Sollten Kletterhallen die Fähigkeiten ihrer Besucherinnen und Besucher genauer prüfen? Sollten Kletterhallen bestimmen, welches Sicherungsgerät verwendet werden darf? Kletterhallen in der Schweiz unterscheiden sich stark von kanadischen Hallen. Christine Sievers wagt einen Blick über den Tellerrand und einen Vergleich der beiden Kletterhallenkulturen.

Ein Gastbeitrag von Christine Sievers

In Schweizer Kletterhallen aufgewachsen, formen sich schnell sehr konkrete Vorstellungen darüber, wie das Betreiben dieses Sports auszusehen hat. Das Paradoxe an diesen konkreten Vorstellungen ist, dass sie nichts Konkretes mit sich bringen, und schlussendlich einfach nur liberale Feststellungen darüber sind, dass unterschiedliche Kletterer unterschiedliche Vorlieben für Sicherungsgeräte, Knoten und den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg in das Vorstiegsklettern entwickeln.

Dementsprechend haben Kletterhallen hierzulande – nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Österreich – oft keine klaren Regeln darüber, wer wann was an den Indoor-Routen betreiben darf. Vieles passiert aus einem Gedanken der Selbstverantwortung heraus: Der Kletterer selbst evaluiert seine oder ihre Fähigkeiten. Auch wenn Diskussionen über Einschränkungen existieren, wie zum Beispiel Einschränkungen zum Gebrauch von bestimmten Sicherungsgeräten oder Einführungskurse als potentiell verpflichtend zu betrachten, ist die Philosophie der Kletterhallen in den Kantonen also eine weitestgehend Laissez-faire geprägte.

Macht man sich über den Ozean hinweg in Richtung Nordamerika wird der europäisch-liberale Kletterhallenbenutzer schnell vom Kulturschock übermannt

Dies jedoch ist nichts Gegebenes. Macht man sich über den Ozean hinweg in Richtung Nordamerika wird der europäisch-liberale Kletterhallenbenutzer schnell vom Kulturschock übermannt: Kletterhallen dort präsentieren sich mit einer geradlinigen, klaren und äusserst strengen Sicherheitspolitik, die wenig Raum für eigene Entscheidungen lässt, dafür jedoch einen einfachen und vielleicht sichereren Zugang zum Klettern erlaubt.

Auch wenn der Mangel an Freiheit dort scheinbar negative Auswirkungen auf Risk-Management-Qualitäten der Kletterer hat, stellt sich anhand der offensichtlich grossen Differenzen die Frage, welche Philosophie die zu bevorzugende ist, und vor allem welche Aufgaben und Verantwortungen Kletterhallen in Bezug auf Kletteranfänger übernehmen können und sollen. 

Ein Sicherungstest oder kein Sicherungstest? 

Die kulturellen Unterschiede zwischen einer durchschnittlichen Schweizer und einer durchschnittlichen kanadischen Kletterhalle sind bereits augenfällig, bevor man überhaupt mit dem Klettern beginnt. Das Erste was zu tun ist in einer Schweizer Kletterhalle, neben dem Bezahlen des Eintritts, ist das Unterschreiben einer Verzichtserklärung, auf der man Erfahrungen im Vorstiegs- und Topropesichern bestätigt oder verneint. Dann, und dies ist in vielen Europäischen Kletterhallen der Fall, kann das Klettern bereits beginnen. 

Anstelle des schriftlichen Bestätigens der eigenen Fähigkeiten tritt ein Sicherungstest, ein tatsächliches Vorführen der eigenen Sicherungskünste unter Prüfungsbedingungen.

Das Erste was einem liberalen, europäischen Kletterer in den Hallen auf der anderen Seite des atlantischen Ozeans begegnet ist ein Abgrund: unabhängig von all den wichtigen und unwichtigen Erfahrungen, die man bereits draussen und drinnen im Vor-und Nachstieg gesammelt hat, einfach so klettern geht hier plötzlich nicht. Anstelle des schriftlichen Bestätigens der eigenen Fähigkeiten tritt ein Sicherungstest, ein tatsächliches Vorführen der eigenen Sicherungskünste unter Prüfungsbedingungen.

