Einbohren ja, aber bitte mit Stil

Michel Piola, Rolando Larcher und Maurizio Oviglia machen in einem offenen Brief mit dem Titel «Ground-up Erstbegehungen alpiner Sportkletterrouten: Einer Kunst des Klettersports droht die Trivialisierung» auf die Bedeutung des Stils beim Einrichten neuer Routen aufmerksam. Bislang haben fast ihn 100 Kletterinnen und Kletterer aus der ganzen Welt unterzeichnet.

Offener Brief von Michel Piola, Rolando Larcher und Maurizio Oviglia

Klettern ist unsere Leidenschaft – sei es beim Begehen bestehender Routen oder beim Erschliessen neuer Wege. Die alpinen Sportklettereien, die wir so sehr lieben, wurden von leidenschaftlichen Kletterern hauptsächlich auf zwei Arten erschlossen: Eingebohrt aus dem Seil (unter Verwendung von Fixseilen) oder «Ground-up» (vom Wandfuss aus kletternd).

Auf Mehrseillängenrouten, aber manchmal auch auf Einseillängen, gilt die «ethisch rigorose» Ground-up-Methode als die höchste Form des Sportsgeists, da sie die Erstbegeher mit denen gleichstellt, die die Route wiederholen möchten. Zudem fügt sie Schichten von Unsicherheit und Engagement hinzu.

Um Haken zu setzen, befinden sich die Erstbegeher oft in prekären Positionen, wobei sie sich auf unsichere Skyhooks verlassen oder ein Griff mit einer Hand halten, während sie mit der anderen bohren.

Wir glauben, dass dies die fairste Methode ist, um eine neue Route zu erschliessen, weil sie uns erlaubt, nur jene Felswände zu klettern, deren inhärente Schwierigkeiten wir meistern können. Diese Philosophie stellt sicher, dass wir Herausforderungen für zukünftige Generationen hinterlassen, wann immer uns die nötige physische oder mentale Stärke fehlt.

Wir sind der Ansicht, dass dies ein äusserst wichtiger Aspekt der neuen Routenerschliessung und der fairste Ansatz ist. Es hindert uns daran, alle unberührten Wände zu erklimmen, und stellt sicher, dass wir nur das klettern, wozu wir wirklich fähig sind.

Die Einführung verschiedener abnehmbarer Sicherungsanker (Zwischenbohrlöcher, zunächst «abnehmbare Bolts», jetzt «Pulse») hat die Methoden der Ground-up-Routenerschliessung diversifiziert. Diese reichen von den reinsten ethischen Methoden (vollständiges Freiklettern zwischen den einzelnen Bohrungen) bis hin zum vollständigen technischen Klettern (zusätzliches Bohren zwischen den Bolts, A0 usw.).

Ground-up-Erstbegehungen mit diesen «künstlichen» Hilfsmitteln können von jedem durchgeführt werden, unabhängig von seinen Kletterfähigkeiten. Temporäre Sicherungen können entfernt und endgültige Bolts hinzugefügt werden, während man im Nachstieg oder im Toprope klettert, um eine Route zu vervollständigen. Dies bedeutet, dass mit minimalem Aufwand und sehr schnell potenziell jede Felswand weltweit gebohrt und geklettert werden kann.

Diese Unterschiede im Stil der Erstbegehung sind für diejenigen, die eine Route wiederholen, insgesamt schwer zu erkennen, aber von grösster Bedeutung.

Für einen Ground-up-Erstbegeher ist es nicht nur wichtig, eine Route frei zu klettern wie Sportkletterer, sondern vor allem, sich einer unberührten Linie mit grösstem Respekt zu nähern.

Die Unterschiede zwischen den beiden Extremen sind erheblich: Auf der einen Seite haben wir einen «gemischten» Ground-up-Einbohr-Stil ohne jegliche athletische oder historische Bedeutung (vergleichbar mit Einbohren aus dem Seil), und auf der anderen Seite eine echte Leistung, die manchmal sogar einen Platz in der Klettergeschichte verdient.

Wir sind besorgt, dass die Verbreitung solcher ethisch fragwürdiger Routenentwicklungen zur wahllosen Erschliessung der schönsten unberührten Felswände der Welt führen könnte, wodurch zukünftigen Generationen von Kletterern und neuen Erschliessern unberührte Herausforderungen entzogen werden.

