Der französische Kletterer Jules Marchaland hat in der Hanshelleren-Höhle bei Flatanger das alte Ondra Projekt „King Kang“ erstbegangen. Für die dynamische Linie schlägt der 25-Jährige eine Bewertung von 9b+ vor.
Ondras Linie, endlich geklettert
Jules Marchaland hat in der Hanshelleren-Höhle bei Flatanger „King Kang“ erstbegangen. Eingebohrt hat die Linie kein Anderer als der tschechische Superstar Adam Ondra. „King Kang“ ist nach Marchalands Angaben die ursprüngliche, direkte Linie von „Kangaroo’s Limb“ (9a+) – jener Variante, die Ondra 2013 selbst geklettert hat.
Eine Traumroute für alle, die gerne springen. Wahrscheinlich eine neue Routenart in diesem Schwierigkeitsgrad: ein dynamischer Boulder mit Seilsicherung. Absolut genial, vielen Dank nochmal, Pabst Adam!
Jules Marchaland auf Vertical Life
Den direkten Ausstieg ließ Ondra damals offen. Den Sprung konnte er als Einzelzug halten, aber nicht in Durchstiegsnähe verbinden. In seinem Logbuch auf 8a.nu hinterließ er einen Aufruf: „Alle Dyno-Spezialistinnen und -Spezialisten: Kommt vorbei und probiert es!“ Marchaland nahm die Einladung an. Bis zum Absprung klettert man einen Teil der Crux von „Kangaroo’s Limb“ plus drei Züge in die Sprungposition – nach Marchalands Einschätzung etwa 9a bis 9a+. Den Sprung selbst verortet er um 8A+/8B. Darth Grader gibt Marchaland recht und macht daraus eine Schwierigkeit von 9b+.
Sechs Tage für den Send
Letztes Jahr kam Marchaland nur auf zwei Tage in der Route, und das krank. Dieses Jahr fühlte er sich schnell wohl, vier weitere Tage reichten um das Projekt abzuschließen. Fünf Tage vor der Reise hatte er sich zudem den großen Zeh verstaucht. Der störe ihn aber glücklicherweise nur in bestimmten Positionen, schreibt er – in dieser Route nicht.
„Dieser Sprung ist wild und lässt das Ganze definitiv wie einen Ein-Zug-Boulder wirken. Ich bin echt froh, dass ich es geschafft habe, bevor ich immer wieder am selben Zug scheitere – sowas passiert mir viel zu oft.“
Jules Marchaland
Gegenüber 8a.nu nennt er „King Kang“ eine Traumroute für alle, die gern springen: vermutlich eine neue Art von Route in diesem Grad, ein dynamischer Boulder am Seil.
9b+ – mit offenem Vorbehalt
Mit dem Grad tat sich Marchaland selbst schwer. Im Instagram-Post schreibt er: „Beim Grad fühlte ich mich nicht ganz sicher, 9b+ auszurufen, aber nachdem ich es mit Adam durchgesprochen habe, fühlt es sich richtig an. Die Anstrengung ist kurz, und schon ein bisschen Vorermüdung vor so einem harten Dyno macht einen riesigen Unterschied.“ Ob sich der Vorschlag hält, wird aber erst eine Wiederholung zeigen.
Vom Weltcup an den Block
Dass Marchaland den dynamischen Sprung hält, passt ins Bild. Seit der 25-Jährige im vergangenen Sommer mit den Lead-Weltcups aufgehört hat, hat er sich im Lead und auch beim Bouldern weit nach vorn gearbeitet: Auf der Tickliste des jungen Franzosen befinden sich inzwischen 29 Routen von 9a aufwärts. Außerdem 6 Boulder im Grad 8C – davon ein Flash – und eine 8C+.
In Flatanger ist er ohnehin kein Unbekannter. Im September 2025 kletterte er dort „Kangaroo’s Limb“ und „Illusionist“ (9a). Die Linien hatten vor ihm unter anderem Jakob Schubert, Stefano Ghisolfi und Alexander Megos wiederholt. Wir sind gespannt auf die erste Wiederholung von „King Kang“
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Credits Titelbild: Archivbild – Marchaland in Le bruit de l’acid: Yulen Calleja Ordiz