Ein Sicherungstest wird nur für das Topropeklettern durchgeführt

Wie schlimm kann dies schon sein, denkt man sich. Doch unerwartete Schwierigkeiten warten. Zum einen sollte man sich darauf einstellen, dass diese einfachen Sicherungstests nur für das Topropeklettern durchgeführt werden, und Vorstiegsklettern einer noch umständlicheren Sonderbehandlung zum Opfer fällt: so schnell werden Sie in Kanadas Kletterhallen die Routen nicht im Vorstieg geniessen können. Zum anderen erwarten den Neuankömmling harsche Regeln in Bezug auf das zu verwendende Sicherungsgerät: Ist man zum Beispiel das Sichern mit einem hier weitflächig gebrauchten Smart gewöhnt, wird in kanadischen Kletterhallen das verpflichtende Sichern mit dem Grigri, auch und natürlich während des Sicherungstests, Stirnrunzeln verursachen. Doch ohne Grigri kein Klettern.

Ohne Grigri kein Klettern.

Ähnlich un-liberal geht es bei der Wahl des Einbindeknotens zu. Eine Doppelacht mit einem doppelten Fischerknoten sind Pflicht und nicht verhandelbar. Man wäre nicht der erste Kletterer hier der aufgrund eines fehlenden Fischerknotens – trotz einer Bilderbuch-perfekten Doppelacht – durch den Eingangstest fiele.

Unterschiedliche Auffassung zur Bremshandposition

Für die meisten Kletterer jedoch präsentieren solche Einschränkungen an und für sich kein grosses Hindernis, bis es dies doch tut: unterschiedliche Auffassungen über die korrekte Bremshandposition am Seil könnten zum Stolperstein werden, denn so unflexibel die Kletterhallen in Kanada mit Sicherungsgeräten sind, so sind sie es auch mit Handpositionen – als wären unterschiedliche Auffassungen über das beste Handling des Grigri nur ein Mythos.

So unflexibel die Kletterhallen in Kanada mit Sicherungsgeräten sind, so sind sie es auch mit der Bremshandposition.

Und dann, wenn man nicht aufpasst, wenn man andere Knotenpräferenzen oder keine Erfahrungen mit der kanadischen Version der Handhabung des Bremsseils hat, kann es passieren, dass das eigentliche Klettern erst einmal in weite Ferne rückt, denn ohne diesen bestandenen Test, gibt es kein Klettern. Passt man nicht auf, wird man dazu berufen an einen Topropekletterkurs teilzunehmen und dies präsentiert für einen erfahrenen Kletterer sicher einen unfreiwilligen «humbling moment».

Man mag Kritik und hämische Kommentare für diese strikte Handhabung des Kletteralltags aufbringen, doch es gibt gewichtige Argumente für die strenge Politik.

Man mag Kritik und hämische Kommentare für diese strikte Handhabung des Kletteralltags aufbringen, doch es gibt gewichtige Argumente für die strenge Politik: Unfälle passieren in Kletterhallen, bei Eigenauskünften über Sicherungsfähigkeiten wird sicher regelmässig geflunkert.

Potenzielle Unfälle in der Halle nehmen durch gewisse Normen ab

Normt man die Art des Sicherns und das Sicherungsgerät, minimieren sich die potentiellen Unfälle, nicht nur weil Fehler innerhalb der Seilschaften auf ein Minimum heruntergeschraubt werden, sondern auch weil das Personal in der Halle nur noch Kenntnisse zum Grigri in einer konkreten Handhabung besitzen muss, was wiederum die Kontrollen erleichtern.

Normt man die Art des Sicherns und das Sicherungsgerät, minimieren sich die potentiellen Unfälle, nicht nur weil Fehler innerhalb der Seilschaften auf ein Minimum heruntergeschraubt werden

Trotzdem bleibt die Frage offen, inwieweit strikte Regeln wirklich einen sichereren Kletterer hervorbringen. Betritt man zum Beispiel eine Kletterhalle in Toronto, Ontario, wird man schnell vom Gegenteil überzeugt. Es überrascht die Fülle an verschiedener Sicherungsstilistik, die von unorthodox zu gefährlich variiert.

Das Normen dieses Ablaufes trägt also zumindest nicht offensichtlich etwas zur Eliminierung von Sicherungsfehlern bei.  Dies hat seine Ursache paradoxerweise wahrscheinlich eben in den strengen Regulierungen, die ein Vorgaukeln an Sicherheit und damit Nachlässigkeit zur Folge haben, aber auch im Zwang, nicht mit dem gewohnten Sicherungsgerät arbeiten zu dürfen: ein erfahrener Kletterer ist und bleibt der bessere Sicherer an dem Gerät, mit dem die meisten Erfahrungen gesammelt wurden.

