenommen. Vor wenigen Wochen tickte der Franzose außerdem Kangaroo’s Limb (9a+) und Illusionist (9a) in Flatanger. Jetzt hat der 24-Jährige aus Nizza direkt vor seiner Haustür eine weitere schwere Linie erstbegangen: Thon glillé (9a) in Carros.

Volle Spannung im großen Dach – Durchstieg im dritten Versuch.

Jules Marchaland
Jules bei der Erstbegehung von Thon glillé (Bild: Eliott Donnini)

Keine Linie von Marchaland selbst

Marchland ist »nur« der Erstbegeher von Thon glillé (9a) – eingerichtet hat er die Route nicht. Sein Landsmann Cedric Lo Piccolo hatte sie als persönliches Projekt eingebohrt, während seine Frau am selben Fels Chocholocco (9a) probierte. Nach seinem Flatanger-Trip hatte Jules Marchaland ein bisschen Zeit in seiner Heimat und bekam Wind von der bisher ungekletterten Linie.

Cedric hat mir von seinem Projekt erzählt und ich dachte: Warum nicht?

Jules Marchaland

Interview: 9a-FA, Wettkampf-Aus & Zukunftspläne

Mehr als ein bisschen Zeit sollte es auch gar nicht brauchen: In nur drei Tagen hatte der 24-Jährige Thon gillé (9a) abgehakt. Wir haben mit ihm über die Erstbegehung der Linie gesprochen.

Du schreibst bei 8a.nu, dass die Route gechippt ist – welchen Einfluss hatte das auf deine Begehung?

Jules Marchaland: Es gibt drei oder vier gechippte Griffe in einem Abschnitt der Wand, der sonst komplett clean ist. Thon glillé liegt an einem Fels, wo es viele gechippte Linien aus den 90er und 2000er Jahren gibt. Das war für mich eigentlich kein Problem, weil die Route trotzdem gut funktioniert.

Vollspannung und steile Kletterei in Carros (Bild: Eliott Donnini)

Das Gebiet Carros liegt nur 15 Minuten vor deiner Haustür – lohnt sich auch als Nicht-Local ein Besuch?

Um ehrlich zu sein gibt es lohnendere Gebiete hier in der Region, zum Beispiel die Gorges du Loup. Trotzdem fand ich Thon glillé (9a) eine super spannende und spaßige Route, extrem physisch und ausdauernd zu klettern.

Du springst dieses Jahr viel zwischen Wettkämpfen, Bouldern und Klettern hin und her. Warum funktioniert das für dich so gut?

Ich liebe es einfach, alles ein bisschen zu trainieren. Früher war ich hauptsächlich Sportkletterer und habe für Lead-Wettkämpfe trainiert. Jetzt habe ich tatsächlich aufgehört mit den Wettkämpfen und kann mich meinen Projekten freier widmen.

Ich liebe einfach Klettern und an Griffen anzureißen.

Jules Marchaland
Geht derzeit lieber bouldern: Jules Marchaland (Bild: Yulen Calleja Ordiz)

Gibt es trotzdem eine Disziplin, die dir gerade am meisten zusagt?

Derzeit habe ich am meisten Lust aufs Bouldern. Weil ich keine Wettkämpfe mehr mache, ist es auch okay, dass ich im Zuge dessen etwas Ausdauer verliere. Ich glaube, hier gibt es für mich gerade das meiste Potenzial, Neues zu entdecken.

Ich glaube, ich habe beim Bouldern derzeit am meisten zu entdecken.

Jules Marchaland

2025 geht dem Ende zu. Wohin verschlägt es dich als nächstes?

In die USA! Ich mache einen großen Trip mit Freunden. Davor geht es wahrscheinlich erstmal noch nach Fionnay, nach Fontainebleau und ins Gym, damit ich fit für die Boulder in den Staaten bin.

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+++

Credits Titelbild: Eliott Donnini

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