Der deutsche Alpinist Fabian Buhl holt sich die erste freie Begehung der Mehrseillängenroute Déja (8c+, 10SL) im schweizerischen Rätikon. Die Route wurde vor 27 Jahren durch Michi Wyser und Andres Lietha eingerichtet.

Was für eine Geschichte. Am 12.09.1992 eröffneten Michi Wyser die Mehrseillängenroute Déja (8c+, 10SL) im Klettergebiet Rätikon. Den beiden war klar, die schwierigste Seillänge der Tour können sie niemals frei klettern, weshalb sie die Länge technisch einrichteten.

“Wir haben insgeheim gehofft, dass irgendjemand die Tour sicherlich einmal frei klettern kann. Dass es 27 Jahre dauert, bis jemand die Tour rotpunkt klettert, hätten wir natürlich nicht gedacht.”

Andres Lietha
Bild Stefan Schlumpf

Vor rund vier Jahren hat sich der deutsche Profialpinist Fabian Buhl an die Route gewagt. Erste Versuche machte er im Alleingang und lud dann Jacopo Larcher ein, die Route mit ihm zusammen zu probieren.

“Wir haben schnell gemerkt, dass die Schlüssellänge sehr schwierig ist und sehr stark von den Bedingungen abhängig ist.”

Fabian Buhl über die Route Déja

In den vier Jahren kam Fabian immer wieder zurück ins Rätikon, feilte an kleinen Details und verbesserte seine Beta, insbesondere in der Schlüssellänge. Er kletterte oft alleine, immer wieder in Begleitung und fuhr sogar in den Sommermonaten ins Rätikon, um in der Nacht an den einzelnen Zügen zu arbeiten.

Braucht es in der Route Déja: Fingerstrom und solide Technik. (Bild Diego Defilla/Petzl)

Herbst 2019: Training und Fokus

Schlüssel zum Erfolg war es für Fabian Buhl, seinen Fokus aufs Klettern und die Route an sich zu konzentrieren. Seine Freundin Melissa Le Nevé hat ihm geholfen, sich auf das Training und Felsklettern zu konzentrieren.

“Ab Oktober habe ich mich dann voll und Ganz auf Déja konzentriert. Mit jedem Tag in der Route fühlte ich mich näher am Durchstieg.”

Fabian Buhl

Trotz des Trainings und der Verbissenheit in das Projekt blieb ihm die Schlüsselstelle verwehrt. Langsam aber sicher neigte sich der Herbst dem Ende zu und die Temperaturen wurden winterlich kalt. Es wurde immer schwieriger, Seilschaftspartner zu finden, die gewillt waren, Fabian bei denkbar ungemütlichen Bedingungen zu sichern.

Einer der hartgesottenen Sicherungspartner war Andres Lietha, der die Route zusammen mit Michi Wyser vor 27 Jahren einrichtete. Er war es denn auch, der Fabian Buhl bei der ersten freien Begehung von Déja am 27. November 2019 sicherte und damit die Geschichte um die Rotpunktbegehung komplettierte.

Andres Lietha stosst mit Fabian Buhl auf die erste freie Begehung der Route Déja an. (Bild Petzl)

Kurzfilm über die Erstbegehung der Mehrseillängenroute Déja durch Fabian Buhl

Infos zur Route Déja im Rätikon

Name: Déjà
Schwierigkeitsgrad: 8c+
Seillängen: 6a+, 6c+, 6b+, 7c, 8c+, 7c+, 6b+, 6b+, 7c+, 7a, 8a+, 6b+
Länge: 400m
Eingerichtet: 12.9.1992 durch Michi Wyser & Andres Lietha
Erste freie Begehung 27.11.2019 Fabian Buhl mit Sicherungspartner Andres Lietha 

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Credits: Titelbild (Bild Diego Defilla/Petzl)