In der letzten Zeit ist die IFSC mit Entscheiden des öfteren angeeckt. In den Kommentarspalten wird teils scharf gegen den internationalen Sportkletterverband geschossen. Und auch die Athletinnen und Athleten selbst üben Kritik. Ist diese Kritik angebracht oder nicht?

Sei es die Zusammenarbeit mit der kostpflichtigen Streamingplattform Discovery+ oder die Abgabe von Bildern der Qualifikationsboulder am Weltcupauftakt in Meiringen: Die IFSC sorgte mit ihren Entscheiden für Gesprächsstoff. Dies nicht nur unter Athletinnen und Athleten sowie Trainern, sondern auch innerhalb der Klettercommunity.

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In den Sozialen Medien weht der IFSC ein rauer Wind entgegen.

Die Kostenpflicht

Letztere störte sich vor allem daran, dass innerhalb von Europa für die Live-Übertragung aller IFSC Weltcups und Weltmeisterschaften bezahlt werden muss. Am 25. März 2022 hatte die IFSC in einer Medienmitteilung eine dreijährige Partnerschaft mit Discovery Sports bekanntgegeben. Diese Partnerschaft hat zur Folge, dass Wettkämpfe ab dieser Saison in Europa nur noch kostenpflichtig live mitverfolgt werden können.

Einziger Wehrmutstropfen: Die Aufzeichnung der Wettkämpfe können mit einer künstlichen Verzögerung von 24 Stunden kostenlos angeschaut werden. Zudem liegen die Kosten für ein entsprechendes Abo bei Discovery Sports mit rund 60 Euro pro Jahr deutlich tiefer als noch 2017, als die IFSC eine Zusammenarbeit mit FloSports anstrebte, den Plan aufgrund des massiven Wiederstandes aus der Kletterszene jedoch wieder verwarf.

Die Vorwürfe der Geldmacherei aus den Kommentarspalten kontert die IFSC mit einem Hinweis auf dessen Gesellschaftsform. Der Internationale Kletterverband ist eine gemeinnützige Organisation. Alle Einnahmen, welche die Organisation aufbringen könne, würden wieder in den Sport reinvestiert.

„Die Vereinbarung mit Discovery wird das Profil unseres Sports und unserer Athleten schärfen.“

IFSC-Präsident Marco Scolaris

„Zudem wird unsere Vereinbarung mit Discovery das Profil unseres Sports und unserer Athleten schärfen“, so IFSC-Präsident Marco Scolaris in der Medienmitteilung zum Dreijahres-Deal. Ein Effekt von dem sich der Verband positive Auswirkungen auf die Sponsoringmöglichkeiten der Athletinnen und Athleten erhofft.

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Übt Kritik an der IFSC: Alex Megos, hier während des Weltcupauftaktes in Meiringen. Bild: Jan Virt, IFSC

Die Visibilität

Dies führt uns zum nächstem Punkt, die für die Kletterprofis so wichtige Sichtbarkeit. Alex Megos äusserte im Anschluss an den Weltcup in Meiringen bedenken, dass der Live-Stream innerhalb Europas nicht mehr kostenlos verfügbar sei. „Wir sind die Protagonisten an den Wettkämpfen und wir wollen von so vielen Leuten wie möglich gesehen werden“, so der deutsche Profikletterer. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da.

„Wir sind die Protagonisten an den Wettkämpfen und wir wollen von so vielen Leuten wie möglich gesehen werden.“

Alexander Megos

Die IFSC schreibt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es unmöglich sei, dieses Thema nach nur einem Wettkampf zu beurteilen. Die Zahlen würden auf keinen Einbruch der Reichweite hindeuten, wie ein Vergleich der Zuschauerzahlen 2021 und 2022 am Beispiel des Boulderweltcups in Meiringen zeige. Der internationale Kletterverband weist stattdessen darauf hin, dass Discovery als zweitgrösster olympischer Broadcaster eine ganzjährige Berichterstattung in mehr als 50 Ländern und 19 Sprachen garantiere.

Die Kreativität

Ein weiterer umstrittener Entscheid der IFSC ist direkt mit dem Weltcup in Meiringen verknüpft. Dort wurden erstmals Fotos der Qualifikationsboulder an die Athleten und Coaches in den Aufwärm- und Wartebereichen abgegeben. Laut Verband wurde diese Regel aus Überlegungen der Fairness eingeführt. Sie sollte sicherstellen, dass kein Team, welches im Vorfeld eines Wettkampfs eventuell einen Blick auf die Boulder werfen konnte, bevorteilt ist.

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Auf den Sozialen Medien teilten verschiedene Athletinnen und Athleten das Statement, in welchem die neue Regelung des IFSC kritisiert wird.

Eine löbliche Idee, deren Umsetzung zumindest in Meiringen unglücklich verlief. Hier kommt wiederum Alex Megos ins Spiel, der die neue Regelung öffentlich in Frage stellte. Einerseits bemängelte er, dass nicht alle Athleten gleich viel Zeit gehabt hätten, sich die Bilder anzusehen. Andererseits – und in seinen Augen noch viel zentraler – schade diese Handhabe dem Wesen des Wettkampfboulderns, bei dem sich die Athleten unter Zeitdruck an eine sich ständig verändernde Umgebung anpassten. „Das ist die Magie des Boulderns. Die Kreativität der Problemlösung ist es, die unseren Sport einzigartig macht.“

„Das ist die Magie des Boulderns. Die Kreativität der Problemlösung ist es, die unseren Sport einzigartig macht.“

Alexander Megos

Die Mitsprache

Des Weiteren kritisieren verschiedene Athletinnen und Athleten die mangelnde Partizipation an der Entscheidungsfindung solcher Änderungen seitens des Verbandes. Der Entscheid sei in direktem Widerspruch zu den Rückmeldungen mehrerer Mitglieder der Athletenkommission getroffen worden.

Diesen Vorwurf lässt die IFSC nicht gelten. „Die Entscheidung wurde im Dezember 2021 bei einer persönlichen Sitzung der Sportabteilung getroffen, an der auch Vertreter der Athleten- und Trainerkommissionen teilnahmen.“

„Die Entscheidung wurde im Dezember 2021 bei einer persönlichen Sitzung der Sportabteilung getroffen, an der auch Vertreter der Athleten- und Trainerkommissionen teilnahmen.“

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Shauna Coxsey (zweite von rechts) und Sean McColl (rechts) vertreten die Athletenkommission im Executive Board der IFSC, hier an der Generalversammlung. Bild: Jan Virt, IFSC

Die Athletinnen- und Athleten-Kommission der IFSC setzt sich aus 13 Athletinnen und Athleten zusammen und wird derzeit von der Britin Shauna Coxsey präsidiert. Die Athlets Commission trifft sich laut IFSC regelmässig mit einem oder mehreren Repräsentanten des Verbandes. Die Präsidentin und der Vize-Präsident seien zudem in der Geschäftsleitung vertreten, welche sich monatlich treffe.

Das Fazit

Kommende Woche steht in Seoul der nächste Weltcup im Wettkampfkalender. Dann wird sich zeigen, ob es der IFSC gelingt, die Handhabe bei den Quali-Bildern zu verbessern. Inwiefern die Paywall die Sichtbarkeit der Athletinnen und Athleten in der Öffentlichkeit beeinflusst, wird sich erst in ein paar Monaten sagen lassen, wenn verlässliche Zahlen zur Verfügung stehen.

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Credits: Titelbild Jan Virt, IFSC

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