Seit gut zwei Jahren sammeln sich bei Eva Hammelmüller nicht nur Klettermeter in verschiedenen Gebieten Europas, sondern auch immer mehr 9a’s. Jetzt hat die Österreicherin in Arco den Grad 9a+ geknackt. Wir haben mit ihr gesprochen.
Seitdem Eva Hammelmüller ihre Wettkampf-Karriere an den Nagel gehängt hat, läuft es bei ihr so richtig. Das gilt nochmal mehr, wenn sie in Arco unterwegs ist: Genau dort hatte sich die die österreichische Lead-Spezialistin einst ihre erste 9a abgeholt – »Underground«, im Mai 2021. Jetzt folgte der nächste Meilenstein auf der Schwierigkeitsskala: Vergangenes Wochenende punktete Hammelmüller mit »Bombardino« in Arco ihre erste 9a+.
Eva Hammelmüller im Interview
Glückwunsch zur ersten 9a+, Eva! Du hattest die Route letztes Jahr schonmal probiert und nicht alle Züge der Crux geschafft. Warum ging es dieses Jahr so schnell mit dem Durchstieg?
Eva Hammelmüller: Vielen Dank! Ich habe im Winter versucht, viel an meiner Maximalkraft zu arbeiten und ich denke, ich habe diesbezüglich gute Fortschritte machen können. Bombardino ist eine Route, bei der es vor allem um eine sehr spezielle Boulderstelle geht. Wenn man die Züge schafft, kann man die Route schnell klettern – letztes Jahr hingegen hatte ich keine Chance.
Wieviel bedeutet dir der Grad von »Bombardino«?
Eva Hammelmüller: Als ich die Route letztes Jahr probiert habe, war ich mir sicher, dass sie ein nächster Schritt für mich wäre und habe den Grad nicht angezweifelt. Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon einige 9a’s geklettert und »Bombardino« hat sich um einiges schwerer angefühlt. Heuer konnte ich alle Züge sofort machen und habe von Versuch zu Versuch extrem gute Fortschritte gemacht. Dass ich sie schlussendlich in 3 Tagen klettere, hätte ich selbst nie erwartet.
Ich glaube, »Bombardino« ist eine sehr spezielle Route. Alles spitzt sich auf wenige sehr schwere Züge zu, was die Bewertung unglaublich schwierig macht. Ich denke, wenn einem die Züge liegen, kann man die Route sehr schnell klettern, ansonsten fühlt es sich sehr schwierig an. Ich habe sicher noch nie so einen schweren Boulder in einer Route gemacht. Die Kletterei bis zu dem Boulder würde ich aber nur mit ungefähr 8b+ bewerten und spielt somit für den Grad wenig Rolle. Nach dem Boulder muss man noch einige harte Züge machen, um sich den Durchstieg zu sichern.
Wie stehst du zum Thema Schwierigkeitsgrade generell?
Eva Hammelmüller: Allgemein sind mir Grade natürlich schon wichtig, aber ich bin überzeugt, dass keine Route für jede Person den gleichen Grad haben kann. Dazu ist Klettern viel zu divers, kreativ und subjektiv – was ich eigentlich auch an diesem Sport unglaublich schätze und toll finde! Außerdem habe ich in diesem Grad noch wenig Erfahrung und Vergleich. Einige Aspekte sprechen für mich dafür, dass sie schwieriger ist als die 9a’s, die ich bereits geklettert bin, manche aber auch dagegen. Mein Ziel ist es aber auf jeden Fall, mehr Routen im 9a+ Grad zu klettern und mir somit eine bessere Basis in diesem Grad aufzubauen!
Du bist jetzt quasi Vollzeit am Fels. Hast du schon Projekte, von denen du erzählen magst?
Eva Hammelmüller: Projekte habe ich ein paar zu Hause, denen ich mich den nächsten Wochen widmen möchte – wenn ich noch viel Zeit auf der Uni verbringen muss und das Wetter noch nicht zu warm ist. Außerdem habe ich schon einige Linien im Kopf, die ich gerne im Sommer probieren möchte. Ganz oben auf der Liste stehen Routen in Céüse und anderen Gebieten in Südfrankreich.
