Nach seinem allerersten 9a-Flash von „Vivi si muore“ gelang dem 26-jährigen Italiener am Folgetag gleich die nächste 9a im ersten Versuch: „Prima Classe“. Beide Routen liegen im italienischen Klettergebiet Val Tanaro.
Der „Sendtember“ hat sich für Filip Schenk mehr als ausgezahlt: Nach zahlreichen Finalteilnahmen im Lead-Weltcup diese Saison nutzte er die freie Zeit am Fels, um dort seine zwei schwersten Routen zu flashen. Schenk klettert schon seit fast zehn Jahren im Grad 9a, 2025 gelang ihm mit „Erebor“ (9b) sein bisher härtestes Projekt am Seil.
Flash von „Vivi si muore“: Filip Schenk hat Blut geleckt
Innerhalb von zwei Tagen kletterte Schenk erst „Vivi si muore“, die wohl imposanteste Linie des Sektors La Stazione im Val Tamaro. Die Route, erstbegangen 2025 von Lorenzo Bogliacino, besteht aus drei schweren Bouldern mit passablen Ruhepositionen. „Ich wusste, dass der Stil mir gut taugen könnte“, schreibt Schenk auf Instagram.
Zur Vorbereitung bekam Schenk Beta-Input von seinem Landsmann Giorgio Tomatis, der die Route ebenfalls versuchte. Anders als beim Onsight-Klettern ist es im Flash-Modus erlaubt, sich vorher Beta von anderen einzuholen. Vor dem Flash-Versuch flatterten dem 26-Jährigen trotzdem die Nerven. Alles oder nichts – darum geht es bei diesem Begehungsstil.
Nur einen Versuch zu haben fühlt sich anders an. Aber das ist genau das, was ich suche: der mentale Kampf gegen die Anspannung, um sie in Extra-Power umzuwandeln.
Filip Schenk
Nach dem (wenn auch ziemlich knappen) Flash von „Vivi si muore“ war Filip Schenk direkt angefixt: „Schwere Routen zu flashen ist definitiv etwas, das ich in Zukunft öfter probieren will. Ich will herausfinden, wo mein Limit ist.“
Zweiter 9a-Flash am Folgetag: „Prima Classe“
Nicht einmal 24 Stunden dauerte es, bis sich Filip Schenk der nächsten Flash-Herausforderung stellte – dieses Mal aber in einer Route mit ganz anderem Stil. „Prima Classe“ liegt zwar im gleichen Sektor wie „Vivi si muore“, ist aber deutlich anhaltender und bietet weniger Ruhepositionen. Vor allem die Crux-Sequenz mit 20 schweren Zügen bietet kaum Gelegenheit, überhaupt nachzuchalken. Die Challenge für Schenk: während der Passage mental und körperlich voll fokussiert zu bleiben.
Auch dieses Mal bekam der Italiener Beta-Support aus dem eigenen Team: Giovanni Placci, der die Route bereits geklettert hatte, gab seinem Kollegen nicht nur Tipps, sondern bürstete im auch alle Griffe. Außerdem machte sich Schenk in Videos über die Beta anderer Kletterinnen und Kletterer schlau. „Prima Classe“ wurde wie auch „Vivi si muore“ von Lorenzo Bogliacino erstbegangen, allerdings bereits 2023. Wiederholt wurde die Linie bisher ausschließlich von Italiens Kletter-Elite – darunter Laura Rogora, Stefano Carnati, Gabriele Moroni sowie Schenks Begleiter Giovanni Placci und Giorgio Tomatis.

9a im Flash: Die Elite innerhalb der Elite
„Prima Classe“ verlangte Filip Schenk beim Flash-Versuch noch mehr ab als sein erster 9a-Flash. „Beim Klettern habe ich definitiv die Anspannung gespürt. Es ist ein sehr schmaler Grat zwischen dem Gefühl von Kontrolle und dem Eingehen von Risiken“, resümierte er im Anschluss.
Ich bin ziemlich stolz auf mich, gerade weil ich so kämpfen musste. Ich war physisch und mental am Limit, aber ich hab geschafft, mich zusammenzureißen.
Filip Schenk
9a zu klettern ist ein Meilenstein, den nur die allerwenigsten Kletterinnen und Kletterer überhaupt erreichen. Eine Route in diesem Grad im ersten Versuch zu meistern ist selbst für Profis eine außergewöhnliche Leistung. Der bisher schwerste Flash am Seil gelang Adam Ondra im Jahr 2018 mit „Super Crackinette“ (9a+) in St. Léger. Niemand sonst hat seitdem eine Route im Grad 9a+ geflasht.
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Credits Titelbild: Alberto di Guida