Während individuelle Freiheit beim Klettern und Routenerschliessen von grösster Bedeutung ist, appellieren wir an Kommentatoren und Journalisten in digitalen und gedruckten Medien, den Stil der Erstbegehung anzugeben, wenn dieser bekannt ist.

Ebenso fordern wir die Autoren von Kletterführern auf, universell anerkannte Symbole zu verwenden, um den Bolting-Stil zu kennzeichnen:

↧ Einrichten aus dem Seil
↥ Ethisches Ground-up-Bolting
↦ Gemischter Ground-up-Stil

Abschliessend verpflichten wir, die Unterzeichnenden, uns zu folgenden Grundsätzen fürs Einbohren neuer Ground-up-Erstbegehungen:

  • Auf Mehrseillängenrouten werden wir Ground-up-Begehungen dem Einbohren aus dem Seil vorziehen.
  • Wir werden auf technisches Klettern (Zwischenbohrlöcher oder andere Hilfsmittel) zwischen den endgültigen Bohrhaken verzichten.
  • Wir werden jegliche Form von «Betrug» vermeiden, wie z.B. Umwege zu nehmen und die Route später von oben zu korrigieren oder abzuseilen, um vorab eine Erkundung durchzuführen.
  • Im Wesentlichen: Wir werden zukünftige Wiederholer niemals zwingen, Abschnitte zu klettern, die wir selbst bei der Erstbegehung nicht gemeistert haben, und ihnen die gleichen Bedingungen bieten, denen wir begegnet sind.

Wir wünschen euch allen wunderbare Kletterabenteuer.

Wenn du diesen offenen Brief unterschreiben möchtest, dann sende eine E-Mail an eine der folgenden Adressen:

Rolando Larcher [email protected]
Maurizio Oviglia [email protected]

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:

Daniel Anker (CH)
Filippo Arrigoni (IT)
Federico Asciolla (IT)
Sara Avoscan (IT)
Simone Banal (IT)
Christos Batalogiannis (GR)
Vangelis Batsios (GR)
Alessandro Baù (IT)
Alessandro Beber (IT)
Tiziano Buccella (IT)
Fabian Buhl (AT)
Michele Cagol (IT)
Mauro Calibani (IT)
Michele Caminati (IT)
François Cazzanelli (IT)
Marco Cordin (IT)
Luca Cornella (IT)
Pietro Dal Prà (IT)
Gianguido Dalfovo (IT)
Stefano Dellantonio (IT)
Matteo Della Bordella (IT)
Marco Della Nave (IT)
Hanspeter Eisendle (IT)
Nasim Eshqi (IR)
Massimo Faletti (IT)
Matteo Faletti (IT)
Nicolas Favresse (BE)
Dario Feller (IT)
Marco Ferrari (IT)
Mauro Florit (IT)
Mauro Fronza (IT)
Rolando Garibotti (AR)
Helmut Gargitter (IT)
Andrea Gennari Daneri (IT)
Omar Genuin (IT)
Luca Giupponi (IT)
Filippo Ghilardini (IT)
Gabriele Gorobey (IT)
Nicola Guzzo (IT)
Sina Heidari (IR)
Recep Ince (TR)
Jacopo Larcher (IT)
Rolando Larcher (IT)
Alessandro Larcher (IT)
Fabio Leoni (IT)
Ben Lepesant (LU)
Rossano Libera (IT)
Enrico Lovato (IT)
Beat Kammerlander (AT)
Michael Kemeter (DE)
Heinz Mariacher (AT)
Giovanni Massari (IT)
Samuele Mazzolini (IT)
Federica Mingolla (IT)
Leonardo Meggiolaro (IT)
Bruno Menestrina (IT)
Sergio Morra (IT)
Juan Sebastian Muñoz (CO)
Alessandro Neri (IT)
Franco Nicolini (IT)
Adam Ondra (CZ)
Maurizio Oviglia (IT)
Cesare Pastore (IT)
Fabio Palma (IT)
Roberto Pau (IT)
Francesco Piacenza (IT)
Michel Piola (CH)
Andrea Polo (IT)
Benjamin Ribeyre (FR)
Berni Rivadossi (IT)
Nicola Sartori (IT)
Stefano Salvaterra (IT)
Simone Sarti (IT)
Riccardo Scarian (IT)
Roger Schäli (CH)
Raphaël Schmid (CH)
Reini Scherer (AT)
Martin Scheel (CH)
Adriano Selva (IT)
Stephan Siegrist (CH)
Andrea Simonini (IT)
Erik Svab (IT)
Marco Sterni (IT)
Silvan Schüpbach (CH)
Nicola Tondini (IT)
Aykut Turem (TR)
Geremia Vergoni (IT)
Roberto Vigiani (IT)
Beppe Villa (IT)
Ermanno Zanetti (IT)
Alessandro Zeni (IT)