Über die Route
»Bombardino« ist eine der jüngeren schweren Routen in Arco. Sie wurde 2022 von Alfredo Webber eingebohrt und noch im selben Jahr von Adam Ondra erstbegangen. Eva Hammelmüller ist die dritte Frau, die die Linie an der Bus de la Stria wiederholt hat. Ende 2024 gelang Laura Rogora der FFA innerhalb nur eines Tages. Vergangenes Jahr kletterte Babsi Zangerl ebenfalls die Route – auch für sie war es die erste 9a+.
Dass sie »Bombardino« klettern kann, wurde Eva Hammelmüller in diesem Arco-Trip relativ schnell klar. »Schon die ersten Versuche haben sich schon so gut angefühlt, obwohl das an meinem dritten Tag in Folge war«, schreibt sie auf Instagram. Die Linie innerhalb nur vier Sessions abzuhaken stand jedenfalls nicht auf ihrer Bingo-Karte.
Sprachlos. Ich hätte nie gedacht, dass ihr diese Route so schnell klettern kann.
Eva Hammelmüller
Diskurs um Schwierigkeitsgrad
Die erste Route eines neuen Schwierigkeitsgrades ist immer etwas Besonderes – das gilt bekanntlich nicht nur für Profikletterinnen und -kletterer. Tatsächlich wurde ausgerechnet über den Grad von »Bombardino« diesen Monat bereits innerhalb der Szene diskutiert.
Der Hintergrund: Mitte April schlug der 17-jährige Italiener Gianluca Vighetti eine Abwertung auf 9a vor, nachdem er die Linie im zweiten Versuch geklettert war. Eva Hammelmüller bezog sogar in ihrem Instagram-Post zu seinem Vorschlag Stellung – mit einem Augenzwinkern: »Gianluca, du bist einfach zu stark.«

Stolz auf den Grad und auf die Leistung
Sollten andere dem Vorschlag von Gianluca Vighetti folgen, wäre es das zweite Downgrade für die Route, die vom Erstbegeher Ondra damals sogar mit 9a+/b bewertet wurde. Nachdem Stefano Ghisolfi noch im Jahr der Erstbegehung eine leichtere Beta gefunden hatte, pendelte sich »Bombardino« bei 9a+ ein. Die Linie besteht aus einer 8b+ schweren Sequenz, gefolgt von einem guten Rest und der finalen Crux, einem kleingriffigen 7C/+ Boulderproblem.
Für Eva Hammelmüller ist klar: Ja, der neue Schwierigkeitsgrad der Linie bedeutet ihr etwas – auch wenn sie vielleicht eher am unteren Ende des 9a+ Spektrums liegt. »Die Crux ist zu 100 % mein Stil und die Route sicher auch sehr, sehr soft«, schreibt die Österreicherin auf Instagram. »Trotzdem bin ich einfach super, super stolz!«
Meine bisher härteste Route. Am Umlenker hat es sich angefühlt wie ein Traum.
Eva Hammelmüller



Eva Hammelmüller klettert ihre erste 9a+, »Bombardino« in Arco | Bild: Felix Mast
Eva Hammelmüller: in ihrer Fels-Ära
Eva Hammelmüller ist seit Ende 2024 regelmäßig im neunten Franzosengrad unterwegs. Erst kürzlich kletterte sie mit »Sans complexe« in Aix-en-Provence ihre siebte 9a. Insgesamt stehen auf ihrer Tickliste mehr als 70 Routen im Grad 8c oder schwerer.
Hammelmüller hatte Ende 2025 ihr Karriereende als Wettkampfkletterin im Österreichischen Nationalteam verkündet. Für die erst 25-Jährige hatte sich die Entscheidung schon länger abgezeichnet. »Am Fels fühle ich mich frei, ganz ohne Druck oder Vergleich«, schrieb sie damals.
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Credits Titelbild: Felix Mast