Ein neues Sicherungsgerät, eine ungewohnte Technik trägt sicher nicht zur korrekten, schnellen Entscheidungsfindung in kritischeren Momenten des Kletterns bei.

Vorstiegsklettern ja oder nein? 

All dies, wie erwähnt, betrifft das Topropeklettern, eine in unseren Breiten eher stiefmütterlich behandelte Seilkletterform. Möchte man im Vorstieg trainieren, werfen sich in kanadischen Kletterhallen noch ganz andere Hürden auf. In vielen Provinzen Kanadas bedarf die Erlaubnis zum Vorstiegsklettern eines Tests, in dem der Kletterer an Routen eines bestimmten Schwierigkeitsgrads seine Fähigkeiten zur Schau stellt.

In Torontoer Kletterhallen muss zum Beispiel einem Angestellten der Halle eine 5.10+ (dies entspricht ca. einer französischen 6b) mit einem Dachelement im Vorstieg vorgeklettert werden. Eine andere Kletterhalle verlangt das Vorzeigen eines Vorstiegs einer 5.10- und einer 5.10+ nacheinander, ohne Pause, also als Rotpunktklettern. Hier, in diesen Regularien, findet sich der wahrscheinlich prägnanteste kulturelle Unterschied zwischen europäischen und kanadischen Kletterhallenkulturen.

Eine Vielzahl an Kletterern in Europa beginnen das Klettern im Vorstieg und nicht im Toprope.

Eine Vielzahl an Kletterern in Europa beginnen das Klettern im Vorstieg und nicht im Toprope. Andere klettern seit Jahren einfache Vorstiegsrouten, sind jedoch nicht weniger sicher oder qualifiziert in diesen einfachen Graden, die sie ohne Probleme absolvieren können. Auch wenn sie vielleicht nicht in der Lage sind ein Dachelement zu klettern, sind sie gute und sichere Kletterer in dieser Disziplin. Gutes, sicheres Vorstiegsklettern kann und sollte nicht nur am Grad gemessen werden, denken wir hierzulande.

Selbsteinschätzung jedoch findet wenig Raum in kanadischen Kletterhallen.

Dies ist eine Feststellung, die sich vor allem auch an erfahrene, ältere Kletterer richtet, die unter Umständen nicht mehr die Kraftintensivsten Routen klettern, aber dafür vor allem erfahrene Kletterer, mit hochentwickelten Risk-Management-Qualitäten sind. Generell wird hierzulande also die Frage danach, ob jemand eine Route im Vorstieg klettern sollte oder nicht, als eine Frage der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten behandelt. Selbsteinschätzung jedoch findet wenig Raum in kanadischen Kletterhallen, deren Regulierung des Wer- darf- was- wann in der Kletterhalle, auch aufgrund von Versicherungen und Haftungsverpflichtungen, versucht wird objektiv zu messen. 

Eine Politik der Sicherheit versus eine Politik der Selbstverantwortung  

Doch ist das kanadische Motto «es gibt nie zu viele Vorsichtsregeln» wirklich eines, dass für das Klettern taugt? Zweifel wurden bereits angemeldet. Ein weiteres gutes Beispiel kanadischer Sicherheitsregulierungen und deren etwaige Folgen ist die Hallenbodenausstattung. Die Indoor-Seilkletteranlagen in Ontario sind übergrosse Bouldermatten: In Hallen kommt ein weicher, gefederter Boden zum Einsatz, nicht nur direkt unter den Routen, sondern tatsächlich über die Gesamtfläche des Kletterareals verteilt.

Wer schon Bekanntschaft mit den meist ungepolsterten, harten Böden in Schweizer Hallen gemacht hat, mag die kanadische Variante wirklich bevorzugen.

Auf den ersten Blick bringt diese Architektur ein erleichterndes Element mit sich: keine Angst mehr vor einem Sicherer, der uns beim Ablassen kurz vor dem Boden noch einmal mehr Geschwindigkeit mitgibt und keine Furcht mehr vor Fällen vor dem ersten Clip. Wer schon Bekanntschaft mit den meist ungepolsterten, harten Böden in Schweizer Hallen gemacht hat, mag die kanadische Variante wirklich bevorzugen.