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Credits: Titelbild Rolando Larcher

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8 Kommentare

  1. Hallo zusammen
    Ich als Routeneinrichter werde diesen verpflichtenden Katalog nicht unterzeichnen da dieser zu absolut ist. Dazu habe ich folgende Begründungen:
    Bei etlichen Erstbegehungen ground up, begab ich mich in prekäre Situatonen, wobei sich dann beim Abseilen herausstellte, dass bei einer anderen Routenwahl, die halt eben ground up, ohne Vorauschecken so nicht absehbar war, eine korrigierte Routenführung für Wiederholer sowohl sicherer als auch schöner sein wird. Ich sehe keinen Grund auf die sowohl schönere als auch sicherere Variante zu Verzichten, da ich selber ja auch bei einer Wiederholung meiner eigenen Route keinesfalls mehr in die prekärere Variante klettern würde, wo ich ja beim Abseilen die bessere Linie entdeckt hatte.
    Wird auch als „Betrug“ gewertet wenn ich vorab mit einer Drohne oder dem Feldstecher, potentieller Fels auf Möglichkeiten prüfe? Selber habe ich bereits mehrmals auf das Einrichten einer Linie verzichtet, da ich beim Vorauschecken gemerkt hatte, dass da nichts schlaues herauskommen wird, obwohl es vielversprechend aussah. Vielleicht bewertet das eine andere Generation dann anders. Hier eine allgemeingültige Grenze zu ziehen ist schwer möglich.
    Für Klettergärten sehe ich keinen Grund auf ein Einrichten „von oben“ zu verzichten, sofern denn die Route zuerst im top rope wirklich geklettert wird und dabei die guten Clippunkte angezeichnet werden. Leider stelle ich immer wieder fest, dass Routen mutmasslich von oben, aber unsorgfältig eingebohrt werden. Dieser „Mehraufwand“ ist halt zu tätigen. Und genau darum saniere ich z.B. auch keine Routen die deutlich über meinem Niveau liegen, da ich deren richtigen moves und daher auch guten Clipppunkte nicht auschecken kann.
    Was ich unterstützen kann, ist die Ehrlichkeit beim deklarieren des Stils. So ist eine Einordnung der jeweiligen Leistung möglich.
    Alen Kletternden eine tolle Saison, ob Klettergarten oder wilde Mehrseillänge
    Patrik Müller

  2. Ich finde die Idee gut, aber muss man alles gleich reglementieren. Meiner Meinung nach ist es normal Erstbegehungen und besonders Mehrseillängenrouten von unten einzubohren. Doch muss es deshalb jeder so machen?
    Diese Überzeugung sollte aus dem Erstbegeher selber kommen und kann nicht vorgeschrieben werden.
    Es ist auch nicht gleich jede von unten erschlossene Route gut und jede von oben eingerichtete Route schlecht. Es gehört schon eine gute Portion Erfahrung dazu die Haken an die richtige Stelle zu setzen und das ist von unten meist logischer als von oben.
    Dennoch sind zu starre Regeln eher hinderlich für die Entwichlung des Sportes. Auch besteht beim Erstbegehen von unten die Gefahr, dass wichtige Griffstrukturen durch die Verwendung des Skyhooks beim Setzen der Haken zerstörrt werden.

    Es wurde sich auch früher mit Benzinbohrmaschienen stur nach oben gebohrt und in jedem 4. oder 5. Loch ein Haken belassen. Da würde es meiner Meinung nach reichen an die Erstbegeher zu appelieren, das in jedem Loch welches sie zum Fortbewegen nach oben benutzt haben bitte einen Haken hinterlassen damit alle Wiederholer die gleichen Chancen haben.

    p.s. Ich habe >500 Haken beim Erstbegehen von unten gesetzt und mehrere 100 schwere Mehrseillängen widerholt. Zudem komme ich aus dem Elbsandstein. Ich würde also behaupten ich weiß wovon ich rede.

