Erste freie Begehung der »Directe de l’Amitié«: Spitzenleistung in den Grandes Jorasses

Eine Wahnsinnsleistung der drei französischen Alpinisten Esteban Daligault (24), Virgile Devin (25) und Simon Martinet (34). Sie sind die ersten, denen es gelungen ist die Mixed-Linie »Directe de l’Amitie« (1.100 m, ED+,M9+) frei zu klettern.

Die Pizza ist hinter der Wand. Ganz einfach.

Esteban Daligault

Eine der größten Herausforderungen der französischen Alpen

Die »Directe de l’Amitié« gilt als eine der anspruchsvollsten Linien in der Nordwand der Grandes Jorasses. Sie führt zum Pointe Whymper, dem mit 4.184 Metern zweithöchsten Gipfel des mehrgipfligen Berges im Mont-Blanc-Massiv. Erstbegangen wurde die Route im Winter 1974 durch Louis Audoubert, Michel Feuillarade, Marc Galy und Yannick Seigneur. Damals brauchte die Seilschaft 20 Tage. 2022 hatte eine französische Seilschaft um Léo Billon, Sébastien Ratel und Benjamin Védrines versucht, die Route frei zu klettern – scheiterte allerdings an der A3-Schlüsselstelle: »frei mindestens im achten Schwierigkeitsgrad mit Kletterschuhen, wenn nicht sogar schwieriger«, lautete damals das Urteil von Védrines.

»Directe de l’Amitie« in der Grandes-Jorasses-Nordwand

Laut dem Instagram Post von Esteban Daligault war die Seilschaft am 16. November von Chamonix aus zu der von ihnen anvisierten Nordwand aufgebrochen. »Eine Durchquerung des Massivs zu Fuß für eine Pizza…«, scherzt Daligault – und man spürt die Mischung aus Humor und Entschlossenheit.

Der erste Tag forderte die drei bereits in technisch anspruchsvollen Längen. Nach einer Nacht im Biwak und weiteren Seillängen, die es durchaus in sich hatten, erreichten sie die drei Schlüsselstellen: Zwei davon waren bereits früher frei geklettert worden – die berüchtigte A3-Länge jedoch noch nie.
Virgile Devin versuchte sich an der ersten M8 und meisterte sie im Onsight. Auch die zweite M8 schaffte die Seilschaft, trotz brüchigem Fels. 

Wir erreichen die Schlüsselstelle. Und zögern: Kletterschuhe oder Drytooling?

Esteban Daligault

Der von der Seilschaft ernannte »Meister des Eiskletterns«, Devin, entschied sich für die Kletterschuhe und wagte sich direkt an die große Herausforderung. Aller guten Dinge sind wahrhaftig drei. »Er meistert die Länge mit unverschämter Souveränität. Als er den Standplatz erreicht, hallt ein Siegesruf durch die Nordwand.« schreibt Daligault über diesen besonderen Moment. Die A3-Länge bewertete das Team mit M9+.
Den Gipfel erreichten sie nach einem weiteren Tag in der Wand, als die Dunkelheit schon hereingebrochen war. Sie hatten es geschafft: Die erste freie Begehung der »Directe de l’Amitié«.

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Credits: Titelbild: Adobe Stock

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