Doch dieser kleine Unterschied hat Auswirkungen auf das Verhalten der Hallenbesucher und damit auf die Kletterer: zu schnelles Ablassen des Kletternden und waghalsige, fragwürdig-dynamische Einstiege in Routen sind ein alltägliches Bild. Es ist genau diese alltägliche Nachlässigkeit, die in der Kletterhalle nichts kostet, doch draussen am Felsen einen grossen Unterschied zwischen angenehmem Nachmittag und traumatischem Erlebnis machen kann.

Der Schritt an den Fels kann gefährlich werden

Für den durchschnittlichen Anfänger zumindest, der, wie so viele Kletterer heutzutage, in einer Kletterhalle das Klettern erlernt, mag eine solche Nachlässigkeit schwer abzustellen sein, wenn er dann, wie so viele, sich am echten Felsen ausprobieren möchte. Wie kann er auch flexibler auf seine Umgebung reagieren, wenn alles was ihm oder ihr bisher in der kurzen Kletterkarriere untergekommen ist, festgelegte Regeln waren, die wenig Raum für das eigene Evaluieren einer Situation liessen. Der Mangel an Raum für Selbsteinschätzung und Eigenverantwortung, der mit einer strikten Sicherheitsregulierung einher geht, kann sich also durchaus eher als Sicherheitsrisiko, denn als Sicherheitsgewährleistung präsentieren. 

Und so mag sich der eine oder andere die Frage stellen, inwieweit die kanadische Kletterhallenphilosophie überhaupt einen Mehrwert an Input und Inspiration für unsere Kletterhallen hierzulande bietet? Eine Antwort sollte aus der Perspektive eines Kletteranfängers gegeben werden. Vergleicht man oben beschriebenes mit ersten Eindrücken in einer Schweizer Kletterhalle, könnten die Erfahrungen von kanadischen und Schweizer Einsteigern kaum unterschiedlicher sein.

Hat man hierzulande nicht das Glück in einem kletteraffinen Umfeld grossgeworden zu sein, fühlt man sich in der Kletterhalle schnell verloren.

Hat man hierzulande nicht das Glück in einem kletteraffinen Umfeld grossgeworden zu sein, fühlt man sich in der Kletterhalle schnell verloren: welches Sicherungsgerät, welcher Einbindeknoten, was bedeutet dieser und jener Begriff, die skeptischen Blicke der alteingesessenen Kletterhallenstammkunden.

Einführungskurse werden empfohlen – sind jedoch nicht obligatorisch

Es wird zwar zu Einführungskursen angeraten, und diese sind qualitativ oft auf hohem Niveau, doch diese sind in keinster Weise verpflichtend. Die mangelnde Anleitung, wenn nicht selbst aktiv nachgefragt wird, kann so schlussendlich abschreckend und überwältigend wirken und im schlimmsten Falle zu Unfällen führen: mangelndes Nicht-an-die-Hand-genommen-werden führt zu Sicherheitsrisiken.

Im Gegensatz dazu führt das kanadische Model zu einem einfacheren und vor allem zumindest zu Beginn sichereren Einstieg für Anfänger, die nicht den Vorteil von erfahrenen Kletterfreunden geniessen. Diese kanadische Offenheit für alle, auch für die die wirkliche Anfänger sind, die aus der Enge der Regeln erwächst, funktioniert aber nur, weil sich die Kletterhallen auf der anderen Seite des atlantischen Ozeans offensichtlich vom Felsklettern separat betrachten. Und dies wiederum ist sicher ein No-go für das Klettern in der Halle in der Schweiz. 

Sollte das Klettern an Plastik losgelöst vom Felsklettern betrachtet werden? 

Eine übersichere Kletterkultur, die wenig Raum für Eigeneinschätzung lässt, dafür aber Klettern für jeden zugänglich macht, produziert ganz andere Kletterer als die liberale Schweizer Kultur der Selbstverantwortung. Doch welche Art von Kletterern sollten in Kletterhallen geformt werden? Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn zuerst eine andere Problematik tangiert wird: welche Aufgaben und Verantwortungen kommen denn einer Kletterhalle eigentlich zu?