  3. „By fair means“ ist offensichtlich in den Hintergrund gerückt. Charakter zeigen und nur die Mittel einsetzen, die nötig sind eine Erstbegehung durchzuführen und die heißt: nur von unten. Mit allen eingesetzten Mitteln spartanisch umgehen, sodass die Sicherheit gewahrt wird. Das Klettern ist keine Spielwiese, sondern es und bleibt eine Auseinandersetzung von Können, Fähigkeiten und Talent mit der Natur. Alles andere was darüberhinaus geht ist Unvermögen. Wer den Anforderungen nicht gewachsen ist, hat die Erstbegehung abzubrechen und demjenigen zu überlassen, der die Fähigkeiten umsetzen kann. Dazu sind wir moralisch verpflichtet. „In 25 Sekunden zurück ins Leben“, weiß, warum er dazu Stellung bezieht.

  4. Meiner Meinung nach sollte nicht der Stil des Einbohrens im Vordergrund stehen, sondern vor allem das Ergebnis. Sicherungen müssen an den richtigen Stellen sein und der Schwierigkeit und Absicherbarkeit mit Keilen und Friends angemessen sein. Kein Erstbegeher sollte Bohrhaken mutwillig weit entfernt setzen und lange Runouts in den Schlüssel-Seillängen produzieren. Wer Mut beweisen will, kann das auch ohne Bohrhaken tun

  5. Typisch elitäres, nicht-inklusives Old White Men Gehabe! Für die Natur und den Fels ist es eh egal, wie die Haken gesetzt wurden. Die Kletterinnen wünschen sich eine sichere Tour, die durch schönen Fels führt und wo man die Haken gut klippen kann. Ob da einer den Helden gespielt hat ist doch furzpiepegal. Für mich widerspricht solches Getue dem Kletterspirit.

    • Disclaimer: Im untenstehenden Text wird der Einfachheit halber oder unbeabsichtigt manchmal die männliche Schreibweise/Form angewandt. Es sind immer aber auch alle anderen Geschlechtsformen mitgemeint.

      Ich bin da nicht ganz einverstanden! Dem Felsen ist es ganz sicher komplett egal, wer, wie, warum oder was. Aber wenn du mit dem Kletterspitit oder mit Sicherheiteit argumentierst wird es heikel: Denn genau diese Punkte sind ausserordentlich vielseitig gelagert.

      Sicherheit: Super relativ, denn diese hängt alles andere als nur an der Absicherung einer Route zusammen. Da spielen viele soft skills rein, denn wo ich mich sicher bewege, bekommen andere, je nachdem, das reine Grauen. Genauso kann es mit dem „schönen Fels“ sein. Was ist schön?

      Kletterspirit: Da gibt es ganz bestimmt den absolut relaxten Typ. Ihm ist das genussreiche Zusammensein mindestens so wichtig wie das Klettern an sich. dann gibt es den ehrgeizigen Wettkampftyp. Verbissen und akribisch am Projekt. Das Dumme daran ist nun, dass bei den allermeisten Kletternden immer wieder Mischformen von jedem „Spirit“ angetroffen werden. Je nach Lust und Laune wechselnd.

