Michael Piccolruaz klettert Mallorcas DWS-Kingline | »Es Pontas« (9a+)

Lange war Michael Piccolruaz auf der Suche nach der perfekten Linie. Mit Chris Sharmas DWS-Testpiece »Es Pontas« auf Mallorca erfüllte sich der Profikletterer aus Südtirol jetzt den Traum seiner ganz persönlichen Kingline.

In seinem Terminkalender ist jetzt ganz viel Platz für Zeit am Fels: Der italienische Profikletterer Michael Piccolruaz gehört zu den Athlet*innen, die sich bei der WM in Seoul von der internationalen Wettkampfbühne verabschiedet haben. Die erste schwere Begehung ließ nicht lange auf sich warten: Ende Oktober gelang dem 29-Jährigen aus Bozen mit »Es Pontas« (9a+) eine der schwierigsten DWS-Routen und eindrücklichsten Linien der Welt.

Besser wird es nicht. Das ist DIE Kingline im Sportklettern.

Michael Piccolruaz
Berühmter Spot im DWS-Mekka Mallorca: Es Pontas (Bild: Christian Core)

»Es Pontas«: legendäre Linie mit Mega-Dyno

Die unbestrittene Kingline im Bereich des Deep Water Soloing (DWS) ist fast 20 Jahre alt. 2006 beging Pionier und Wahl-Spanier Chris Sharma die Linie als erste 9a+ DWS-Tour der Welt. Berühmt wurde die Route im Kletterparadies Mallorca unter anderem durch den Film »King Lines« (2007). Seitdem haben zahlreiche Profikletterer »Es Pontas« am gleichnamigen Spot wiederholt – darunter Jernej Kruder, Jan Hojer, Hannes Van Duysen, Jakob Schubert oder Mejdi Schalck.

Als echtes Kraftausdauer-Testpiece hält »Es Pontas« 20 steile Klettermeter bereit. Die Route wartet außerdem mit einem legendären, weiten Dyno in beachtlicher Höhe auf. Weil dabei unfreiwilliger Badespaß vorprogrammiert ist, setzt das Projekt über dem offenen Meer auch einigermaßen gute Schwimmkünste voraus.

Piccolruaz im berühmten Dyno (Bild: Christian Core)

Erste Versuche bereits 2021 mit Jakob Schubert

Auch Michael Piccolruaz zeigte sich zunächst von dem Sprung eingeschüchtert. Im Jahr 2021 wagte sich der 29-Jährige zum ersten Mal an das Projekt, das er als »lebenslangen Traum« bezeichnet. Der Prozess bis zum Durchstieg sollte jedoch alles andere als linear verlaufen.

In ersten Sessions – teils gemeinsam mit Jakob Schubert – gelang der Dyno zwar nach vielen Versuchen, aber erwies sich von unten kommend als deutlich schwerer. Endlich klappte der Sprung im Durchstieg – aber dann kickte der Pump in der oberen Sequenz. Die Querung über kleine Leisten und mit einer schwierigen Arete gilt als technisch anspruchsvollster Abschnitt von »Es Pontas«.

Nach jedem Sturz ins Wasser dachte ich: Ich brauche nur einen guten Versuch.

Michael Piccolruaz
Nach der Überhang-Sequenz quert »Es Pontas« auf Küstenseite mit technischer Kletterei (Bild: Christian Core)

Um fit für den Durchstieg der gesamten Linie zu werden, sammelte Michael Piccolruaz Klettermeter in anderen DWS-Routen. Mit der Wiederholung von »Alasha« (9b) in der Bucht Port de Sóller bewies sich der Südtiroler im Herbst 2023, dass er bei den schweren DWS-Linien mitspielen kann: »Das hat mir das Selbstbewusstsein gegeben, hoch über dem Wasser schwere Routen zu klettern.«

Mein einziger Fokus beim Mallorca-Trip dieses Jahr: den Kreis zu schließen und die Linie zu klettern.

Michael Piccolruaz

Lebenstraum-Projekt für Michael Piccolruaz

2025 war dann das Jahr, in dem sich Michael Piccolruaz ganz »Es Pontas« widmen sollte. Erneut sorgte der Dyno für Schwierigkeiten und klappte nicht bei jedem Versuch. Ironischerweise sorgte genau das für die nötige Gelassenheit bei dem Südtiroler. Der perfekte Versuch kam und Piccolruaz kletterte durch den Sprung, die darauffolgende Crux und zum rettenden Henkel vor der entspannteren Topout-Sequenz.

Die letzten leichten Meter waren eine pure Freude. […] Als ich die Route in das Sonnenlicht ausgestiegen bin, konnte ich es kaum glauben. Ein Lebenstraum ist wahr geworden.

Michael Piccolruaz
Sonnenuntergang bei »Es Pontas« (Bild: Michael Piccolruaz)

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Credits Titelbild: Christian Core

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