Der Internationale Sportkletterverband (IFSC) unternimmt nach 2017 einen zweiten Anlauf, um die steigende Popularität des Klettersports zu monetarisieren. Per Medienmitteilung vom Freitag verkündete der IFSC eine dreijährige Partnerschaft mit der kostenpflichtigen Streaming-Plattform Discovery+. Wer sich in Europa die IFSC-Weltcups und Weltmeisterschaften bis Olympia 2024 ansehen will, muss entweder zahlen oder auf die zeitverzögerte Übertragung warten.

Am Freitag hat der Internationale Sportkletterband angekündigt, innerhalb Europas alle IFSC-Weltcups und Weltmeisterschaften bis Olympia 2024 in Paris auf Discovery+, der Eurosport-App und den linearen Kanälen von Eurosport zu übertragen. Die Veranstaltungen würden zwar weiterhin über den beliebten und kostenlosen The-Olympic-Channel gestreamt, jedoch erst 24 Stunden nach dem Ende jeder Live-Runde innerhalb jeder Veranstaltung.

Zweiter Anlauf für Abo-Pflicht: Erinnerungen werden wach

Die Kostenpflicht ist in der Kletterszene umstritten. Und auch wenn es der IFSC versäumte, auf den sozialen Medien über die geplante Neuerung zu informieren, wird in den Kommentarspalten bereits wieder hitzig diskutiert. Die Ankündigung des Internationalen Sportkletterverbandes weckt Erinnerungen an die geplante Abo-Pflicht aus dem Jahr 2017.

Athleten zeigen der IFSC die rote Karte in Meiringen (Diego Schäppi Photography)
Weltcupauftakt 2017 in Meiringen: Athletinnen und Athleten zeigen der IFSC die rote Karte in Meiringen. Bild: Diego Schäppi Photography

Damals hätten Kletterinteressierte tief in die Tasche greifen müssen, um sich die Weltcups anschauen zu können. Das Abo des Partners FloSports lag bei rund 150 CHF pro Jahr. Die geplante Zusammenarbeit mit dem Sport-TV-Anbieter löste in der Klettercommunity einen Sturm der Entrüstung aus. 12500 Personen unterzeichneten eine Petition, an der Eröffnungszeremonie des Weltcups in Meiringen zeigten die Athletinnen und Athleten dem Verband die rote Karte. Der Protest zeigte Wirkung, wenig später krebste der IFSC zurück.

Discovery-Abdeckung in Europa wirft Fragen auf

Die am Freitag verkündete Partnerschaft mit Discovery+ verfolgt zwar dieselbe Idee, jedoch in abgeschwächter Form. Einerseits liegen die Abo-Gebühren für das Entertainment und Sport Package von Discovery+ mit rund 60 Dollar pro Jahr tiefer. Andererseits besteht weiterhin die Möglichkeit, die IFSC-Veranstaltungen kostenlos anzuschauen – wenn auch erst 24 Stunden nach Ende der jeweiligen Live-Runde. Angesichts dieser Umstände ist es fraglich, ob sich der IFSC noch einmal von seinen Plänen abbringen lässt.

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Discovery+ ist in Europa derzeit nur in Dänemark, Finnland, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Grossbritannien und Irland erhältlich.

Innerhalb von Europa ist das Streaming-Modell von Discovery+ gemäss ISFC-Medienmitteilung nur in einer Handvoll Länder verfügbar, darunter, Dänemark, Finnland, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Grossbritannien und Irland. Was bedeutet dies für Kletterfans aus anderen europäischen Ländern?

Kein Problem, sagt IFSC-Sprecher Marco Vettoretti auf Anfrage. Eurosport sei Teil der Discovery Gruppe und grundsätzlich in jedem Land Europas verfügbar. Die Angebote auf beiden Plattformen seien identisch. „Das bedeutet, dass die IFSC-Events in einigen Ländern nur auf Eurosport verfügbar sein werden, während sie in anderen Ländern auf beiden Streamingplattformen – Discovery+ sowie Eurosport App – erhältlich sind.“ Und wer kein Abonnement bei Discovery/Eurosport habe, ergänzt Marco Vettoretti, könne jede Runde 24 Stunden später kostenlos auf dem Olympic Channel verfolgen.

Popularität steigern, Sponsoringmöglichkeiten verbessern

Der Internationale Sportkletterverband begründet die Zusammenarbeit mit Discovery Sports in seiner Medienmitteilung mit der Absicht, die Popularität des Sportkletterns weiter zu steigern. „Mehr als alles andere wird unsere Vereinbarung mit Discovery das Profil unseres Sports und unserer Athleten schärfen, was zu grösseren Sponsoringmöglichkeiten für alle Kletterer auf der ganzen Welt führen sollte“, lässt sich IFSC-Präsident Marco Scolaris im Communiqué zitieren.

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Steigendes öffentliches Interesse: Klettern erfreut sich spätestens seit Olympia grosser Beliebtheit; eine Tatsache, die der IFSC zu Geld machen will. Janja Garnbret am Weltcup in Innsbruck 2021. Bild: Lena Drapella/IFSC

„Mehr als alles andere wird unsere Vereinbarung mit Discovery das Profil unseres Sports und unserer Athleten schärfen, was zu grösseren Sponsoringmöglichkeiten für alle Kletterer auf der ganzen Welt führen sollte.“

Marco Scolaris, Präsident IFSC

Man sei zuversichtlich, dass die Partnerschaft dazu beitragen werde, die Position als eine der am schnellsten wachsenden olympischen Sportarten zu festigen, so Marco Scolaris weiter. „Und dass sich dank der grösseren Bekanntheit immer mehr Menschen dafür interessieren, Klettern nicht nur sehen, sondern es auch auszuprobieren.“

IFSC-Weltcup-Serie 2022: Die Übersicht

  • 8. – 10. April – Meiringen (SUI) – Boulder
  • 6. – 8. Mai – Seoul (KOR) – Boulder, Speed
  • 20. – 22. Mai – Salt Lake City (USA) – Bouldern
  • 27. – 29. Mai – Salt Lake City (USA) – Boulder, Speed
  • 10. – 12. Juni – Brixen (ITA) – Boulder
  • 22. – 25. Juni – Innsbruck (AUT) – Boulder, Lead
  • 30. Juni – 2. Juli – Villars (SUI) – Lead, Speed
  • 8. – 10. Juli – Chamonix (FRA) – Lead, Speed
  • 22. – 23. Juli – Briançon (FRA) – Lead
  • 2. – 3. September – Koper (SLO) – Lead
  • 24. – 26. September – Jakarta (INA) – Lead, Speed
  • 30. September – 2. Oktober – Wujiang (CHN) – Lead, Speed
  • 6. – 9. Oktober – Chongqing (CHN) – Boulder & Lead
  • Oktober – Ort in Japan wird noch festgelegt – Boulder

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Credits: Titelbild Jan Virt/IFSC

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