      Zum „elitären, nicht inklusiven old white man Gehabe“. Da muss ich wohl aufpassen was ich in die Tasten drücke um mich nicht gleich selber in irgend einer ganz abwägigen Ecke des Regenbogens wieder zu finden. Ich vermute (belehre mich eines besseren) dass du eine Kletterrouten- Konsumentin bist. Das ist nicht als Vorwurf zu verstehen, denn Routeneinrichter „leben“ ja davon, oder jedenfalls diejenigen die ich kenne, dass ihre „Kunstwerke“ auch wiederholt und kommentiert werden.
      Als Routeneinrichter/in wird es bei jeder Neuroute oder Sanierung aber eine innere Auseinandersetzung geben über den Stil des Projekts. Immer. Was aus Sicht eines Routenwiederholenden elitär gelten kann, muss aufgrund eines möglichen Niveauunterschiedes zu den Wiederholenden, aus Sicht des Eröffners ganz und gar nicht elitär erscheinen. Der Einrichter entscheidet für welches „Publikum“ er seine Kreation (Helden- respektive Schandtat) hinterlässt.
      Wo ich dir allenfalls Recht gebe, ist die Tatsache, dass das Routeneinrichten und auch das clean Klettern (im Vorstieg) öfters eine männerdominierte Angelegenheit ist. Dem Kletter(sport) aber zum Vorwurf zu machen rassistisch zu sein, ist jedoch unfair und nicht gerechtfertigt, da es meines Wissens weltweit, auch im abgelegensten und traditionsbehaftetsten Klettergebiet erlaubt ist für Personen jedwelchen couleurs Neurouten zu kreieren. Es stimmt auch, dass es Einrichter gibt/gab, die bewusst ihre Routen, sagen wir einmal „idiotisch“ absichern. Das hat aus meiner Sicht aber nichts mit elitär zu tun. Dies wird es immer geben, sie werden in der Klettergemeinschaft jedoch meistens nicht mit besonders viel Ehre überhäuft und „ihre“ Route der Vergessenheit anheimfallen oder später sowieso komplett neu eingerichtet.
      Ich kann auch durchaus leben mit der „Diversität“ von Klettergebieten aufgrund deren Geschichte und Tradition. Yosemite, Elbsandstein oder Wendenstöcke. Ist egal, wer in diese Gebiete zum Klettern reist, lässt sich auf eine ganz bestimmte Spielform ein. Er wird sich entsprechend darauf vorbereiten. Sich daran erfreuen, oder enttäuscht von dannen ziehen.
      Was ich nicht unterstütze ist „kulturelle Aneignung“, dass es bei uns „wie in Yos oder im Elb sein MUSS. Und auch keine kulturelle Ausnivellierung, im Sinne von „so wie in Orpièrre muss es überall sein“. Dazu gibt es schlicht zuviele Felsen in unsere Welt!

      • Aber wer legt denn fest, was der Stil eines Gebiets ist? Und muss der Stil der Zukunft auch der Stil der Vergangenheit sein, nur weil es schon immer so war? Immerhin klettern wir auch nicht mehr mit Hanfseilen und Holzkeilen, nur weil das früher so gemacht wurde und gut genug war. Wenn wir von der Diversität der Klettergebiete reden, dann sollten wir auch akzeptieren, dass es in einem Gebiet sehr wohl unterschiedliche Stile geben kann, ohne dass man sich gegenseitig auf den Schlips tritt. Wir waren kürzlich am zweiten Kreuzberg unterwegs. Da gibt es die Südwandverschneidung als klassische Tour mit logischer Linie und hauptsächlich Schlaghaken. Und keine 10m daneben startet mit Elysium eine Sportklettertour. Tut die eine Tour der anderen Tour weh? Sicherlich nicht. Und dann finde ich es einfach falsch, wenn ein Herr Glatthard daherkommt und Haken anderer Leute wieder absägt, nur weil das nicht zu seiner Ansicht von den Wendenstöcken passt. Ähnliche Geschichten gibt es in fast jedem größeren Klettergebiet. Wer darauf besteht, dass es in einem Gebiet nur einen bestimmten Stil geben dürfte, unterstützt in letzter Konsequenz genau solche Leute.

  6. Fällt ungefähr in die Kategorie Markus the Clipstick Hutter…. narzisstische alte weiße Männer Attitüde. Eine völlige Überhöhung und Moralisierung einer Freizeitbeschäftigung.
    Im Zweifel – weniger ist mehr – lasst die Natur einfach Natur sein. In den allermeisten Fällen interessiert es sowieso niemanden, wer jetzt wie wo was ein“gebohrt“ hat. Diese Vorstellung, sich zu verewigen und über die eigenen Existenz hinaus, bewundert oder berühmt zu werden, haut meistens sowieso nicht hin ( bestes Beispiel ist diese peinliche Machoauseinandersetzung im Frankenjura – auch in diesem hier vorliegenden Fall glaube ich, dass sich irgendeiner von den Herren über einen Kollegen geärgert hat und nun wird diese Diskussion geführt ). Vor allem, ob irgendjemand sagen würde, oh nooooo, die Route wurde aber nicht im Sinne eines ethischen Ground-up-Bolting eingerichtet…. Also dann bitte in Zukunft nur noch ecopoint zum Felsen und ethisches Ground-up-Bolting.

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