Bei aller löblichen Sicherheit und Zugänglichkeit für Einsteiger, kanadische Kletterhallen sehen sich zum Beispiel oft in die Verantwortung gezogen, wenn sich wieder einmal eine Schar Indoorkletterer am Felsen inadäquat benehmen. Viele dieser Kletterer, die vor allem auch in Zeiten der Pandemie den Drang nach draussen verspüren, gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie mit ihrer Erfahrung in der Halle gut genug vorbereitet sind für das Klettern draussen. Wir alle wissen, das dem nicht so ist. Und so passieren Nachlässigkeitsunfälle und das Aufeinanderprallen zwischen lokalen «Crag»-Einheimischen und den Plastikkletterern, die auch gern einmal ihren Müll zurück lassen, läuft nicht immer freundlich ab.

Viele kanadische Kletterinnen und Kletterer gehen davon aus, dass sie aufgrund ihrer Kletterhallen-Erfahrung gut genug auf das Felsklettern vorbereitet sind.

Um sich vor rechtlichen Schritten resultierend aus dem Fehlverhalten der Anfänger zu schützen, betonen kanadische Kletterhallen explizit, dass sie in keiner Weise die Intention haben Fähigkeiten für das Felsklettern zu vermitteln. John Gross, Besitzer von True North Climbing, eine Kletterhalle in Toronto, mit prägnant hohen Wänden, und sogar einem Bereich zum Rissklettern, sagt es wie es ist: Die Kletterhallen in Kanada sind sich der Flut der Hallenkletterer an den Felsen bewusst, aber sie nehmen das was dort passiert als etwas völlig anderes wahr, als was ihre Kunden in den Hallen erlernen.

Die einzige Verantwortung, die Kletterhallen dementsprechend zukommt, so meint Gross, ist Anfänger darauf aufmerksam zu machen, dass sie mit ihren Aktivitäten in der Halle nicht für das Felsklettern vorbereitet sind. Dies ist sicher nicht der Weg, den man in der Schweiz gehen möchte. In Schweizer Kletterhallen ist die Verbindung zwischen Fels- und Hallenklettern klar erkennbar: man findet schnell Bereiche für Standplatz- und Ankerbautraining oder Wände, die dem natürlichen Fels nachempfunden sind.

Europäische Indoorkletterer sind auf das Felsklettern besser vorbereitet als ihre kanadischen Kollegen. 

Die Freiheiten dann in Bezug auf Knoten, Sicherungsgerät und der Einstieg ins Vorstiegsklettern tragen weiterhin zu einem wichtigen Aspekt des Felsklettern bei: die Einschätzung der äusseren und inneren Umstände, und daraus resultierend die Fähigkeit eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen. Kann ich diese Route im Vorstieg klettern? Wo platziere ich mich zum Sichern? Kann ich den ersten Bohrhaken sicher erreichen? All diese Entscheidungen sind am Felsen nicht in Stein gemeisselt und keine weiche Matte fängt die Konsequenzen einer Fehlentscheidung ab. Europäische Indoorkletterer sind zumindest auf diese Fülle an Entscheidungen und somit für das Felsklettern besser vorbereitet als ihre kanadischen Kollegen.

Ist es die primäre Aufgabe von Kletterhallen, ihre Besucherinnen und Besucher auf das Felsklettern vorzubereiten?

Bedeutet dies wiederum, dass es die primäre Aufgabe und Verantwortung der Kletterhallen in der Schweiz ist, Anfänger auf das Outdoorklettern vorzubereiten? Und wenn ja, ist dies die einzige Aufgabe, oder sollte ein Schwerpunkt ebenfalls auf der leichten und vor allem sicheren Zugänglichkeit des Sports für Anfänger gelegt werden? Wenn letzteres auch zur Agenda gehört, sind kanadische Kletterhallen ein guter Ort, um sich Anregungen zu holen. Sie bieten Anregungen zum Beispiel in Bezug auf die Rolle und Freiwilligkeit von Einführungskursen in der Schweiz.

Inwieweit sollten und können diese zu Pflichtveranstaltungen werden? Eine andere Frage, die sicher relevant ist, hängt mit der Wahl der Sicherungsgeräte zusammen:  sollten Geräte wie der ATC weiterhin in Kletterhallen erlaubt sein?

Schlussendlich, auch wenn für die meisten die Moral des Vergleichs zwischen kanadischen und Schweizer Kletterhallen lediglich in einer neugewonnenen Dankbarkeit über die Freiheiten hierzulande mündet, regt der Blick über den Ozean zumindest dazu an, genau solche Fragen zu stellen und zu diskutieren.

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Credits: Bild und Text Christine Sievers

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