Den beiden Briten Pete Whittaker und Tom Randall gelingt die Begehung der steilsten und wohl längsten Rissroute der Welt: The Great Rift (7b+ bis 8a+, 60-70 Seillängen). Das besondere an der Sache: Es handelt sich um eine künstliche Rissstruktur einer Autobahnbrücke.

Pete Whittaker und Tom Randall, auch bekannt unter dem Pseudonym Wideboyz, überraschen die Kletterwelt einmal mehr mit einer aussergewöhnlichen Leistung. Nicht nur klettertechnisch. Angetrieben von den Restriktionen der Corona-Pandemie suchten die beiden nämlich nach einer Alternative für ihre geplante USA-Reise.

Fündig wurden die beiden auf der Autobahn M5 zwischen Birmingham und Exeter, Grossbritannien. Auf der Autobahn? Richtig gelesen. Auf einem langen Abschnitt verläuft die M5 über eine Brücke, unterteilt in zwei Fahrtrichtungen. Zwischen den beiden Elementen der Brücke verläuft ein perfekter Kletterriss.

Horizontale Risskletterei - so weit das Auge reicht. (Bild Ray Wood)
Horizontale Risskletterei so weit das Auge reicht. (Bild Ray Wood)

So lang wie der Half Dome hoch

Bei der besagten Brücke handelt es sich nicht um eine normale Brücke, sondern ein wahres Monument. Der Riss der Konstruktion weist eine Länge von rund 760 Metern auf, ist also so lang wie der Half Dome im Yosemite hoch. Doch dieser Riss hier ist komplett horizontal!

Tagelanges horizontales Klettern, ständig im Klettergurt oder Portaledge. Die Route verlangte den beiden alles ab. (Bild Ray Wood)
Tagelanges horizontales Klettern, ständig im Klettergurt oder Portaledge. Die Route verlangte von den beiden alles ab. (Bild Ray Wood)

Spezifisches Training für die Route

Tom Randall und Pete Whittaker waren besessen vom Projekt. Einen kompletten Sommer lang trainierten die beiden spezifisch für ihr Autobahn-Projekt, unternahmen drei Trips zum Rekognoszieren der Brücke, mussten einmal in der Mitte der Brücke aufgeben, bis es während des fünften Trips dann endlich klappte.

Die Nächte im Portaledge waren alles andere als erholsam, denn die Autos und Lastwagen brausten auch in der Nacht über den Köpfen der beiden hinweg.
Die Nächte im Portaledge waren alles andere als erholsam, denn die Autos und Lastwagen brausten auch in der Nacht über den Köpfen der beiden hinweg.

Vier Tage und drei Nächte im Portaledge verbrachten Tom und Pete unterhalb der Autobahnbrücke, bis das Mega-Projekt vollbracht war. Rund 60 bis 70 Seillängen zählt die Gesamttour und bewegt sich im Bereich 7b+ und 8a+.

„760 Meter purer horizontaler Kletterei haben uns alles abverlangt und wir waren am Schluss der Route total zerstört.“

Pete Whittaker

Als ob eine dermassen lange und konstant horizontale Route nicht schon genug wäre, erschwerten die äusserlichen Umstände die Begehung massiv. Pete Whittaker und Paul Randall verbrachten sicherlich schon erholsamere Nächte im Portaledge, als direkt unterhalb einer viel befahrenen Autobahnbrücke mit entsprechendem Verkehrslärm.

Es gibt definitiv schönere Kletter-Locations als die M5.
Es gibt definitiv schönere Kletter-Locations als die M5.

Geklettert sind sie oft mit Skibrillen, weil immer wieder kleinere Partikel und Staub durch den Riss nach unten fielen. Schon bei ihren ersten Erkundungstrips haben sie zudem bemerkt, dass der Verkehr schwerer Lastwagen der Kletterei eine ordentliche Portion Extra-Challenge verlieh.

„Die schlimmsten Seillängen waren diejenigen, in denen ein schwerer Lastwagen über die Brücke rollte, während wir eine Absicherung platzieren wollten. Das war dann immer eine Art Extra-Schlüsselstelle.“

Pete Whittaker

Film über „The Great Rift“ erscheint im Frühling 2022

Die beiden verrückten Briten wurden während des Projekts von einem Filmteam begleitet. Der entsprechende Film über das Projekt erscheint im Rahmen der Reel Rock Tour 16 im Frühling 2022.

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Credits: Bildmaterial Ray Wood / Reel Rock

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