Der italienische Bergsteiger Cesare Maestri ist am 19. Januar 2021 im Alter von 91 Jahren gestorben. Für immer wird er als die Spinne der Dolomiten „Ragno delle Dolomiti“ als auch für die Kontroverse rund um den Cerro Torre in Erinnerung bleiben.

Cesare Maestri, Bergführer und Schriftsteller aus der Provinz Trient, gehörte zu den besten Kletterern seiner Zeit. Er machte sich mit schwierigen Solobegehungen und Erstbegehungen in der Brenta-Gruppe und den Dolomiten einen Namen und wurde als die Spinne der Dolomiten (Ragno delle Dolomiti) bezeichnet.

Zwei Legenden der Bergsteigerszene

Kontroverse um Cerro Torre in Patagonien

1957 reiste Cesare Maestri mit einer Expedition erstmals nach Patagonien. Bruno Detassis, der die Expedition leitete, meinte damals, der Cerro Torre sei zu riskant, um begangen zu werden. Ein Jahr später reiste Cesare Maestri zusammen mit Cesarino Fava und dem Tiroler Bergsteiger und Eisspezialisten Toni Egger zurück nach Patagonien, um den Cerro Torre zu besteigen.

Nach eigenen Angaben erreichten Egger und Maestri den Gipfel am 31. Januar 1959. Im Abstieg kam es zum tödlichen Unfall Eggers, der die Kamera mit dem Gipfelfoto auf sich trug. Schnell kamen in der Bergsteigerszene Zweifel an der Begehung auf, die sich aufgrund widersprüchlicher Aussagen und Fakten über die Jahre verhärteten. Heute ist sich die Fachwelt weitgehend einig, dass der Cerro Torre damals nicht bestiegen wurde.

Schnell kamen in der Bergsteigerszene Zweifel an der Begehung auf.

Rückkehr mit Kompressor

Elf Jahre später kehrte Cesare Maestri mit einem Kompressor zurück an den Cerro Torre und bohrte sich Haken für Haken die Wand hoch. Am Übergang vom Fels zum Eis setzte er den letzte Umlenker. Weit über 50 Tage investierten Cesare und seine Kletterpartner in das Einrichten der Tour, die unter dem Namen Kompressor-Route bekannt wurde. Die Tour wurde zwar zu einer der häufigsten wiederholten Routen am Cerro Torre, wurde aber aufgrund des Begehungsstils auch heftig kritisiert.

Die Tour wurde zwar zu einer der häufigsten wiederholten Routen am Cerro Torre, wurde aber aufgrund des Begehungsstils auch heftig kritisiert.

Cesare Maestri in seinen frühen Jahren

Über 3’500 Begehungen

Der Cerro Torre lastete schwer auf den Schultern von Cesare Maestri. Abgesehen davon liest sich sein Lebenslauf wie ein Bergsteiger-Märchen. Über 3’500 Begehungen trug Maestri über die Jahre in seinem Routenbuch ein. Bei rund einem Drittel dieser Begehung handelte es sich um Solobegehungen. Im Jahr 2002 führte er gar noch eine Expedition zum Shishapangma (8027m) in Tibet zusammen mit Sergio Martini und Fausto De Stefani an.

In einem Interview mit dem Journalisten Nereo Pederzolli sagte Cesare Maestri:

Der beste Kletterer ist derjenige, der in seinem eigenen Bett stirbt

 Cesare Maestri wohnte zuletzt in Madonna di Campiglio und starb am 19. Januar 2021 im Alter von 91 Jahren.

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Credits: Titelbild Giulia Battisti / Trento Film Festival